Kultur | Medien
14.05.2018

Song Contest: Ein dritter Platz – und jede Menge Freude

Die favorisierte Israelin Netta gewann den ESC in Lissabon. Österreichs Vertreter Cesár Sampson war sensationell Dritter.

Kurz war Österreich nach der Wertung der Jurys sogar in Führung gelegen, rutschte aber beim Voting des Publikums zurück (für die Jurys gibt es einen eigenen Durchlauf). Man kann das auch so interpretieren: Die Fachjurys waren von der erstklassigen Soul-Stimme des Österreichers und seiner schwungvollen Pop-Nummer angetan, die Zuschauer vielleicht ein wenig fadisiert von der kargen Bühnenshow und vielleicht auch nicht ganz so überzeugt von dem braven „Nobody But You“.

Jubel

Sampson zeigte sich in einer ersten Reaktion begeistert: „Der erste Platz beim Juryvoting war einfach ein unbeschreibliches Gefühl. Im Green Room war das ein emotionaler Ritt – und auch ein Sieg hätte mich nicht glücklicher machen können.“ Im ORF wieder ist die Freude groß über eine knappe Million Zuschauer im Schnitt – und wohl auch darüber, den teuren Bewerb nicht schon wieder austragen zu müssen. Auf Platz zwei kamen die Mitfavoriten aus Zypern.

Feiern, was man ist!

Die Siegerin kommt (zum vierten Mal in der ESC-Geschichte) aus Israel, erinnert optisch wie stimmlich an Björk und Beth Ditto (also an großartige Künstlerinnen). Ihr Song „Toy“ – eine elektronisch groovende Vertonung eines Schluckauf-Anfalls – hat großen Wiedererkennungswert. Und sie behandelt ein aktuelles Thema: Übergriffe gegenüber Frauen – Stichwort #metoo. Und obwohl der Song Contest offiziell streng unpolitisch ist, erreichen sozialkritische Themen oft die meisten Hörer.

Netta, 25, kommentierte ihren Sieg so: Sie habe realisiert, dass sie etwas Besonderes machen könne – die Leute dazu zu animieren, sich so zu feiern, wie sie sind. „Ich musste nie eine Botschaft transportieren, ich musste einfach ich sein. Ich feiere mich, egal, was meine Größe ist.“

Große Freude auch bei den Deutschen, die zuletzt stets Misserfolge einfuhren. Der brav wirkende Michael Schulte erreichte Platz vier: „Oh mein Gott, was soll ich sagen? Das ist so verrückt.“