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Kultur Medien
01/09/2022

Neue Doku über Muhammad Ali: "... und schön wie ein Mädchen“

Die vierteilige Doku-Serie von Ken Burns auf Arte liefert ein detailreiches, vielschichtiges Porträt des provokanten Ausnahmeboxers.

von Alexandra Seibel

Am 17. Jänner 2022 hätte Muhammad Ali seinen 80. Geburtstag gefeiert. Doch bereits am 3. Juni 2016 ist der Ausnahmeboxer an den Folgen seiner Parkinson-Erkrankung gestorben. Bis heute gilt er für viele als der größte Kämpfer aller Zeiten.

Warum dem so ist – dieser Frage geht der amerikanische Star-Dokumentarist Ken Burns in seiner vierteiligen Doku „Muhammad Ali“ (Dienstag, 20.15 Uhr und 22.30 Uhr, Mittwoch, 20.15 Uhr und 22.10 Uhr auf Arte) in aller Ausführlichkeit nach. In seinem unverwechselbaren, detailbesessenen und verzweigten Erzählstil, der sich aus Tonnen von Archivmaterial und Interviews mit Zeitzeugen und Experten zusammensetzt, fächert Burns – gemeinsam mit seinen Co-Regisseuren David McMahon und seiner Tochter Sarah Burns – die unglaubliche Lebensgeschichte des Schwergewichtsboxers auf.

Cassius Clay

Cassius Marcellus Clay Jr. wurde am 17. Jänner 1942 in Louisville, Kentucky, geboren und begann im Alter von zwölf Jahren zu boxen. Bereits mit 22 Jahren erkämpfte er sich 1964 den Weltmeistertitel im Schwergewichtsboxen. Er wurde Mitglied bei  der „Nation of Islam“, nannte sich Muhammad Ali und trat vehement gegen Rassismus auf.

Boxkämpfe
 Die in den 1970er Jahren über TV weltweit ausgestrahlten Boxkämpfe von Muhammad Ali mit Joe Frazier (3-mal, 1971–1975), Ken Norton (3-mal, 1973–1976) und der Rumble in the Jungle gegen George Foreman (1974) gelten als Klassiker unter den Schwergewichtskämpfen.

Neuer Boxstil

Gleich zu Beginn stellt der renommierte Journalist David Remnick fest, dass heute „alle Muhammad Ali lieben. Doch damals war er unglaublich kontroversiell.“

In den Worten von Norman Mailer verkörperte er „den Geist des 20. Jahrhunderts“: Ali war ein Pionier, galt als Revolutionär und schrieb sich seine Regeln selbst – in und außerhalb des Rings. Bereits im Alter von nur 22 Jahren war er Weltmeister im Schwergewicht.

Mit seiner faszinierenden Mischung aus Schnelligkeit, Anmut und Kraft begeisterte er die Boxwelt. Seine „Jabs“, abrupte Schläge mit der Führhand, waren legendär. Anstatt seine Arme zur Deckung hochzunehmen, ließ er sie oft lässig neben der Hüfte hängen, erkannte mit scharfem Auge früh die Schläge seiner Gegner im Ansatz, duckte sich weg und zermürbte mit seiner schnellen Beinarbeit: „Tanz wie ein Schmetterling, stich wie eine Biene“, nannte er selbst seinen Kampfstil.

Mindestens genauso verblüffend wie Alis Boxtalent war seine notorische Großmäuligkeit und Angeberei. Sätze wie „Ich bin der größte Kämpfer aller Zeiten“ oder „Ich bin schön wie ein Mädchen und die meisten Boxer sind hässlich“ gehörten zum Standardrepertoire seiner Selbstdarstellung. Vor den Kämpfen polierte er seinen Körper mit Vaseline auf Hochglanz und trug einen weißen Satinmantel zu weißen, dreifach geputzten Stiefeln. Indem er sich von niemandem einschüchtern ließ und provokant und selbstbewusst auftrat, definierte er schwarze Maskulinität neu.

Rassismus

Muhammad Ali, bei seiner Geburt noch Cassius Marcellus Clay Jr. genannt, kam 1942 in Louisville, Kentucky in eine Welt, in der strenge Rassentrennung herrschte. Die brutale Ermordung des 14-jährigen Afroamerikaners Emmett Till, weil er einer weißen Frau nachgepfiffen hatte, schockierte den fast gleichaltrigen Cassius Clay nachhaltig. Im Alter von zwölf Jahren entdeckt er überraschend die Boxschule eines weißen Polizisten – und beginnt zu trainieren.

Bereits 1960 fährt er nach Rom zu den Olympischen Spielen und besticht nicht nur durch sein großes Boxtalent – er gewinnt die Goldmedaille im Halbschwergewicht –, sondern auch mit seiner Kontaktfreudigkeit: „Dieser Junge ist unwiderstehlich“, schrieb ein Journalist bewundernd: „Er hat sich sogar mit den Russen angefreundet.“

Zu den großen Stärken von Ken Burns’ Weitschweifigkeit gehört seine ungezähmte Fähigkeit, sich nicht nur in das Leben seiner Hauptfigur zu vertiefen, sondern auch seine Einflüsse und seine Mitmenschen zu porträtieren und dadurch eine gesamte Ära zum Klingen zu bringen. Berühmten Gegnern wie Sonny Liston, „der große hässliche Bär“, widmet er ebenso einen langen Exkurs wie Malcolm X und der religiös-politischen Organisation „Nation of Islam“, der Cassius Clay offiziell 1964 beitrat. Danach nannte er sich Muhammad Ali.

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