Das Cover der ersten Ausgabe des muslimischen Magazins "Qamar", erhältlich ab 10. Dezember 

© Qamar

Kultur Medien
12/10/2020

Neues Magazin "Qamar": "Wir wollen Muslime in ihrer Vielfalt zeigen"

Die erste Ausgabe von Qamar erscheint heute.

von Nina Oberbucher

Der Chefredakteur einer Tageszeitung brachte den Journalisten Muhamed Beganović auf die Idee, ein muslimisches Magazin zu gründen. Allerdings nicht, weil dieser ihn dazu ermutigt hätte. „Ich hatte diese Idee nach einem Bewerbungsgespräch, wo mir der Chefredakteur gesagt hat, dass er zu wenig Bildungs- und Integrationspotenzial bei Muslimen sieht“, erzählt Beganović dem KURIER. „Ich bin rausgegangen und habe mich sehr geärgert. Dann habe ich mir gedacht, man muss ihm halt zeigen, dass das nicht stimmt.“ Fünf, sechs Jahre habe er die Idee reifen lassen. Ab heute (10. Dezember) ist das Kultur- und Gesellschaftsmagazin Qamar – Arabisch für Mond – erhältlich. Beganović ist Herausgeber und Chefredakteur.

"Wenn man sich nur auf die Probleme beschränkt, entsteht ein verzerrtes Bild"

Dass es eine solche Zeitschrift braucht, habe er in den vergangenen Jahren immer wieder festgestellt. „In Österreich und auch in Deutschland wird Politik gerne auf dem Rücken von Musliminnen und Muslimen gemacht. Entsprechend ist die Berichterstattung auch eher negativ“, so Beganović. „Ich will auch nicht leugnen, dass es Probleme in der Community gibt, aber wenn man sich in der Berichterstattung nur auf diese Themen beschränkt, entsteht ein verzerrtes Bild. Dem wollen wir mit Qamar entgegenwirken und Musliminnen und Muslime in ihrer Vielfalt präsentieren.“

So finden sich in der ersten Ausgabe des Magazins, das vierteljährlich erscheinen soll, u. a. ein Erfahrungsbericht einer Studentin über Diskriminierung bei der Arbeitssuche, ein Interview mit einem muslimischen Gefängnisseelsorger sowie ein Gespräch über Psychotherapie in der muslimischen Bevölkerung. Wenn man Vertrauen schaffe und Mitgefühl zeige, könne man alle Themen ansprechen, sagt Beganović. Zielgruppe von Qamar seien Muslime genauso wie interessierte Nicht-Muslime.

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"Es ist schwierig, im Journalismus Fuß zu fassen, wenn man Ahmed oder Hümeyra heißt"

Hinter dem Magazin steht ein Team von vier Personen, die Beiträge stammen teilweise von freien Journalisten. „Zusätzlich möchten wir jungen Musliminnen und Muslimen, die schreiben wollen, eine Bühne bieten. Wir betreuen die Texte ein bisschen und zeigen ihnen, wie man ein Interview führt oder eine Reportage schreibt.“ Denn, „ich und auch andere Autoren wissen aus eigener Erfahrung, dass es generell schwierig ist, im Journalismus Fuß zu fassen – aber noch mehr, wenn man Ahmed oder Hümeyra heißt“, so Beganović, der als freier Journalist u. a. für die Wiener Zeitung tätig war und aktuell Chefredakteur der Wochenzeitung Verkehr ist.

Positive Rückmeldungen auf Qamar habe er bereits vor Start des Magazins bekommen: „Wir haben viele Nachrichten von Musliminnen und Muslimen erhalten, die uns gratuliert und sich bedankt haben. Und genau das wollten wir erreichen: dass die Menschen sich gesehen, gehört und repräsentiert fühlen.“

Info: www.qamar-magazin.at

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