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13 ORF-Direktoren: Einige Überraschungen im Team von Clemens Pig

Neue Direktoren-Riege mit Moser-Holding-Chefin Lieb und Chefproducer Krön. Viele Veränderungen auch in den Bundesländern. Beschluss am 11. August im Stiftungsrat.
ORF-WAHL 2026: PIG

Am Dienstag, und damit zwei Tage früher als angekündigt, hat der neue ORF-Generaldirektor Clemens Pig sein künftiges Direktoren-Team gegenüber den Stiftungsräten bekannt gegeben. Diese Namenliste bietet Überraschungen auf allen Ebenen. 

Ausgeschrieben waren vier neue zentrale Direktionen: „Programm und Brands“, „Audience und Plattformen“, „Finanzen und Verwaltung“ sowie „Technologie und Innovation“. Dazu waren noch die gesetzlich vorgegebenen neun Bundesländer-Direktionen zu besetzen.

Da wie dort sind Namen zu finden, mit denen nicht unbedingt zu rechnen war. Ein koalitionärer Sideletter lässt sich, wie schon bei der Aufstellung der neuen Direktionen, nicht erkennen.

Nur ein zentraler Direktor geht in die Verlängerung

Die neuen zentralen Direktionen am Küniglberg sollen wie folgt besetzt werden:

  • Finanzen und Verwaltung: In Zeiten, in denen radikal gespart und umstrukturiert werden muss, setzt Pig auf eine Besetzung von außen. Silvia Lieb war zuletzt Vorstandsvorsitzende der Moser Holding (z. B. Tiroler Tageszeitung), die derzeit von Russmedia übernommen wird. Sie hatte zuvor niemand auf der Rechnung. Damit sind, die Generaldirektion mitgerechnet, zwei zentrale Funktionen mit Personen von außen besetzt.
  • Programm und Brands: Der bisherige TV-Chefproducer Michael Krön, der auch den Eurovision Song Contest im wirtschaftlichen Rahmen gehalten hat, soll das Sparbudget bedingte Streichkonzert im Programm dirigieren und zielgerichtete Akzente setzen. 
  • Audience und Plattformen: Angelika Simma-Wallinger, zuletzt Chefredakteurin im Landesstudio Vorarlberg, weiß, wie man TV, Radio und Online bespielt. Sie war u. a. Redakteurin und Tageschefin bei Ö3, verantwortete und entwickelte Sendungen und Inhalte für den TV-Vorabend und war mehrere Jahre Büroleiterin in der ORF-Fernsehdirektion. Von 2015 bis 2018 führte sie die Kommunikation der Caritas. 
  • Technologie und Innovation: Harald Kräuter kommt als einziges Mitglied der bisherigen ORF-Geschäftsführung hier erneut zum Zug.

Damit hat Pig auch das anvisierte Ziel der Geschlechter-Parität bei den zentralen Direktionen tatsächlich umgesetzt.

Eine Ablöse und einige Veränderungen in den Bundesländern

Dem Vernehmen nach noch nicht vollends verinnerlicht haben manche Landeshauptleute und ihre Stellvertretung, dass es bei den Landesdirektionen kein Anhörungsrecht mehr gibt. Es soll Misstöne gegeben haben, weil langgediente Chefredakteure nicht automatisch als Favoriten angesehen wurden. 

Erwartungsgemäß verlängert wurden: Edgar Weinzettl in Wien, Alexander Hofer in NiederösterreichEsther Mitterstieler in Tirol sowie Klaus Obereder in Oberösterreich.

Im Burgenland wurde Werner Herics trotz erneut Gegenwinds seitens Landeshauptmann Hans Peter Doskozil bestätigt. 

Zu neuen Besetzungen in Folge von Pensionierungen kommt es in:

  • Salzburg mit Gerd Schneider. Der Vertrag des 63-Jährigen bisherigen Chefredakteurs wird dem Vernehmen nach befristet mit dem Pensionsantrittsalter. 
  • Steiermark mit Sigrid Hroch. Sie ist seit über 20 Jahren dort in fast allen redaktionellen Bereichen des ORF Steiermark tätig und zuletzt auch Programmchefin von Radio Steiermark. 
  • Kärnten mit Martin Weberhofer. Er ist seit 2007 Programmchef von Radio Kärnten.
  • Vorarlberg erhält mit Julia Ortner ebenfalls eine neue Führung. Hier erhielt Markus Klement, dessen Führungsstil hinterfragt wurde, keine Vertragsverlängerung. Nach dieser Entscheidung stehen die Vorzeichen hier wohl auf Trennung. Ortner ist derzeit Redaktionsleiterin von orf.at.

     

Ergebnis widerlegt politische Packelei

Pig wird sein Team dem ORF-Stiftungsrat am 11. August präsentieren und seine Auswahl begründen. Das oberste ORF-Aufsichtsgremium wird über die Direktoren im Paket abstimmen.

Er sei "überzeugt, dass mit diesem rechtskonformen Auswahlprozess mit externer professioneller Begleitung die besten Köpfe für die ausgeschriebenen Funktionen vorgeschlagen wurden", so der designierte ORF-Generaldirektor. Er würde sich "sehr freuen, mit diesem vorgeschlagenen Team" in "eine gemeinsame starke ORF-Zukunft zu gehen".

Der Stiftungsratsvorsitzende Heinz Lederer sieht laut APA "alle Unkenrufer, die seit Monaten von einem 'politisch ausgepackelten Regierungspaket" sprechen" widerlegt. 

Strengere Regeln, höheres Klagsrisiko

Wie schon bei seiner eigenen Bestellung musste auch der bisherige APA-CEO bei seiner Auswahl das neue Europäische Medienfreiheitsgesetz (EMFG) beachten. Es verlangt eine nachvollziehbare Auswahl nach transparenten, objektiven und nicht diskriminierenden Kriterien. Weil das EMFG neu ist, ist mit juristischen Schritten zu rechnen. Das kennt der neue ORF-Chef bereits von seiner eigenen Bestellung. Hier gibt es sechs Beschwerden bei der Medienbehörde. Darunter ist eine Popularbeschwerde, die die FPÖ initiiert hat. 

Sie wiederholt nun wieder ihre Kritik, weil Pig nicht die Bewerberriege bekannt gegeben hat - was wohl der Grund für eine Rekordzahl an Bewerbungen war.

Professionelle Hearings

Den Hearings jener Kandidatinnen und Kandidaten, die es auf Pigs Shortlist geschafft hatten, wurde noch vor der finalen Entscheidung gegenüber dem KURIER von mehreren Seiten professionelles Niveau bescheinigt. Die auf etwa eine Stunde angelegten Hearings wurden vor allem von den zugezogenen Personalberatern aus der Schweiz und Deutschland durchgeführt. Pig stellte für ihn wichtige (Nach-)Fragen. Verfolgt haben die Gespräche zudem ein Justitiar sowie ein Mitglied der ORF-Compliance-Abteilung. 

Die neue Geschäftsführung, obwohl erst ab 1. Jänner im Amt, muss relativ schnell startklar sein. So steht nach einem ORF-Zukunftsforum am 10./11. September eine ORF-Gesetzesnovelle ins Haus. Darin geht es auch um den öffentlich-rechtlichen Auftrag: Was der ORF künftig darf oder nicht, und das  betrifft nicht bloß das Programm, sondern etwa auch die Werbung. 

Außerdem startet man mit einer schweren finanziellen Hypothek, weil das Finanzministerium die Vorsteuerkompensation von 90 Millionen Euro gestrichen hat. Zudem soll, so die Vorgabe der Politik, der ORF-Beitrag bis 2029 eingefroren bleiben. Wie die aktuelle Geschäftsführung unter Ingrid Thurnher dazu steht und ob noch Schritte ergriffen werden, wird ebenfalls Thema im Stiftungsrat am 11. August werden. 

 

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