Formel 1 und Co.: ServusTV zeigt keinen Top-Sport mehr auf Joyn

Mehr Exklusivität für ServusTV On. Auch ORF evaluiert Rechte-Situation mit Streaming-Plattform Joyn.
Zwei Formel-1-Autos fahren dicht hintereinander auf einer Rennstrecke, eines schwarz-rot, das andere blau.

Der österreichische Medienmarkt ist in Bewegung: ServusTV setzt künftig auf maximale Exklusivität und beendet die Übertragung seiner Sport-Highlights auf der Plattform Joyn. Auch beim ORF steht die Zusammenarbeit mit dem Streaming-Anbieter auf dem Prüfstand.

Formel 1 und MotoGP: Exklusivität für ServusTV On

Am Sonntag zeigt ServusTV zwei Motorsporthighlights: 

  • Formel 1 in Suzuka/Japan (live 7.00 Uhr) und
  • MotoGP in Austin/USA (live 22.00 Uhr).

In der vergangenen Saison waren beide Rennserien noch via ServusTV-Livestream auf Joyn, der Plattform der ProSieben-Gruppe, zu sehen. Doch die Zeit der parallelen Streams ist vorbei: Statt der Live-Rennen sehen Joyn-Nutzer nur noch einen Verweis auf die Streamingplattform ServusTV On.

Kampf um Werbeeinnahmen tobt 

Der Grund: Die Milliarden, die aus Österreich zu den Tech-Giganten in den USA und China abfließen, machen den Werbekuchen hierzulande immer kleiner. Dadurch wird es zunehmend schwieriger, teure Premium-Sportrechte zu refinanzieren. Entsprechend wird der Ton am heimischen Medienmarkt rauer.

Exklusivität steht im Fokus. Wie der KURIER berichtete, bremsten ServusTV und ORF zuletzt den deutschen Privatsender RTL aus. Der Sender wollte den China-Grand-Prix in Deutschland übertragen - und die Gratis-Reichweite in Österreich mitvermarkten. Das schmälert die Exklusivität der Übertragungen – beim Publikum und vor allem auch bei Werbepartnern. ServusTV und ORF protestierten erfolgreich.

Auch Joyn profitiert bisher von solchen Highlights. Die Plattform verbreitet unter anderem ServusTV und die ORF-Kanäle und hat auch deren Mediatheken im Angebot. Das sorgt für höhere Relevanz und Zugriffe. Und dieses Umfeld lässt sich – trotz Beschränkungen durch die Sender –  gut vermarkten.

Sporthighlights als exklusiver Treiber für ServusTV On 

Doch nun drückt ServusTV die Stopp-Taste und stellt die Weichen für seine Zukunft. Exklusive Sportübertragungen und weitere Highlights sind künftig ausschließlich bei ServusTV und ServusTV On zu sehen, heißt es in Salzburg. Ob Formel 1, Europa League oder die Fußball-WM: ServusTV On soll für Sportfans – und deutlich darüber hinaus – zur ersten Adresse werden. „Wir wollen unsere digitale Präsenz und Reichweite konsequent ausbauen“, erklärt das Unternehmen. Dafür braucht es mehr Exklusivität bei ServusTV On.

Ganz konkret bedeutet das: 

„Premium-Sportrechte wie die Formel 1, MotoGP, UEFA-Klubbewerbe, FIFA Fußball-WM 2026, UEFA EURO 2028, Tennis Grand-Slam-Turniere und weitere Premium-Formate werden künftig live und ab Abruf exklusiv bei unserer Streamingplattform ServusTV On zu sehen sein“ 

– und nicht mehr auch bei Joyn. Die Rechte, die der ORF hält, sind davon nicht betroffen.

ORF hinterfragt seine Joyn-Strategie trotz starker Reichweiten

ProSiebenSat.1Puls4 bestätigt dem KURIER: „Unsere Vereinbarung mit ServusTV sieht vor, dass ab 1.1.2026 bei definierten Formaten, wie Premium-Sportevents von ServusTV, das Live-Signal ersetzt wird. Dies wird den User:innen ersichtlich ausgewiesen.“ Die Mediathek von ServusTV bleibt bei Joyn verfügbar – allerdings ohne Premiumsport, wie man in Salzburg anmerkt.

Auch beim ORF denkt man immer wieder darüber nach, bei Joyn restriktiver vorzugehen. Gleichzeitig verlangt die Medienpolitik verstärkte Kooperation mit den Privaten.

„Um öffentlich-rechtlichen Qualitätsinhalten zusätzliche Sichtbarkeit zu verleihen, sind die ORF-Fernsehprogramme weiterhin live und on demand auf Joyn verfügbar“, heißt es am Küniglberg. Rund 25 Prozent der Reichweite des ORF komme inzwischen über die Plattform. Sie liefere „somit einen wesentlichen Beitrag zur ORF-Digital-Reichweite“, argumentiert ProSiebenSat.1Puls4. Joyn hat aktuell etwa 1,5 Mio. aktive Nutzer pro Monat.

Keine lizenzvertragliche Einigung zwischen ORF und P7S1P4

Der Öffentlich-Rechtliche hält jedoch fest, dass es dafür keine „lizenzvertragliche Einigung zwischen dem ORF und P7S1P4“ dazu gibt. „ORF-Inhalte werden durch Verlinkung eingebettet (Embedding), was nach Ansicht von P7S1P4 im Rahmen der Judikatur des Europäischen Gerichtshofs rechtlich zulässig ist.“

Das ist allerdings nicht in Stein gemeißelt. Der ORF zum KURIER: 

„Mit der zunehmend herausfordernden Situation am Medienmarkt gewinnt die Frage nach den Rechten und der fairen Abgeltung von Kreativleistungen jedoch immer stärker an Bedeutung. Der ORF hat daher eine Evaluierung dieser Zusammenarbeit eingeleitet, die noch nicht abgeschlossen ist.“

 

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