"Hunyadi"-Serie: Autorin spricht über Wünsche von ungarischen Ministern

Die Historienserie über den ungarischen Nationalhelden war u. a. unter ORF-Beteiligung entstanden.
Zwei Ritter in Rüstung, möglicherweise aus dem Film „Hunyadi – Aufstieg zur Macht“.

Knapp ein Jahr ist es her, dass "Hunyadi" im ORF Premiere feierte. Die in Ungarn gedrehte Serie über den Heerführer János Hunyadi ist die teuerste ungarische Produktion der bisherigen Geschichte, umgerechnet erhielt sie rund 37 Millionen Euro staatlicher Förderung aus Ungarn. Entstanden ist die Serie auch unter Beteiligung des ORF. In Ungarn lief "Hunyadi" beim staatlichen Sender TV2.

Eine der DrehbuchautorInnen, die Ungarin Zsófia Ruttkay, erklärte nun gegenüber dem regierungskritischen Onlineportal Telex, warum sie 2020 während der Arbeit an der Serie vorzeitig ausgestiegen ist: "Ich fühlte mich schon von Anfang an ein bisschen getäuscht. Als mich Robert Lantos (Produzent, Anm.) persönlich kontaktierte und fragte, ob ich an der Serie teilnehmen wolle, hielt ich das für eine große Sache. Ich habe zu Robert aufgeschaut und dachte, daraus würde etwas wirklich Gutes entstehen."

Minister gaben Rückmeldungen zu Drehbüchern

Zu Beginn habe es noch geheißen, die Serie werde für einen großen Streaminganbieter wie HBO oder Netflix produziert, so Ruttkay in dem wenige Tage vor der Wahl veröffentlichten Interview. Nach einigen Monaten sei jedoch klar geworden, dass "Hunyadi" nicht für eine Streamingplattform entstehe. Immer öfter habe es Rückmeldungen gegeben, "wie das Drehbuch gewissen Ministern gefalle. Nach einer Zeit gab es auch Bitten, zum Beispiel, dass vor jeder Schlacht gebetet werden soll, dass Kirchen gebaut werden sollen oder Ähnliches." Die Namen der betreffenden Minister wollte Ruttkay auf Nachfrage von Telex nicht nennen.

Historienfilme wurden stark gefördert

Die Drehbuchautorin war bereits bei der "Hunyadi"-Premiere in Budapest im Vorjahr aufgefallen, als sie ein "Fuck NER"-Shirt trug. Mit der Abkürzung NER wird das vom scheidenden Ministerpräsidenten Viktor Orbán aufgebaute regierungstreue Netzwerk bezeichnet, das sich durch sämtliche Bereiche des Landes zieht.

"Wenn man die Produktion sieht, erübrigt sich jeder Zweifel", erklärte ORF-Programmdirektorin Stefanie Groiss-Horowitz im Vorjahr gegenüber dem KURIER auf die Frage, ob es bei "Hunyadi" Sorge bezüglich einer Instrumentalisierung durch Orbáns Regierung gebe. Das regierungskritische Portal Telex urteilte, dass im Gegensatz zu ähnlichen Projekten aus Ungarn keine "aufgezwungene Identitätspolitik" zu spüren sei. 

"Hunyadi" fügt sich jedoch ein in eine Reihe von Produktionen über Nationalhelden und historische Stoffe, die in den vergangenen Jahren in Ungarn von staatlicher Seite massiv gefördert wurden. Unabhängige Filmschaffende beklagen indes die fehlende Finanzierung ihrer Projekte, Produktionen von Nachwuchsfilmschaffenden wurden bereits in Aussicht gestellte Förderungen gestrichen.

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