Ein Film sorgt für Kontroversen: "Cuties" auf Netflix

© Netflix

Kultur Medien
09/17/2020

"Cuties" auf Netflix: Missverständnis rund um tanzende Mädchen

Ein Netflix-Film empört Menschen, die ihn gar nicht gesehen haben.

von Nina Oberbucher

Auf Twitter wird sich zur Zeit wieder heftigst aufgeregt. Dieses Mal geht es um den französischen Film „Cuties“ (im Original „Mignonnes“), der 2019 beim Sundance Festival ausgezeichnet wurde und seit Anfang September bei Netflix abrufbar ist.

Kritiker riefen unter dem Hashtag #CancelNetflix nun dazu auf, wegen des Films Abos beim Streamingdienst zu kündigen. Es wurden Unterschriften gesammelt, Regisseurin Maïmouna Doucouré soll sogar Morddrohungen erhalten haben. „Cuties“ sexualisiere angeblich junge Mädchen, sei ein Soft-Porno, Material für Pädophile.

Dabei haben viele der Empörten den Film gar nicht gesehen. Und stehen auch dazu. Man wisse ja auch, dass ein Mistkübel stinke, ohne ihn zu öffnen, liest man zum Beispiel auf Twitter.

Und so entgeht anscheinend vielen, dass es sich bei „Cuties“ eigentlich um einen Kommentar gegen die Sexualisierung von Kindern handelt, verpackt in einem recht klassisch erzählten, berührenden Coming-of-Age-Film. Die elfjährige Amy (Fathia Youssouf Abdillahi) wächst als ältestes von drei Kindern in Paris auf, in einer Familie mit senegalesischen Wurzeln und konservativen Werten: Frauen müssen sittsam sein und den Ehemännern gehorchen – das hört Amy früh.

In der Schule trifft sie schließlich eine Gruppe von Gleichaltrigen, die in einer Tanzgruppe sind und vollkommen frei von Zwängen und Druck von außen zu sein scheinen. Es sind junge Mädchen am Beginn der Pubertät, die bereits gemerkt haben, dass ihre Körper ihnen Aufmerksamkeit und Likes bringen können. Für Tanzauftritte schauen sie sich Moves bei Musikclips ab, sie twerken und räkeln sich wie ihre Vorbilder – ohne jedoch zu wissen, was das eigentlich bedeutet.

Die Tanzszenen sind teilweise furchtbar unangenehm anzusehen, wie in einem Hiphop-Video wird auf Hüften und Lippen gezoomt. Aber so wirkt der gesellschaftliche Spiegel natürlich noch eindringlicher.

In den USA kommt die Kritik an „Cuties“ in erster Linie von republikanischer und rechter Seite. Man darf gespannt sein, wie sich jene, die jetzt so leidenschaftlich für das Wohlergehen junger Mädchen eintreten, in Zukunft äußern werden – zur Darstellung von Frauen in Medien, zu sexualisierter Gewalt oder Gleichberechtigung.

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