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Aus für ORF 1-Vorabend-Quiz: Kündigungswelle rollt an

Das Streichkonzert der Regierung beim ORF hat Folgen. Wegen des Aus für „Smart10“ und „Q1“ muss die Produktionsfirma zahlreiche Mitarbeiter abbauen.
Anton Polster und Caroline Athanasiadis halten gemeinsam einen rot-weiß-roten Schal mit der Aufschrift „Österreich“ vor einer bunten Spielshow-Kulisse.

In ORF 1 geht es am Samstag hoch her: "Anpfiff für Smart10 BIG! Österreich ist im WM-Fieber und Smart10 jubelt mit. Zum WM-Auftakt zieht das Quiz mit den 10 Antwortmöglichkeiten – moderiert von Caroline Athanasiadis – in den Hauptabend ein“, heißt es in der freudig formulierten Ankündigung zur Show (20.15 Uhr). Mit dabei sind unter anderem die Schmähbrüder unter den heimischen Fußballgrößen Toni Polster, Herbert Prohaska und Peter Stöger.

Hinter den Kulissen der Sendung heißt es hingegen: Abpfiff. Aus. Ende.

Die Bundesregierung streicht, wie berichtet, dem ORF mit 1. Jänner 2027 bis zu 90 Millionen Euro als „Beitrag zur Budgetkonsolidierung“. Das Geld steht dem Sender gesetzlich zu. Die Geschäftsführung unter Ingrid Thurnher zieht aufgrund der Kurzfristigkeit die Notbremse. Erste, vom KURIER berichtete Einsparpläne betreffen das Programm – vor allem die ORF-Unterhaltung. Gestrichen werden die ORF 1-Vorabend-Quizsendungen "Smart10" und "Q1 – Eine Antwort ist falsch" mit Oliver Polzer. Auch die "Millionenshow“ mit Armin Assinger steht zur Disposition.

Bittere Konsequenzen für die Mitarbeiter der Produktion

Noch ehe Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ) seine Rede zum Doppelbudget hält, gehen an anderer Stelle Jobs verloren. Die Produktionsfirma TVfriends meldet etwa 20 Mitarbeiter beim AMS zur Kündigung an, wie dem KURIER bestätigt wurde. Spätestens Ende September ist das Team der ORF-Quizshows dort Geschichte.

Moderatorin Athanasiadis kritisierte soeben auf Facebook, dass die Mitarbeiter, die "auf allen Ebenen so hart arbeiten, um Content möglichst kostengünstig aufzubereiten, bestraft werden. Menschen, die wirklich mit viel Herzblut an der Front für ein Unternehmen kämpfen, welches durch Skandale oft denen schadet, die es gar nicht verdient haben." Sie betonte: "Herr und Frau Österreicher 🇦🇹 und die Politik müssen begreifen, dass ein unabhängiger öffentlich-rechtlicher Rundfunk kein Luxus, sondern eine Grundvoraussetzung für eine funktionierende Demokratie ist."

Die Resonanz darauf war groß. Nun wurde sogar eine Petition gestartet. Deren Ziel ist der Erhalt von "Smart10".

Thurnher dürfte dergleichen geahnt haben. Die ORF-Chefin, die wegen dem Vorgehen der Dreier-Koalition eine Verfassungsbeschwerde prüfen lässt, erklärte nach dem jüngsten Publikumsrat: "Wenn wir da keinen Bewegungsspielraum haben, um die vernünftigsten Entscheidungen für den ORF zu treffen, dann geht das nicht."

Stiftungsrat hinterfragt Einsparungsvorhaben

Ob diese Einschnitte unter den gegebenen Rahmenbedingungen vernünftig sind, damit befasst sich der Finanzausschuss des Stiftungsrats am Montag. 

Fakt ist: Im ORF laufen bereits millionenschwere Sparpakete. Darauf ist man eingestellt. Wenn die Regierung die Kompensation für den Wegfall der Möglichkeit, Vorsteuer abzuziehen, kurzfristig streicht, kommt das zusätzlich oben drauf.

Die daraus folgenden Kürzungen werden alle Bereiche betreffen. Beispiel Programmdirektion: Der stehen dann etwa 60 Millionen Euro weniger zur Verfügung als noch 2026. Das entspricht etwa einem Viertel des dortigen Budgets. Die Unterhaltung verfügt über rund 45 Millionen Euro pro Jahr und soll allein 15 Millionen Euro einsparen.

Die beiden Quizsendungen füllen täglich drei Stunden Programm – knapp 10.000 Sendeminuten pro Jahr. Die Produktion ist vergleichsweise günstig: rund 400 Euro pro Minute. Eine Folge kostet geschätzt 15.000 bis 18.000 Euro.

Kostengünstiges Ersatzprogramm gesucht

Ein Ersatzprogramm für den Vorabend muss diese Kosten klar unterschreiten, um echte Einsparungen zu bringen. Mit eingekauften fiktionalen Programmen wie aktuelle Krimiserien gelingt das wohl nicht. Man müsste zu älterer, für den Vorabend tauglicher Ware greifen – was etwa mit den „Rosenheim-Cops“ sogar im Hauptabend sehr gut funktioniert. Eine andere Möglichkeit sind Serien aus dem Archiv, die derzeit am Nachmittag laufen. Oder man greift zu älteren deutschen Quizsendungen, die wahrscheinlich billiger zu bekommen sind.

Bei bis zu 90 Millionen Euro weniger im Budget geht es beim ORF – unter alter wie neuer Führung – in vielen Bereichen ans Eingemachte. Für nachgelagerte Produktionsfirmen erst recht. Und „das Publikum wird es spüren“, wie Thurnher schon ankündigte.

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