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Der neue ORF-General: Wer ist Clemens Pig?

Der bisherige Chef der APA hatte nach einem langen Tag die Mehrheit im Stiftungsrat auf seiner Seite.
ORF-WAHL 2026: PIG

Es war ein langer Tag: Nach ein Uhr am Freitag zeichnete sich dann aber der  Sieg jenes Mannes ab, der auch als Favorit ins Rennen um die ORF-Generaldirektion gegangen ist: Der gebürtige Tiroler Clemens Pig (51) erreichte im Stiftungsrat die notwendige Mehrheit. Wer ist der neue ORF-Chef?

Die Bewerbung von Clemens Pig war im Wahlkampf, der (wie jeder im und um den ORF) auch mit harten Bandagen geführt wurde, früh in ein politisches Licht geraten: Die ÖVP hatte allzu deutlich signalisiert, dass sie sich Pig an der Spitze vorstellen könnte. Das half nicht gerade; dennoch bekannte sich die Mehrheit der Stiftungsräte dann zu Pig. Im ORF sollte er als Reformer antreten, der sich vor allem den großen Transformationsaufgaben widmen will.

Die Aufgabe eines ORF-Generaldirektors gehe weit über klassisches Medienmanagement hinaus, meinte Pig im Vorfeld: „Es geht nicht nur um Quote, Reichweite oder kommerzielle Logiken. Der ORF muss mit seiner ganzen Kraft für Public Value, demokratische Orientierung, kulturelle und regionale Identität, digitale Innovation und journalistische Glaubwürdigkeit stehen. Er muss ein öffentliches Haus bleiben – unabhängig von Parteien, Interessen und einzelnen Milieus.“

Pig hat zuletzt zwei Bücher über den digitalen Wandel geschrieben, dem die Medienwelt unterworfen ist. Insbesondere mit Blick auf die KI hat er dazu aufgerufen, lieber zu kooperieren als sich in gegenseitiger Konkurrenz allein gegen die übermächtigen US-Plattformen durchsetzen zu wollen.

Sichtbarkeit

Denn „KI ist vor allem für die jüngere Zielgruppe zum Tagesbegleiter und Lebensberater geworden“, sagte Pig im April zum KURIER. „Eigentlich sollten wir Medien das sein.“ Das Problem auch für den ORF: „Die Sichtbarkeit von Medienmarken verschwindet in der KI-Ära völlig“, sagt Pig. „Die große Sorge ist, dass sich das Internet insgesamt zu einem KI-Internet umbaut, in dem jegliche Form von Pluralität verloren geht. Man bleibt immer im Ökosystem der KI“, sagt er – von Reisebuchung über Shopping bis zu Nachrichten. „Pluralität, Teilhabe, ein neues Modell für wirklich demokratische Prozesse – all das, was vor 30 Jahren die große Hoffnung an das Internet war, ist dann ins Gegenteil gekippt.“

Dementsprechend verstehe Pig auch seine Agenda für den Öffentlich-Rechtlichen: „Der ORF braucht keine Pose der Revolution, aber auch keine bloße Fortsetzung des Gewohnten“, so Pig. „Er braucht Erneuerung mit Vertrauen und Vision – und eine Führung, die entscheidet, erklärt, zuhört und umsetzt“, ließ er bei seiner Bewerbung wissen.

1974 in Tirol geboren, wurde Pig 2015 zum Geschäftsführer der APA-Gruppe bestellt und übernahm 2016 den Vorsitz. Im Vorjahr wurde Pig, der keiner Partei zuzurechnen ist, für eine weitere fünfjährige Funktionsperiode an der Spitze der Nachrichtenagentur bestätigt, wo er bereits an der Schnittstelle von ORF und den privaten Medien operiert. Seinen Job gab er für die Bewerbung bereits fix auf.

Der ORF sei „politisch und gesellschaftlich besonders verletzlich“, wie Pig in seinem Bewerbungskonzept schrieb. Für Aufmerksamkeit sorgte seine kritische Diagnose zur ORF-Information: „Vertrauen braucht ein redaktionelles Selbstverständnis, das nicht aus einem Milieu für ein Milieu sendet, sondern aus der demokratischen Mitte für das ganze Land arbeitet.“

Dass die ORF-Info nur ein Milieu abbildet und nicht das ganze Land, ist vor allem bei ÖVP und FPÖ eine immer wiederkehrende Kritik.

Lange Befragung

Pig wurde im Stiftungsrat fast rekordverdächtig lang befragt: Zweieinviertel Stunden stand er Rede und Antwort, dabei soll es zwischen FPÖ-Stiftungsrat Peter Westenthaler und ihm auch laut geworden sein. „Gut, aber lang“ sei das Hearing gewesen, sagte er nachher.

Dass die ÖVP so eindeutige Signale in Richtung Pig abgesetzt hat, wird nun wohl die weitere Debatte bestimmen. Westenthaler bezeichnete dessen Kür als „ausgepackelt“ und kündigte schon zu Tagesbeginn an, diese anfechten zu wollen.

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