Mark Ruffalo spielt in der neuen Serie "I Know This Much Is True" die Zwillingsbrüder Dominick (Bild) und Thomas

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Kultur Medien
05/10/2020

Mark Ruffalo über seine neue Serie: Manchmal muss man alles rauslassen

In "I Know This Much Is True" spielt er Zwillinge. Gemeinsam mit Regisseur Derek Cianfrance erzählt er von seiner Doppelrolle.

von Nina Oberbucher

In einer Bibliothek, an einem schönen Oktobernachmittag, fängt Thomas an zu beten, wird immer lauter und holt dann ein Messer hervor, um sich die rechte Hand abzuschneiden. Als Opfergabe.

Mit dieser tragischen Szene beginnt die HBO-Serie „I Know This Much Is True“, die in der Nacht auf Montag, parallel zur Ausstrahlung in den USA, auch hierzulande bei Sky startet. Die sechs Episoden basieren auf dem Roman „Früh am Morgen beginnt die Nacht“ von Wally Lamb und erzählen von zwei eineiigen Zwillingsbrüdern, von Dominick und dem an Schizophrenie leidenden Thomas. Sie müssen eine Reihe von schweren Schicksalsschlägen verkraften, vom Konflikt mit dem Stiefvater bis zum Krebstod der Mutter.

Beide Brüder werden von Mark Ruffalo gespielt. In weiteren Rollen zu sehen sind Melissa LeoRosie O’Donnell, Archie Panjabi, Juliette Lewis und Kathryn Hahn

Ruffalo spielte erst Dominick, dann Thomas

„Wenn man Zwillinge in einem Film oder in einer Serie sieht, hat man oft das Gefühl, der Schauspieler ist schnell hinter den Kulissen verschwunden, hat sich einen Bart angeklebt oder ein anderes Kostüm angezogen und die Szene dann noch einmal gespielt“, erzählt Ruffalo in einem gemeinsamen Zoom-Meeting mit Regisseur Derek Cianfrance („Blue Valentine“, „The Place Beyond The Pines“).

In „I Know This Much Is True“ war die Verwandlung vom einen Zwilling in den anderen wesentlich aufwendiger: „Ich wusste, dass Thomas von den Medikamenten, die er nimmt, vermutlich aufgedunsen sein würde“, so Ruffalo. „Also habe ich gesagt, wir könnten eine Drehpause machen. Ich könnte zunehmen, mir die Haare wachsen lassen und mich wirklich verändern.“

Ruffalo spielte zunächst Dominick, dann gab es eine sechswöchige Unterbrechung, in der er – u. a. dank Haferflocken und Ahornsirup – fast 15 Kilo zulegte. So kam er als Thomas zurück ans Set. „Obwohl sie dieselben Eltern haben, in derselben Familie aufgewachsen und eineiige Zwillinge sind, handelt es sich um zwei äußerst unterschiedliche Personen.“

Für Ruffalo war es ein sehr persönliches Projekt

Ruffalo war in preisgekrönten Filmen wie „The Kids Are Alright“, „Foxcatcher“ und „Spotlight“ zu sehen, spielt in den „Avengers“-Filmen von Marvel aber auch den grünen Wüterich Hulk. „I Know This Much Is True“ sei für ihn eine sehr persönliche Produktion: Ruffalo hat vor Jahren selbst seinen Bruder verloren, seine Familie stammt – wie jene von Dominick und Thomas – aus Italien.

Zum ersten Mal in seiner Karriere hatte er nun das Gefühl gehabt, wirklich alles gegeben zu haben, so Ruffalo: „Ich habe davor ,The Avengers‘ gemacht. Das ist eine riesige Produktion und auch emotional, aber man ist damit auf der sicheren Seite. Ich bin jetzt über 50 und kann sehen, dass sich das Ende des Weges abzeichnet“, erzählt der Schauspieler.

„Ich habe das selbst nicht gemerkt, aber ich habe immer etwas zurückgehalten, als eine Art Selbstschutz. Um sagen zu können, ich habe nicht alles gegeben, und wenn die Welt es nicht versteht oder es nicht funktioniert, ist es nicht meine Schuld.“ Als Künstler wolle er jedoch hundert Prozent geben und auch verletzlich sein. Er befinde sich jetzt in einem Alter, in dem das Aussehen nicht mehr alles sei. „Was zählt, ist deine Seele, deine Erfahrung und die Arbeit, die du gemacht hast.“

Frühere Filmprojekte scheiterten

Es gab bereits einige Versuche, „I Know This Much Is True“ zu verfilmen. Dass es lange nicht geklappt hat, könnte mit der mehr als 900 Seiten starken Buchvorlage zu tun haben: „Diese Geschichte hätte man nie in einen zweistündigen Film packen können“, ist sich Cianfrance sicher. Er führte nicht nur Regie, sondern schrieb auch das Drehbuch.

Schon lange habe er eine Geschichte über einen größeren Bogen erzählen wollen: „Bei meinen letzten Filmen hatte ich immer das Gefühl, gegen die Zeit zu kämpfen und die Geschichten zu komprimieren, damit sie in ein Filmdrehbuch passen“, erzählt Cianfrance. „Ich kann mich noch gut an unser erstes Treffen mit HBO erinnern. Sie sagten zu mir: Du hast noch nie Fernsehen gemacht. Und ich habe gesagt: Es ist bloß Storytelling, nur etwas länger.“

Mittlerweile wurde er von HBO exklusiv verpflichtet.

Die Verbindung zwischen den beiden Zwillingsbrüdern in „I Know This Much Is True“ ist eine äußerst komplexe, findet Cianfrance. „Man kann sich seine Geschwister und seine Familie nicht aussuchen. Diese sehr enge Bindung ist ein zweischneidiges Schwert und kann auch zur Belastung werden. Vor allem für Dominick. Seine Mutter sagt am Sterbebett zu ihm: Pass auf deinen Bruder auf. Das ist eine enorme Verantwortung, die sie ihm damit überträgt.“

Die passende Serie für die jetzige Zeit

Ob diese schwermütige Familiensaga der richtige Serienstoff für eine Zeit wie diese ist? Laut Ruffalo auf alle Fälle. „Das Leben ist nicht immer nur lustig und fröhlich“, sagt er.

„Die Serie erreicht die Menschen in einer Zeit, wo sie ein Ventil für ihre Trauer brauchen. Anstatt davonzulaufen oder so zu tun, als wäre sie nicht da und als würde es uns allen blendend gehen, tut es manchmal gut, alles rauszulassen und sich auszuweinen.“

Info: „I Know This Much Is True“ startet In der Nacht von 10. auf 11. Mai in der Originalfassung auf Sky Q und Sky X auf Abruf. Die deutsche Synchronisation folgt im Herbst.

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