Cesár Sampson über ESC: "Zwei Jahre hintereinander wollen wir das nicht machen"

"VIENNA CALLING" CESAR SAMPSON UND ALICE TUMLER
Cesár Sampson und Alice Tumler moderieren im Februar den ESC-Vorentscheid „Vienna Calling“. Das Duo im Gespräch über null Punkte, Conchita und die Israel-Debatte.

Wer den Song Contest im Mai in der Wiener Stadthalle moderiert, soll der ORF in wenigen Tagen verkünden. Zwei, die auf jeden Fall Lust auf den Job hätten, sind Cesár Sampson und Alice Tumler, wie sie bei einem Roundtable-Interview im ORF-Zentrum verraten: „Natürlich!“, meint Tumler, die bereits 2015 gemeinsam mit Mirjam Weichselbraun und Arabella Kiesbauer durch das Event geführt hat. Die Geheimhaltung sei auch damals schon groß gewesen, erzählt Tumler: Sie selbst habe erst bei der Pressekonferenz erfahren, wer ihre Mitstreiterinnen auf der Bühne sein würden. Auch Sampson würde das Angebot, den ESC-Host zu geben, nicht ausschlagen. Bis zur Bekanntgabe ist jedoch noch Geduld gefragt.

Fix auf der Bühne stehen wird das Duo jedenfalls am 20. Februar, wenn der österreichische Beitrag für den diesjährigen Song Contest in einer TV-Show gewählt wird: 12 Acts treten in „Vienna Calling – Wer singt für Österreich?“ um die Nachfolge von Vorjahressieger JJ an. Und die Auswahl der Künstlerinnen und Künstler ist, so zeigt sich Sampson überzeugt, vielversprechend.

"VIENNA CALLING" CESAR SAMPSON UND ALICE TUMLER

„Wir haben wirklich ein außerordentlich gutes Jahr“, findet der Sänger, der 2018 beim ESC in Lissabon den dritten Platz für Österreich geholt hat und seitdem als Scout nach Nachwuchstalenten für das internationale Wettsingen sucht. Auch heuer war er in die Vorauswahl involviert – für Tschechien, aber auch hierzulande. Angst, dass Österreich einen Beitrag entsendet, der – wie etwa bei den Makemakes 2015 geschehen – am Ende der Ergebnisliste landet, müsse heuer niemand haben: „Wir könnten uns zu Recht aufregen, wenn wir null Punkte bekommen würden.“

Der erste Platz ist dabei aber auch nicht unbedingt das oberste Ziel: „Ein Fast-Sieg wäre wahrscheinlich das Coolste, was für den ORF und Österreich passieren kann. Ich glaube, zwei Jahre hintereinander wollen wir das nicht machen“, sagt Sampson schmunzelnd.

Autobahn Radiopop

Genretechnisch seien die Bewerbungen für den Vorentscheid breit gestreut gewesen: Die „Autobahn des Radiopop“ sei für viele nicht mehr der einzige Weg, so Sampson. „Nichts gegen Radiopop – aber man kann mit vielen anderen Sachen Menschen erreichen, gerade beim Song Contest.“

Dass die Anzahl der Social-Media-Follower das Ergebnis von „Vienna Calling“ entscheiden könnte, halten die beiden Moderatoren für unwahrscheinlich. „Wenn jemand eine Fangemeinde von 20.000 hat und 2 Millionen wählen, ist das, glaube ich, relativ egal“, sagt Tumler. Zur Auswahl würden ohnehin keine „Megastars“ stehen, ergänzt Sampson. Das Publikum treffe die Wahl auch nicht allein, sondern mit einer Expertenjury: „Das ist ein Qualitätsstützrad.“

"VIENNA CALLING" CESAR SAMPSON UND ALICE TUMLER

Wie der Abend des Vorentscheids konkret aussehen wird, dazu kann das Duo beim ORF-Termin noch keine Auskunft geben. Vieles würde noch nicht feststehen, so Tumler. „Ich hoffe, dass es eine riesengroße Show wird, wir Spaß auf der Bühne haben und es spannend wird.“

Sampson wünscht sich jedenfalls „einen guten Showact“: „Ich hoffe, wir bekommen einige unserer größten Eurovision-Starter ins Boot.“ Gerne würde er dabei Conchita auf der Bühne sehen. Die ESC-Siegerin von 2014 hat kürzlich überraschend bekanntgegeben, sich aus der Welt des Song Contests zurückziehen zu wollen. Die Rede sei jedoch nur vom ESC gewesen, betont Sampson lachend, nicht von „Vienna Calling“. Die Gründe für Conchitas Entscheidung würden die zwei Moderatoren nicht kennen.

Glatteis

Trotz der Diskussionen rund um die Teilnahme Israels sei die Song-Contest-Stimmung bei Sampson „nicht getrübt“: „Ich glaube, der ESC hat immer widergespiegelt, was auf der Welt abgeht und das darf er auch.“ Er wolle nicht, dass der Song Contest „Dinge tun muss, die einzelne Länder nicht mal bereit sind zu tun“. Dadurch komme der Bewerb auf ein „Glatteis, das ihn beschädigen könnte“. „Auf der anderen Seite will ich auch nichts totschweigen, was uns gerade bewegt. Ich glaube, wir schaffen es, die Balance zu finden und den ESC trotzdem genießen zu können.“

„Man muss einfach immer daran erinnern, dass der ESC kein politisches Event ist“, sagt Tumler. „Es ist gerade ein bisschen schwierig, aber diese Position muss er zurückbekommen.“

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