Überraschung bei ORF-Gehältern: Das sind die Top-Verdiener
Zusammenfassung
- Pius Strobl führt 2025 mit 468.856,32 Euro die ORF-Verdienstliste an, gefolgt von Roland Weißmann und Hannes Aigelsreiter, die alle nicht oder bald nicht mehr in ihrer Funktion sind.
- Die Gehaltsliste umfasst deutlich weniger Mitarbeiter, mehr Frauen sind unter den Top-Verdienern, und für das ORF-Direktorium gab es erneut eine Nulllohnrunde.
- Die Gehälter der Top-Verdiener bleiben eingefroren, während die Transparenzliste weiterhin für Diskussionen sorgt.
Am Dienstag hat der ORF seinen jährlichen sogenannten „Transparenz-Bericht“ an den nun zuständigen Vizekanzler und Medienminister Andreas Babler (SPÖ) übermittelt und veröffentlicht. In der Verdienstliste 2025 dominieren ORF-Spitzenkräfte, die heute nicht mehr in ihren Funktionen sind, die Top 3.
Der ORF muss als einziges vom Rechnungshof geprüftes Unternehmen in Österreich namentlich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter melden, die inklusive Sonderzahlungen über 170.000 Euro im Jahr verdienen. Bei der Erstveröffentlichung gab es deshalb Gewaltandrohungen.
Die Gehaltsliste schrumpft und Frauen ziehen nach
Bemerkenswert: Es finden sich insgesamt deutlich weniger Mitarbeiter auf der Liste – auch im ORF läuft die Pensionierungswelle der Baby-Boomer. Und es gehören nun mehr Frauen zu den Top-Verdienern.
Top-Verdiener des Jahres 2025 ist Pius Strobl mit 468.856,32 Euro. Seit die Ö3-Ikone Robert Kratky im Vorjahr die berufliche Reißleine gezogen hat, war das klar.
Nächster Top-Verdiener vor Abgang
Von Alexander Wrabetz wurde Strobl zum ORF zurückgeholt, weil der Um- und Neubau am Küniglberg heftig aus dem Ruder zu laufen drohte. Jetzt ist das ORF-Zentrum wohl die einzige Großbaustelle Österreichs, die trotz Inflation unter (!) Budgetierung (303 Millionen Euro) und im Zeitplan geblieben ist. Trotzdem ist der bald 70-Jährige aber vor allem wegen seines Pensionsvertrags Thema. Wrabetz hatte diesen 2010 zugestanden. Weder Roland Weißmann noch Ingrid Thurnher wollten bzw. wollen ihn erfüllen. Der ORF-Vertrag von Strobl läuft übrigens heuer aus.
Der jüngst als ORF-Chef zurückgetretene Roland Weißmann findet sich auf der Vorjahres-Verdienstliste erwartungsgemäß noch auf Platz 2. Da kam er noch auf 427.500,04 Euro.
Mehr als einen warmen Händedruck
Darauf folgt, auf den ersten Blick überraschend, Hannes Aigelsreiter. Als ungeliebter Sportchef hat er nach 35 Jahren den ORF mit Jahresbeginn 2026 verlassen. Um den 61-Jährigen, der noch ein paar Jahre bis zur Pension hat, zum Abschied zu bewegen, gab es – nicht ungewöhnlich – einen einmaligen Aufschlag. Das katapultierte ihn einmalig auf 339.824,84 Euro. Im Gegenzug ersparte er sich und dem ORF das Schicksal eines teuren „weißen Elefanten“. Damit führen also drei das Ranking, die nicht oder bald nicht mehr in ihrer Funktion sind.
Interimschefin Thurnher und Co mit erneuter Nulllohnrunde
ORF-Interimschefin Ingrid Thurnher lag 2025 als Radiodirektorin nur auf Platz elf mit 270.270 Euro. Ebenso viel verdiente die weitere Direktorenriege mit Stefanie-Groiss-Horowitz (Programm) sowie Harald Kräuter (Technik). Nur etwas mehr gab es für die Finanzchefin des ORF, Eva Schindlauer, mit 279.972 Euro. Für das ORF-Direktorium gab es erneut eine Nulllohnrunde, real also ein Einkommensverlust.
Kleinstsender mit Großverdienern
Groß im Verdienen sind hingegen die Chefs des kleinen ORFIII: Peter Schöber (Programm) sowie die FPÖ-Hoffnung im ORF, Kathrin Zierhut-Kunz (Finanzen), platzieren sich in den Top-5 der Gehaltsliste. Schöber kam auf 322.964,24 Euro, Zierhut auf 285.137,40.
Insgesamt gering ist der Glamour-Faktor der „Transparenzliste“. Bildschirm-Größen finden sich hier kaum. Bestverdienender ORF-Journalist ist wie gehabt „ZIB2“-Anchor Armin Wolf. Mit 275.390,89 kommt er auf Platz acht. Bei ihm fallen noch durchschnittliche Monatsbezüge aus Nebenbeschäftigungen im Ausmaß von 8.820,36 Euro ins Gewicht. Etwas mehr lukriert aus diesem Titel Moderator Andi Knoll mit 10.350 Euro (insgesamt 190.611 Euro), Korrespondent Christian Wehrschütz kommt auf 3.256 Euro (insgesamt 215.929,60 Euro).
Alle Top-Gehälter wurden eingefroren
Übrigens: Die „Transparenzliste“ wird sich im nächsten Jahr vor allem durch Abgänge verändern. Die Höhe der Gehälter wird hingegen meist gleichbleiben. Sie sind nämlich vom früheren Generaldirektor Weißmann im Zuge der KV-Verhandlungen im ORF für alle Beschäftigten der obersten beiden Gehaltsstufen sowie jenen auf der Liste eingefroren worden. Für Emotionen – wie von Türkis-Grün beabsichtigt – wird das Thema trotzdem wieder sorgen.
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