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Streaming-Kritik
09/17/2021

"Scenes From A Marriage": Vom (Un-)Glück der Liebe

Ingmar Bergmans Klassiker aus den 1970ern neu erzählt, mit Oscar Isaac und Jessica Chastain in den Hauptrollen.

von Nina Oberbucher

Fast 50 Jahre ist es her, dass der schwedische Filmemacher Ingmar Bergman in der Mini-Serie „Szenen einer Ehe“ mit Liv Ullman und Erland Josephson das Ende einer scheinbar unerschütterlichen Beziehung in all seinen schmerzhaften Facetten gezeigt hat. Später erschien auch eine kürzere Filmfassung (zu leihen via Amazon Prime Video).

Der US-Sender HBO hat den Klassiker nun neu erzählen lassen (hierzulande ist die fünfteilige Serie bei Sky zu sehen) – unter umgekehrten Vorzeichen: Denn anstelle des Mannes ist es im Jahr 2021 die Frau, die eine Affäre beginnt und die vermeintliche Paaridylle verlässt.

Beziehungsgeheimnis

Ein vielsagendes Interview mit den Eheleuten, um die sich alles dreht, steht auch in der neuen Serie am Anfang: Für eine wissenschaftliche Arbeit sollen Jonathan (Oscar Isaac) und Mira (Jessica Chastain) über das Geheimnis ihrer langen Beziehung sprechen. Beide sind erfolgreich, verdienen gut und leben mit ihrer Tochter Eva in einem schicken Eigenheim, in dem alle Möbelstücke zusammenpassen. Mira hat in der Tech-Branche Karriere gemacht, Jonathan ist Wissenschafter und kümmert sich in erster Linie um Kind und Haushalt.

Nach außen hin scheinen die beiden eine perfekte Ehe zu führen, doch Miras Körpersprache und die nervösen Blicke aufs Handy verraten noch während des Interviews in der Einstiegsszene, dass hier etwas nicht stimmt. Lediglich Jonathan scheint das nicht wahrhaben zu wollen. Später wird Mira ihm beichten, dass sie sich in ihren jüngeren Arbeitskollegen Poli verliebt hat und mit ihm für einige Monate ins Ausland gehen wird.

Wechselbad

„Scenes From A Marriage“ zeigt in harten Detailaufnahmen, wie eine Ehe in die Brüche geht und wie sich dabei die ganze Palette an Emotionen entlädt: von Enttäuschung, Wut und Trauer bis hin zu gegenseitigem Verständnis, wiederentdeckter Anziehung und Hoffnung auf einen Neuanfang. Der Wechsel erfolgt oft innerhalb weniger Minuten.

Für Drehbuch und Regie des Remakes verantwortlich zeichnet der israelische Filmemacher Hagai Levi, der u. a. für die Therapieserie „BeTipul“ bekannt ist, die mittlerweile Ableger auf der ganzen Welt hat (in den USA „In Treatment“, in Frankreich „En Thérapie“). Bei „BeTipul“ wie auch bei „Scenes From A Marriage“ stehen dichte Dialoge im Mittelpunkt: Zwischen den einzelnen Episoden finden größere Zeitsprünge statt, in denen die eigentliche Handlung vor sich geht. „On screen“ wird dann hauptsächlich darüber geredet, ohne ablenkende Effekte oder viel Musik.

Liebeselend

Die Aussicht, sich fünf Stunden lang Beziehungselend zu geben, mag wenig verlockend klingen, doch Isaac und Chastain überzeugen mit ihrem intensiven Spiel.

Schade ist, dass wir Jonathan, seine Backstory und seine Motivation besser kennenlernen und bei Mira mehr im Dunkeln zu bleiben scheint. Das Grundgerüst von Bergman bleibt bestehen, die Übersetzung ins Amerika der Jetzt-Zeit und auch der Rollentausch ändern am Endergebnis des sehenswerten Kammerspiels jedoch wenig.

Die Mini-Serie „Scenes From A Marriage“ ist seit dieser Woche bei Sky zu sehen.

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