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TV-Tagebuch
02/28/2020

Premiere für "Bussi Fussi": "A bissl a Panik is ned schlecht"

Politikberater Rudi Fußi begibt sich für Puls24 auf das schwierige Terrain Late-Night-Show. Und zum Start auf das noch schwierigere Terrain Coronavirus.

von Peter Temel

*Disclaimer: Das TV-Tagebuch ist eine streng subjektive Zusammenfassung des TV-Abends.*

Der beste Witz gelingt Rudi Fußi gleich zu Beginn:

"Wie geht’s Rudi, bist nervös?" wird er vor der ersten Sendung draußen vor dem Studio von einem Mitarbeiter gefragt.

"Geh bitte, schaut eh kana", meint er.

Der Witz kommt direkt aus Fußis Bauch und nicht aus einer Gagschreiber-Feder.

Der PR-Berater, Kabarettist und Twitter-Junkie druckt seine Wuchteln nun auch im Fernsehen. "Bussi Fussi" heißt ein weiteres Late-Night-Format auf dem Fernsehmarkt, zu sehen jeden Donnerstag um 21.20 Uhr auf dem noch jungen Nachrichten- und-Event-Sender Puls24.

Am Intro gibt’s nichts herumzumäkeln. Ein CGI-Flug über den Erdball, die Alpen, Transdanubien und die Wiener Innenstadt endet vor einer güldenen Fußi-Statue.

Es folgt eine sympathische Geste. Der frischgebackene TV-Moderator klatscht auf dem Weg ins Studio mit seinen Mitarbeitern ab, dazu wird als Auftrittsmusik jenes Deepfake-Video geschnitten, das Kanzler Kurz im Thomas-Forstner-Look vom Songcontest 1989 zeigt.

Gut, das Video habe eh schon jeder gesehen, gibt Fußi, mittlerweile im schmucken Studio sitzend, zu. Er habe es nur gespielt, "weil‘s eam ärgert". Gemeint ist wohl Kurz, nicht Forstner.

Keine Lacher zu hören

Zum Einzug brandet eingespielter Jubel auf. Danach wird aber auf jegliche Publikumsreaktionen verzichtet. Es gibt nämlich kein Publikum und auch keine Lacher aus der Konserve.

Apropos Konserven. Fußi - er wird per Insert als "Retter des Abendlandes" vorgestellt - hält keine langen Einführungsproseminare und schmeißt sich gleich in die aktuelle Meldungslage und die heißt: Corona, Corona, Corona ("machen‘s sich kaane Sorgen, Fernsehen ist ned ansteckend").

Das nützt Fußi, der eine Zeit lang auch im Fellner-TV seine Wortgefechte austrug, gleich zu ein paar Watschen für das Fellnersche Medienwesen. Dem Tweet einer Österreich-Journalistin, die zu Besonnenheit mahnt, wird die Österreich-Schlagzeile "DIE TOTALE CORONA PANIK" gegenübergestellt.

Dabei sei er, Fußi, ja durchaus ein Fan des Coronavirus. In der Schlange vor der Billa-Kassa könne man die Konkurrenz nun einfach weghusten und "du brauchst ned amal mehr zahlen." Ein profunder Tipp für kommende Hamsterkäufe.

Im Sommer könne man mit einem ordentlichen Corona-Husten immerhin die lästigen Kinder vertreiben und wird zum "King of the Rutsche".

Die größte Gefahr gehe ohnehin von der Bundesregierung aus, die angekündigt habe, sie werde sich nun um das Problem kümmern, meint Fußi.

Hamsterkäufer 

Dabei brauche man nur Michael Häupl einsetzen, um ganz Wien zu immunisieren. Denn: "Alcohol kills Coronavirus", das habe CNN angeblich gemeldet. 0,5 Promille würden schon reichen – "oder wie Heinz-Christian Strache sagen würde: Guten Morgen!"

"Der war ned schlecht", sagt Fußi. Er lobt damit nicht sich selbst, sondern vergibt ein "Mitarbeitsplus für die Redaktion".

Um hier einen ersten Vergleich mit "Guten Abend, Österreich" (ORF 1, ebenfalls Donnerstag) zu bringen: Fußi hat für "Late Night" die frechere Wiener Gosch'n. Peter Klien hat dafür einen massiveren Apparat hinter sich. Vielleicht könnte man die beiden Shows irgendwann zusammenlegen.

Zurück zu "Bussi Fussi". Man begibt sich jetzt in sichere Gewässer, mit zwei viral gewordenen Clips aus Innsbruck: Zuerst die "Hier darf niemand rein oder raus"-Szene aus dem ORF, dann der Hamsterkäufer mit dem "Gas-Zutz", der vor dem Supermarkt mit seinem vollbepackten Roller umkippt. Fußi schmeißt dem Kerl ein paar unschöne Worte nach.

Aber: "A bissl a Panik is ned schlecht, da geht ma vielleicht a bissl mehr einkaufen, sieht andere Leute …"

Dann wird’s, und das muss bei Fußi fast sein, ein bissl tief. Häuslpapier sei beim Hamstern ganz wichtig. Weil was tut man sonst in wochenlanger Heimabsonderung?

Er, Fußi, könne sein Stecktuch verwenden, oder die Hamsterkäufer ihren … Hamster. Aber nur einmal. Denn nach dem Waschen "isser wahrscheinlich hin und ned mehr verwendbar".

Auch ein "Mahrer Antoinette"-Witz mit französischem Akzent muss sein: "Weil Mineralwasser schmeckt so gut zu die Kuchen". Daher gebe es nach dem Opernball in ganz Wien kein Mineralwasser mehr.

Der Witz geht ein bisschen ins Hoserl. Da muss wohl wieder ein Hamster sterben  … oder lieber ein Stecktuch.

Corona gut für den Klimaschutz

Dann wird’s endlich richtig politisch und Fußi blüht endlich auf.

Wie die Parteien auf den Coronavirus reagieren:

Neos: "Man braucht den Virus nur in Ruh‘ lass'n, das wird der freie Markt schon regeln."

Die SPÖ zeige sich erleichtert, "sämtliche zwei Unterstützer leben entlegen am Land, da wird das Virus ned hinkommen."

Die ÖVP, oder besser Kurz, werde "das Coronavirus bekämpfen, und zwar, völlig egal ob es von linker, rechter oder islamistischer Seite kommt."

Von der Verteidigungsministerin Tanner werden mehrere Originalzitate etwas holprig zusammengeschnitten: "Corona - Virus … wird mich noch kennenlernen."

Und was sagen die - laut Fußi - grünen Schwarzen eigentlich dazu? "Offizielle Parteilinie ist: Für'n Klimaschutz is‘s super!"

Fehlt noch die FPÖ: Sie hätten eine Depesche über das richtige Grüßen hinausgegeben: Beim Händeschütteln die Hand leicht heben, das minimiere das Ansteckungsrisiko, "aber nicht zu weit, sonst haben wir wieder an Einzelfall", sagt Fußi.

Das Ibizavirus gebe es übrigens auch noch, aber das lasse sich laut Innenministerium „leicht auf 700 Leute in der Prateralm eingrenzen“.

Neuerdings sei Hofer trotz Ummauerung seines Grundstücks am "Korruptionsvirus" erkrankt und seiner Immunität beraubt worden. Als "Patient Null" gibt Fußi Strache an.

Bei den Freiheitlichen kommt Fußi klarerweise in Fahrt.

Yes we Pam?

Beim Thema "komische Leut'" leitet er auf die Situation der SPÖ über, wo "die Nerven blank liegen"“. Fußi muss in der Show nicht unbedingt offenlegen, dass ihm die Sozialdemokratie sehr am Herzen liegt, weil er das in seinem Twitter-Gesamtwerk selbst ausführlich und mit viel harter Kritik dokumentiert hat.

Die "Pam" habe jedenfalls ein "Riesenproblem: die einen sagen, sie ist nix für den Job und der Job is nix für sie. Und die anderen gibt‘s ned."

Dem Landeshauptmann Doskozil, der seine Verlobte mit einer Referatsstelle beglücken wollte, richtet Fußi aus: "In der SPÖ grüßt ma mit 'Freundschaft', ned mit 'Verwandtschaft'."

Einen Tweet von Christoph Matznetter, in dem der SPÖ-Mann befürchtet, "Akteure wie Rudi Fußi" könnten bei der kommenden Mitgliederbefragung zu einem Nein gegen Rendi-Wagner aufrufen, nutzt Fußi zu einem merkwürdigen Aufruf, bei dem Satire und Wirklichkeit irgendwie schwer auseinanderzuhalten sind.

Er sei der "wahrscheinlich größte Fan" und "stelle sich an die Spitze der Veränderung", sagt Fußi, mit einer "Kampagne, wie sie dieses Land noch nicht gesehen hat." Nachsatz: "Es hot eh no keiner a Kampagne für die Pam gemacht."

Ein kurzer Imagefilm, der sicher ironisch gemeint ist, endet mit dem Slogan "Yes, we Pam." Das Ziel sei, so Fußi danach, dass Rendi-Wagner im Sattel bleibt, weil die SPÖ-Funktionäre das selber nicht schaffen.

Neos-Chefin erster Gast

Nun leitet er über zu einer, "die fest im Sattel sitzt": Neos-Chefin Beate Meinl-Reisinger als erster Studiogast.

Sie wird mit einem Fußi-Bussi begrüßt, bekommt Desinfektionslösung angeboten, aber auch einen Schluck steirisches Hochquellwasser aus einem "Bussi Fußi"-Coffee-Mug, ein Zitat aus US-amerikanischen Late-Night-Shows.

Etwas gewöhnungsbedürftig ist, dass Gastgeber und Gast nebeneinander am Schreibtisch sitzen.

Fußi streut Meinl-Reisinger Rosen für klare Aussagen in Sachen Seenotrettung und Sicherungshaft. "Man lässt weder Menschen ersaufen noch sperrt man sie ein ohne Grund", streut die Neos-Chefin in twittergerechter Kürze ein.

Dann folgen Fragen, die ein bisschen ins Leere gehen.

"Wenn es da rote Linien gibt, wo hättet’s ihr nachgegeben?" fragt Fußi. Meinl-Reisinger begeht nicht den Fehler, Verhandlungsstrategien für Regierungsverhandlungen preiszugeben, die es gar nicht gegeben hat.

Also geht Fußi noch weiter zurück, nämlich zu den Sondierungsgesprächen. Wie Kurz da so sei?

Die Neos-Chefin beruft sich auf das vereinbarte Stillschweigen. Das gilt offenbar auch für die Frage, ob Kurz "immer geschminkt" sei.

Viel Neues erfährt man also nicht. Meinl-Reisinger sagt, es störe sie nicht, wenn Leute fragen, wie sie Beruf und Familie unter einen Hut bringe, "sie haben ja recht."

"Die Eltern vom Kurz fragt des keiner", scherzt Fußi.

Nach einem kurzen Ausblick auf die Wien-Wahl und Scherzen über den Namen des Neos-Kandidaten Wiederkehr, der besser zu Strache passe, sagt Fußi: "Jetzt geht’s eigentlich los mit dem, um was es bei der Sendung geht."

Und was war dann das bisher? So schlecht war das auch wieder nicht.

Gästerunde

Nach der Werbepause sitzen drei weitere Studiogäste am vielleicht ein bisschen zu klein dimensionierten Tisch, um "über das zu diskutieren, was diese Woche los war."

Das wäre diese Woche eigentlich die Aufregung um das Coronavirus, gesprochen wurde aber hauptsächlich über die Eurofighter-Affäre.
Kommunikationsberaterin Karin Strobl meint dazu, sie sei pessimistisch, es fehle die klare Strategie. Heute-Chefredakteur Christian Nusser meint, es werde wieder nix herauskommen, „wir san in Österreich, Leidln.“

Profil-Wirtschaftsressort-Chef Michael Nikbaksh erläutert, warum die „Letztempfänger“ so schwer dingfest zu machen sind, am Ende stünden eben oft Barbehebungen.
Airbus habe jedenfalls „mit Politikberatern gesprochen“.
Fußi: „Mit mir leider nicht, weil sonst sitzert ich ned hier.“

Bullshit-Bingo

Geplänkel dieser Art (Nikbaksh: "Sendeplatz kurz vor Mediashop") durchzieht das Studiogespräch. 

Dann stellt Fußi die Frage, ob die Regierung länger da sei oder das Coronavirus.

Nusser sei, zumindest was Corona betrifft, optimistisch: "Das Virus wird sich zu Tode langweilen" und wieder aus Österreich abziehen.

Zu Straches Aschermittwoch-Auftritt wird kurz ein "Bullshit Bingo" angerissen. Strache sage ohnehin in jeder Rede im Grunde das Gleiche.

Meinl-Reisinger fängt an: "Die echten Wiener und Wienerinnen ..."

Nikbaksh bricht das ab und führt noch einmal vor Augen, was im Ibizavideo besprochen wurde und dass die Vereinskonstruktionen der FPÖ ziemlich real seien. Er sei „wirklich erstaunt“, dass Strache einfach so wieder zu einer Wahl antrete.

Meinl-Reisinger möchte in diesem Zusammenhang das berühmte Van-der-Bellen-Zitat "So sind wir nicht" adaptieren. Der richtige Satz sei: "So sollten Politiker nicht sein."

Videobotschaft

Mittendrin im Gespräch bekommt Fußi dann eine Nachricht über sein Horcherl. Es gebe eine Reaktion auf seine #YesWePam-Aktion.

Eingeblendet wird der ehemalige Trump-Sprecher und Herr über die "alternativen Fakten" Sean Spicer: "Hey, Pam! Ich hab gehört, dass du richtig harte Zeiten durchlebst, aber Rudi will dir sagen, dass er hinter dir steht. Number one supporter, großartiger Typ. Uns ist kein Berg zu hoch. Yes we Pam."

Nusser meint, das Spicer-Video sei der nächste Krisenfall für die Regierung, Kurz müsse sich jetzt bei seinem Besuch in Washington Trump zur Brust nehmen.

Die anderen wissen nicht so recht, wie sie mit der Aktion umgehen sollen. Deep Fake? Fußi verneint.

Irgendwie scheint Fußi nicht zu wissen, was er mit dem natürlich geplanten Spicer-Auftritt anfangen soll. Aber vielleicht meldet sich jetzt ja auch noch Trumps Kommunikationsdirektor für zehn Tage, Anthony Scaramucci? Der hat ja unlängst seinem Ex-Arbeitgeber den Kampf angesagt.

Twitter-TV

Fußi wechselt jedenfalls wieder das Thema und muss dann das Ende der Sendezeit verkünden. Der Gag-Teil sei diesmal zu lang gewesen, meint er.

Die Länge des Gag-Teils war bei der ersten Ausgabe weniger das Problem, aber der Gäste-Teil verlief etwas holprig und ohne klare Linie zwischen Schmäh und Analyse. Klar ist, dass man für so ein Format einen langen Atem braucht und nicht gleich die erste Sendung in den Boden stampfen sollte. Die Ingredienzien für ein unterhaltsames Format sind jedenfalls da. Und, wie auf Twitter treffend formuliert wurde: "Endlich haben wir ein Twitter-TV."

Abschließend richtete Fußi noch einen Aufruf an die Regierungsspitze: Kinder würden derzeit in überfüllten Camps auf den Ägäischen Inseln frieren, wie Berichte zeigen. Hier müsse endlich etwas getan werden, weil es um Kinder gehe.

 

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