Legten Konzept vor: Christian Helmenstein und Walter Hämmerle

© APA/HELMUT FOHRINGER

Kultur Medien
06/28/2021

Rettungsanker für "Wiener Zeitung"? Redaktion will strategischen Partner

Der Forschungsverbund Cognion will einsteigen. Erhalt der Traditions-Tageszeitung als Ziel.

von Peter Temel

Die im Besitz der Republik stehende Wiener Zeitung kämpft, wie berichtet, ums Überleben, weil Ende 2022 mit den amtlichen Pflichtveröffentlichungen in gedruckter Form eine zentrale Finanzierungsquelle entfällt.

Am Montag legte nun Chefredakteur Walter Hämmerle das zuletzt angekündigte Konzept vor, mit dem die Redaktion – von der „große Unterstützung“ komme – in die weiteren Verhandlungen gehen will. Als strategischer Partner will der Cognion Forschungsverbund auftreten, wie dessen Geschäftsführer und Mehrheitseigentümer Christian Helmenstein vor Journalisten erklärte.

Man habe bereits ein Gespräch im Bundeskanzleramt (BKA) geführt und einen „Letter of Intent“ übermittelt, berichtete Helmenstein, der außerdem Chefökonom der Industriellenvereinigung ist. Noch befinde man sich „in einer sehr frühen Phase“. Eine „personelle und finanzielle Due-Dilligence-Prüfung“ solle zeigen, was rechtlich und wirtschaftlich überhaupt möglich ist. Finanzielle Größenordnungen wurden dementsprechend nicht genannt. Im Raum steht eine Public Private Partnership, Helmenstein schließt eine Beteiligung aber nicht aus.

Daten und "Hardcore-Qualität"

Cognion könne in die Partnerschaft ökonomische und juristische Expertise, sowie analytische Datenkompetenz einbringen. Vor allem das umfassende Archiv der 1703 gegründeten Wiener Zeitung scheint für den Verbund interessant zu sein. Diesen wolle man mit semantischen Algorithmen auszuwerten, wobei man nicht vorhabe, "Datenkommerzialisierung" zu betreiben, wie Helmenstein sagte.

Hämmerle sieht zwei Säulen der Partnerschaft: „Umfassende digitale Veröffentlichung von Daten und deren gemeinnützige Aufbereitung sowie eine Hardcore-Qualitäts-Tageszeitungsredaktion“.

Wiener-Zeitung-Geschäftsführer Martin Fleischhacker und das BKA arbeiteten zuletzt an Konzepten, die eine rein digitale Fortführung des Betriebs favorisieren. Kanzler Sebastian Kurz nannte es ein „Schwarzes Brett der Republik“. Fakt ist: Die Verträge von Fleischhacker und Hämmerle laufen Ende August aus, ihre Jobs sind bereits ausgeschrieben.

Ordungspolitik

Cognion teile die Auffassung des BKA, dass der Betrieb einer Tageszeitung nicht Aufgabe der Republik sei, eine Änderung des Finanzierungsmodells sei daher auch „ordnungspolitisch geboten“, sagt Helmenstein zum KURIER. Einen leichtfertigen Umgang der Republiksvertreter mit der ältesten Tageszeitung der Welt sieht sieht er nicht. Im „außerordentlich konstruktiven“ Gespräch im BKA habe er den Eindruck gewonnen: „Man sucht die richtige Option, sonst würde man nicht darum ringen, möglichst viele Informationen zusammenzutragen.“ 

Der Forschungsverbund

Der Cognion Forschungsverbund strebt eine grenzüberschreitend tätige Gruppe von Forschungsinstituten an. Jedes Institut soll dabei mindestens ein charakteristisches thematisches Profil aufweisen. Dabei werde nicht nach Gewinnmaximierung, sondern nach "Erkenntnismaximierung" gestrebt - allerdings unter der Vorgabe des Kapitalerhalts.

Cognion gibt an, derzeit rund 110 Dienstverhältnisse mit Vor-Ort-Präsenzen in Österreich, Deutschland und der Slowakei zu unterhalten. Sitz des Verbundes ist Wien.

Die Firmenkonstruktion

Medial ist der Forschungsverbund zumeist als Economica Institut für Wirtschaftsforschung in Erscheinung getreten, welches wie Christian Helmenstein 50 Prozent der Anteile an der Cognion Forschungsbeteiligungs GmbH hält. Helmenstein hält aber auch 25,2 Prozent der Anteile am Economica Institut.

Der Verbund finanziere sich ausschließlich über Auftrags- und Programmforschung. Dabei achte man auf eine "extrem diversifizierte Auftragsbasis" und baue auf "weit über 100 Auftraggeber" auf, darunter auch Arbeiterkammer und Wirtschaftskammer, erklärte Cognion-Geschäftsführer Helmenstein beim Pressegespräch am Montag. 

Die geplante Kooperation

Das bestehende Geschäftsmodell der Wiener Zeitung solle durch die Kooperation dynamisch weiterentwickelt werden, sagte Chefredakteur Walter Hämmerle. "Das kann auch mehr Marktorientierung bedeuten", so Hämmerle, der im Bereich der Kundenansprache Wachstumspotenzial gegeben sieht.

Dafür würden laut Helmenstein bereits "dutzende Ideen" existieren. Eine davon lautet, ein spezielles Outlet zu schaffen, wo universitären Akteuren mehr Gehör verschafft wird. Eine andere sieht vor, das angebotsbasierte Internet "umzudrehen" und für mehr Nachfragezentrierung zu sorgen. So könnten Leser und Leserinnen aufgrund ihrer Präferenzen vermehrt entscheiden, welche Informationen sie bekommen, wobei die Redaktion als Schleusenwärter intakt bleiben solle. 

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