ORF-Direktoren: Westenthaler kritisiert Pig und „Geheimsache“ Bewerbungen
FPÖ-Stiftungsrat Westenthaler nennt es "skurril", dass Direktoren-Bewerbungen nicht an den Stiftungsrat gehen.
142 Bewerbungen für 13 ORF-Direktionen, die der neue Generaldirektor Clemens Pig am Montag gegenüber der APA eingeräumt hat, machen nicht nur Journalisten neugierig.
FPÖ-Stiftungsrat Peter Westenthaler verlangt nun „alle Bewerbungsunterlagen sämtlicher Bewerber für Direktorium und Landesstudios“ als Basis für eine „gewissenhafte Entscheidung“, wie er dem Stiftungsratsvorsitzenden Heinz Lederer mitteilte.
In dem Schreiben, das dem KURIER vorliegt, meint Westenthaler zudem, dass „ausgesuchte Medien sehr wohl mit Informationen über Namen und Anzahl von Bewerbern versorgt“ würden. Nur das einzig zuständige Gremium werde für dumm verkauft. Das Europäische Medienfreiheitsgesetz (EMFA) verlange Nachvollziehbarkeit und Transparenz, beides sei nicht gegeben, so seine Einschätzung.
Vorarbeit zur nächsten Klage
Westenthaler erwartet nun ein „Drüberfahren einer SPÖVP-Mehrheit“ und orakelt bereits über „neue Ansätze für künftige Klagen auch gegen die Bestellung am 11. 8“. Da wird über das von Pig vorgeschlagene Direktoren-Team im Stiftungsrat abgestimmt werden.
Die FPÖ hat ja bereits eine Popularbeschwerde bei der Medienbehörde gegen die Bestellung von Clemens Pig als ORF-Chef angekündigt – die Frist dazu läuft am Donnerstag ab.
Tatsächlich haben bisher nur wenige Bewerberinnen und Bewerber für Direktionsjobs ihre Ambitionen öffentlich gemacht. Darunter finden sich mit Programmdirektorin Stefanie Groiss-Horowitz und Technik-Chef Harald Kräuter Mitglieder der aktuellen Geschäftsführung. Auch Unterhaltungschef Martin Gastinger und ORFIII-Finanzchefin Kathrin Zierhut-Kunz haben Bewerbungen dem KURIER bestätigt. Für mehrere Direktionen ist, ebenfalls bestätigt, TV-Manager Matthias Settele im Rennen.
Viele Spekulationen, mehr Vertraulichkeit
Zumeist wird spekuliert, wie etwa über eine Bewerbung von kronehit-Chef Philipp König, die der aktuellen ORF-Wirtschaftsdirektorin Eva Schindlauer oder über jene von „ZIB“-Star Nadja Bernhard für die Steiermark.
Gegenüber dem KURIER hatte Clemens Pig jüngst erklärt: „Ich tue alles dafür, diesen Prozess absolut integer zu halten. Das ist mein Versprechen an die vielen Bewerberinnen und Bewerber.“ Vertraulichkeit stehe für ihn deshalb an erster Stelle. „Deshalb werde ich selbst bis auf Weiteres keine Namen kommunizieren, auch nicht über die Anzahl der Bewerbungen sprechen und auch nicht darüber, wie viele sich für welche Direktionen beworben haben.“
Über die Anzahl der Bewerbungen hat Pig nun in der APA gesprochen. Einen Namens-Leak gibt es bislang aber nicht. Gut möglich ist aber, dass das Team eine Woche vor der Abstimmung im Stiftungsrat bekannt gegeben wird.
Das angekündigte, durchstrukturierte Vorgehen Pigs ist wohl mit ein Grund für die ungewöhnlich vielen Bewerbungen, auch von außerhalb des ORF. „Nur“ gut die Hälfte stammt aus der ORF-Belegschaft – früher wurden auswärtige Bewerbungen meist mitleidig betrachtet. Denn da wusste man häufig schon bei der Kür der ORF-Generaldirektion, wer voraussichtlich im Team dabei sein würde.
Irritation durch anderes Vorgehen als üblich
Den Prozess der Team-Findung hat Pig nun komplett anders aufgesetzt. Er besteht auf sein gesetzlich zugesichertes Auswahlrecht. Für die Sichtung der Bewerbungen hat er Expertinnen aus Deutschland und der Schweiz zugezogen. Nach der Erstellung einer Shortlist auf Basis von Score-Cards, was die Nachvollziehbarkeit der Auswahl belegen soll, wird Pig abschließende Gespräche mit dem engsten Kreis an Bewerberinnen und Bewerbern führen. Dann schlägt er sein Team den Stiftungsräten vor – die stimmen zu oder lehnen ab.
Damit irritiert der langjährige APA-CEO. So wirkte es bei der Führung des Stiftungsrats. Auch bei Westenthaler kann damit nichts anfangen. Die Bewerbungen würden mit „skurrilen Erklärungen zur Geheimsache erklärt“, schimpft er Richtung Pig und Stiftungsratschef Heinz Lederer, der da eher wenig involviert wirkt. Hier ist nun Pig der Herr im Haus.
Team-Suche ist Chefsache
Das Europäische Medienfreiheitsgesetz (EMFA) müssen Pig und die Beraterinnen einhalten, indem die Auswahl bis zu seiner finalen Entscheidung über das Team entsprechend dokumentiert wird. Das EMFA ist neu, nicht ausjudiziert und lädt damit zu rechtlichen Schritten ein.
Eine Mitsprache durch das oberste ORF-Aufsichtsgremium ist gesetzlich jedenfalls nicht vorgesehen und offenkundig nicht erwünscht. Dass es in Pigs Personal-Paket nur Überraschungsnamen geben wird, damit rechnet aber auch niemand in der Branche. Neben viel frischem Wind ist auch einiges an Kenntnis vom ORF als Haus gerade jetzt mehr als angebracht. Anders sind anstehende nächste Sparpakete und Strukturänderungen gar nicht umsetzbar.
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