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Kultur Medien
03/30/2022

Nach Reichelt kritisiert nun auch "Emma" die "Sendung mit der Maus"

Ex-"Bild"-Chef Julian Reichelt und das feministische Magazin "Emma" zeigten sich empört über Bericht zu Transpersonen.

Die jüngste Ausgabe der "Sendung mit der Maus" hat für zahlreiche Diskussionen gesorgt. Am Sonntag zeigte das WDR-Kindermagazin anlässlich des Internationalen Tages der Transsichtbarkeit einen Beitrag über Transfrau Katja. Darin wurde den jungen Zuschauerinnen und Zuschauern erklärt, was eine Transperson ist und wie Katja seit ihrem Outing lebt (Der Beitrag ist hier zu sehen, ab Minute 13:00)

Ex-"Bild"-Chef kritisiert "Zwangsmaus"

In sozialen Netzwerken zeigten sich manche empört. Ex-"Bild"-Chefredakteur Julian Reichelt etwa sah in dem Beitrag der "Zwangsmaus" eine "ideologisch-sexualisierte Früherziehung mit Zwangsgebühren".

Die Antwort des Social-Media-Teams der "Maus" ließ nicht lange auf sich warten – und erntete auf Twitter viel Zuspruch. "Auch als erwachsene Person kann man bei uns noch viel lernen zu relevanten Themen wie z.B Toleranz", hieß es in dem Tweet. "Die Maus ist dazu da den Horizont für Groß und Klein zu erweitern."

WDR: "Höchste Zeit, dass das Thema behandelt wird"

Gegenüber dem "Spiegel" erklärte Brigitta Mühlenbeck, Programmgruppenleiterin Kinder und Familie beim WDR: "Transgeschlechtlichkeit ist gesellschaftlich relevant. Es gibt Kinder und Jugendliche, die ein Problem mit ihrem Geschlecht haben. In Schulklassen ist Transgeschlechtlichkeit Thema, ob offen darüber gesprochen wird oder nicht. Es ist höchste Zeit, dafür zu sorgen, dass es behandelt und erklärt wird als etwas, das zu diesem Leben dazugehört." In der Redaktion habe man sich gewundert, "dass die Sendung solche Wellen geschlagen hat".

Kritik von Transpersonen, dass in dem Beitrag diskriminierende Beschreibungen wie "im falschen Körper geboren" sowie der vorherige Name verwendet wurden, entgegnete Mühlenbeck: In der Sendung spreche man so, "wie in unserer gesellschaftlichen Realität darüber gesprochen wird". Es gehe darum, möglichst viele Zuschauerinnen und Zuschauer mitzunehmen. "Das bekommen wir nicht hin, wenn wir mit einem bestimmten Wording erst einmal Fremdheitsgefühle auslösen."

Die Sendung habe sich mit 1,8 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauern großer Beliebtheit erfreut, so Mühlenbeck. 

Auch "Emma" kritisiert die "Maus"

Nun hat auch das feministische Magazin "Emma" in einem Artikel Kritik an der "Maus"-Sendung geübt: Es würden darin Geschlechterklischees reproduziert, etwa weil erwähnt wird, dass Katja gerne Röcke und Kleider anzieht, um zu zeigen, dass sie eine Frau ist. "Wir lernen, liebe Kinder: Frauen sind nur Frauen, wenn sie Röcke und Kleider tragen und sooo hohe Schuhe, dass sie auf denen erst laufen lernen müssen." Es gehe der "Maus" nicht um Aufklärung, so die "Emma", stattdessen werde in der Sendung "völlig kritiklos" für das geplante Selbstbestimmungsgesetz geworben. Dieses Gesetz soll es Jugendlichen ab 14 Jahren in Deutschland ermöglichen, ihren Namen und ihre Geschlechtsangabe ohne Zustimmung der Eltern ändern zu dürfen.

Die "Emma" und Herausgeberin Alice Schwarzer wurden in der Vergangenheit immer wieder für Aussagen über Transgeschlechtlichkeit kritisiert. Schwarzer spricht im Zusammenhang mit Transgeschlechtlichkeit von einem "Massenphänomen" und einer "Trans-Mode". WDR-Journalistin Georgine Kellermann, selbst Transfrau, zeigte sich auf Twitter enttäuscht von "Emma": Die "Maus" lerne jeden Tag dazu, so Kellermann. "Damit habt IHR leider irgendwann aufgehört. Das ist wirklich schade."

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