Haben miteinander zu kämpfen: Michael Ostrowski als Privatdetektiv und Marie Leuenberger als Ex-Polizistin

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Kultur Medien
10/01/2020

Ein Super-Arschtritt für Ostrowski und eine griechische Tragödie

Der Schauspieler, Regisseur und Autor über "Ein Krimi aus Passau" (20.15, ARD), einen "Onkel" für Anke Engelke und wie die ROMY zu Netflix führte

von Christoph Silber

„I bin net Ihr Feind“, sagt der hörbar aus Österreich stammende Privatdetektiv Ferdinand Zankl (Michael Ostrowski) mit Nachdruck. Glaubwürdig klingt das für die harte Ex-Polizistin (Marie Leuenberger) trotzdem nicht. Denn dieser windige Typ schnüffelt in ihrem Leben herum. Das hat sie gemeinsam mit ihrer vorbestraften Tochter (Nadja Sabersky ) im Rahmen eines Zeugenschutzprogramms nach Passau geführt. Die Frau mit dem Tarnnamen Frederike Bader fühlt sich nach einer Aussage gegen einen Berliner Clan-Chef weiterhin bedroht - nicht zu unrecht …

Die neue ARD-Reihe „Krimi aus Passau“ (20.15) „ist kein typischer Krimi und das ist schon einmal gut“, sagt Michael Ostrowski im KURIER-Gespräch. Überraschend dunkel, eigenständig und atmosphärisch kommt sie daher. Bayerische Gemütlichkeit fehlt ebenso wie ein Kommissar –  beides vermisst man nicht im von Maurice Hübner inszenierten, an einen Thriller erinnernden heutigen Auftaktfilm „Freund oder Feind“, auf den eine Woche später „Die Donau ist tief“ folgt.

Auch wenn es Tote – manche Jahrhunderte alt – gibt, die Krimi-Handlung ist Beiwerk zum gelungenen Spiel der drei Hauptakteure miteinander. Diese Figuren stehen für sich. Ihr Umgang miteinander ist von Misstrauen geprägt. Man weiß nicht sofort, wer gut ist und wer böse. „Diese Ambivalenz macht es für die Zuseher spannend“, meint Ostrowski. Die Schicksale der Hauptakteure hängen unmittelbar zusammen, was nicht jeder gleich durchschaut. „Das hat etwas von einem griechischen Drama“, sagt der Steirer.

Ostrowski sagt, er habe sehr genau geschaut, mit wem er vor der Kamera steht. Casterin Franziska Aigner habe in Hinblick aufs Zusammenspiel großes Gespür bewiesen. „Die Marie ist als Mensch und Schauspielerin ein Glücksfall und Nadja ist trotz ihrer Jugend schon richtig gut. Das ist wichtig, denn du kannst sein, wer du willst und spielen, was du kannst, wenn man nicht zusammenpasst, wird es schwierig.“

Spezielle Charaktere

Mit speziellen Charakteren hat der 47-Jährige derzeit auch an anderer Stelle tun. Er sitzt am Schnitt des gemeinsam mit Helmut Köpping geschriebenen und inszenierten Kinofilms „Der Onkel/The Hawk“: Eine, natürlich, schräge Geschichte um  Spieler und Lebemann Mike, der nach vielen Jahren zurück ins Haus seines Bruders kehrt, der ins Koma gefallen ist, weshalb sich dessen Frau Gloria und die beiden jugendlichen Kinder im Ausnahmezustand befinden.

„Schon in der Ursprungsidee ging es um diesen Onkel – ein Typ, der aus dem Nichts auftaucht und sich in die Familie einschleicht. Nach und nach zieht er alle in seiner Umgebung in einen Strudel hinein.  Er kommt, er geht – er ist irgendwie sinnlos, wie er selbst über sich sagt und wird zu einer Art Held, weil er, der sich um nichts pfeift, wie ein Katalysator auf die Familienmitglieder wirkt.“

Das Drehbuch hat seine Zeit gebraucht. Ans Finalisieren gemacht hat sich Ostrowski nach einem selbst verordneten „Super-Arschtritt“ – „Ich hatte ein Casting bei Ruben Östlund für ,Triangle of Sadness‘ mit Woody Harrelson. Ich habe die Rolle  nicht bekommen und mir gesagt, fuck, ich sollte nicht spielen, ich sollte endlich schreiben.“

Im prominenten „Onkel“-Cast mit u. a. „Vorstadtweib“ Hilde Dalik und Simon Schwarz sticht ein Name hervor:  Anke Engelke. Kennengelernt hatte man sich vor einiger Zeit bei einem Dreh in Südafrika. „Wir haben uns dann auf einer Berlinale wieder getroffen. Da ist mir klar geworden, dass sie die weibliche Hauptrolle, die Gloria, ist. Also hab ich gemeint: Ciao Anke, ich glaub’, ich schick Dir ein Drehbuch.“

Ein Wunder, zwei Wunder

Was dann folgte, waren allerdings mehrere Absagen ihrer Agentur, weil Engelke für die Serie „Das letzte Wort“ von Netflix geblockt war. Corona machte es nochmals komplizierter. „Dass es letztlich geklappt hat, ist wie ein kleines Wunder und dem geschuldet, dass Anke Engelke diesen Film machen wollte und das durchgeboxt hat.“

Beinahe wäre der Film allerdings noch auf den letzten Metern an der Finanzierung gescheitert, weil die ÖFI-Jury ihn drei Mal zur Förderung abgelehnt hat. Schließlich konnten weitere Produzenten zum Einstieg bewogen werden. „Das war kompletter Wahnsinn und das alles innerhalb der fünf Wochen vor geplantem Drehstart.“

Mit Netflix hat Ostrowski noch einen weiteren, kuriosen Berührungspunkt. In der zweiten Staffel der kultigen Serie  „How to sell drugs online (fast)“ ist er als Kumpel vom toten Buba zu sehen. „die Typen sind leicht dumpf, aber ich spiel das wirklich gern.“ In Staffel 3 geht es weiter, wegen des „Onkel“-Drehs aber nur reduziert.

Besonders an der Rolle ist noch mehr das Zustandekommen, ebenfalls einem kleinen Wunder ähnlich. „Ich habe Philipp Käßbohrer, damals auch Produzent von Jan Böhmermann, bei der ROMY 2019 kennengelernt. Wir haben über die Serie gesprochen und ob ich Lust hätte mitzumachen. Wir haben dann, während bereits gedreht wurde, diese Figuren erfunden“, erzählt Ostrowski. Für den war es übrigens schon zum zweiten Mal nach Til Schweigers „Kokowääh 2“ der Fall, dass ein ROMY-Besuch zu einer Rolle führte. „Das wäre wichtig für meine Karriere, wenn es wieder eine Gala gäbe“, lacht Ostrowski.   

 
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