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ORF-Direktionen: Clemens Pig verspricht Bewerbern „absolut integeren Prozess“

Heute, Mitternacht, endet Bewerbungsfrist. Der neue Generaldirektor setzt auf Vertraulichkeit und wird „keine Namen“ nennen. Was nun folgt.
Clemens Pig,  APA

Heute, Dienstag, um Mitternacht, werden erste Weichen für das nächste ORF-Führungsteam ab 1. Jänner 2027 gestellt. Dann endet die Bewerbungsfrist für vier zentrale Direktionen und die neun gesetzlich vorgegebenen ORF-Landesdirektionen. Soweit, so wie gehabt.

Darüber hinaus macht der neu bestellte ORF-Generaldirektor Clemens Pig schon jetzt sehr vieles anders. Seine Geschäftsverteilung in der Zentrale ist neu zugeschnitten. Sie umfasst die Bereiche Programm und Brands, Audience und Plattformen, Finanzen und Verwaltung sowie Technologie und Innovation. Damit folgt sie nicht der traditionellen Aufteilung – und auch nicht einem kolportierten informellen Sideletter von ÖVP und SPÖ.

Profis für die Team-Suche

Der langjährige APA-Chef muss bei der Team-Suche den strengeren Vorgaben des Europäischen Medienfreiheitsgesetzes (EMFA) entsprechen. Deshalb holt er sich für die Auswahl Unterstützung von Profis aus dem Bereich Human Resources aus dem Ausland. Und er nimmt sich mehr Zeit dafür, als zuvor geplant war. Deshalb wurde die Abstimmung im Stiftungsrat vom 21. Juli auf den 11. August verschoben.

„Von meiner Seite her gilt: Ich tue alles dafür, diesen Prozess absolut integer zu halten. Das ist mein Versprechen an die vielen Bewerberinnen und Bewerber“, erklärt Pig gegenüber dem KURIER. Nur bei ihm gehen alle Bewerbungen ein.

Vertraulichkeit steht für ihn deshalb an erster Stelle. „Deshalb werde ich selbst bis auf Weiteres keine Namen kommunizieren, auch nicht über die Anzahl der Bewerbungen sprechen und auch nicht darüber, wie viele sich für welche Direktionen beworben haben. Das gilt jetzt und für die Wochen nach Ablauf der Bewerbungsfrist“, betont der künftige ORF-Geschäftsführer.

Wie Pig weiter vorgeht

Die nächsten Schritte: Zunächst werden alle Bewerbungen nach formalen Kriterien gesichtet. Dazu zählen das rechtzeitige Eintreffen und die Vollständigkeit.

Anschließend prüfen Pig und zwei Berater aus der Schweiz und aus Deutschland die verbliebenen Bewerbungen mit einem Bewertungsschema (Scorecard). So bleibt die Bewertung nachvollziehbar, was auch für den Fall von (erwartbaren) Klagen relevant ist.

Am Ende steht eine engere Auswahl (Shortlist). Danach führt Pig inhaltliche Gespräche mit den Bewerberinnen und Bewerbern – ebenfalls anhand eines Bewertungsschemas (Scorecard). Auf dieser Basis schlägt er dem Stiftungsrat sein künftiges Direktorenteam samt Begründung zur Abstimmung vor. 

Pigs Vorgehen stößt bei potenziellen Bewerberinnen und Bewerbern auf positive Resonanz. „Man hat das Gefühl, da könnte tatsächlich zählen, wer welche Vita hat und Erfahrungen einbringen kann.“ Skeptiker in Sachen ORF gestehen immerhin zu: „Wenn es nur eine Show sein sollte, ist sie immerhin gut inszeniert.“

Klar ist jedenfalls: Pig wird ein über die Direktorenjobs hinausgehendes Führungspersonal brauchen, um den trudelnden ORF neu aufzustellen. Die Politik lässt ihm dafür jedoch kaum Zeit und finanziellen Spielraum. Und auch wenn er noch nicht im Amt ist, der „Zukunftskonvent“ von Vizekanzler Andreas Babler (SPÖ) Mitte September und die daraus resultierenden Schritte werden bereits zur Bewährungsprobe nicht nur für den ORF, sondern auch für den neuen Chef am Küniglberg.  

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