© Walter Wehner / Netflix/Walter Wehner

Streaming-Kritik
01/14/2022

Kritik zu "Kitz": Kuh-Plazenta auf den Nobelstiefeletten

Die Coming-of-Age-Serie liefert viel Hochglanz an einem alpinen Schauplatz.

von Peter Temel

Ins „Aspen der Alpen“ will das Marketing von Netflix neuerdings entführen. Gelernte Österreicher sehen es umgekehrt: Skihistorisch wäre Aspen eher als „Kitz der Rocky Mountains“ zu bezeichnen.

Aber Schwamm drüber, natürlich schaut man sich das in Österreich an, wenn eine berühmte Stadt des Landes Schauplatz einer internationalen Serie ist, und beschert „Kitz“ Platz 1 der heimischen Netflix-Charts. In Deutschland belegte die sechsteilige Young-Adult-Mystery-Serie zuletzt immerhin Rang vier.

Party

Worum geht’s? Alljährlich pilgern junge reiche Feieranten aus München nach Kitzbühel, um im Chalet des Influencer-Models Vanessa (Valerie Huber) glamourös Party zu machen. Die 19-jährige Tirolerin Lisi (Sofie Eifertinger) hat ganz andere Gedanken. Sie macht Vanessa für den Tod ihres Bruders verantwortlich. Als Kellnerin getarnt, gelingt es ihr, sich in die Clique einschleusen, um Unfrieden zu stiften.

„Kitz“ hat alle genretypischen Zutaten. Schöne Menschen, Liebe, Intrigen – und eine Prise Humor. Für diesen sorgt Hotel-Erbe Kosh (Zoran Pingel), der zudem die Partydrogen verwaltet. Als er bei seinem Love Interest, dem „Bauernburschi“ Hans (Ben Felipe), vorbeischaut, platzt er mitten ins Kalben einer Kuh. Kosh kommentiert: „Ich hab’ Plazenta auf meinen Louboutins.“

Ăśberall

Die bayerischen Macher der Serie, Vitus Reinbold und Niko Schulz-Dornburg, bezeichnen sich als Fans von „Monaco Franze“, „Kir Royal“ oder der „Piefke Saga“. Leider zeigt sich dadurch auch das größte Manko von „Kitz“. Die genannten Serienklassiker bewiesen viel Gespür für regionale Besonderheiten. Bei „Kitz“ hat man hingegen das Gefühl, die Serie könnte überall zuhause sein, wo stinkreiche Städter auf eine lokale Bevölkerung treffen. Letztere wird auch ziemlich geschont, weil die Auswüchse des Tourismus eher den stylishen Kolonialherren und -damen zugeschrieben werden.

DafĂĽr punktet die Serie – neben prominent besetzten Nebenrollen (Florence Kasumba, Wolf Bachofner, Tyron Ricketts, Johannes Zeiler u.a.) – mit einem jungen, hochinteressanten Darsteller-Ensemble. So braust etwa der junge Burgschauspieler Bless Amada im Mercedes-Geländewagen durch das, was die Showrunner "die Hamptons von MĂĽnchen" nennen. 

Okay, vielleicht nehmen wir doch lieber "Aspen der Alpen".

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