© Screenshot: Facebook

TV-Tagebuch
04/14/2020

Corona-Konzert von Gabalier: Manspreading am virtuellen Lagerfeuer

Alter Stadl statt Olympiastadion: Andreas Gabalier lieferte via Facebook-Stream seinen Live-Beitrag zur Corona-Krise.

von Peter Temel

*Disclaimer: Das TV-Tagebuch ist eine streng subjektive Zusammenfassung des TV-Abends.*

Nun hat also auch Andreas Gabalier sein Heimkonzert abgeliefert.

Wobei die "Volks-Rock'n'Roll-One Man Show" nicht in dessen Wohnzimmer stattfand, sondern in jenem leerstehenden Bauernhof, wo der Steirer auch das Video zu seinem Corona-Song "Neuer Wind" aufgenommen hat.

Die Show hatte er am Vortag mit einem ungewohnt skurrilen Video angekündigt. Da ließ er, selbst mit Atemschutz ausgestattet, einen Schoko-Osterhasen in ein Glas mit "Zaubertrank" purzeln. Der Trank dürfte ein Rum gewesen sein.

Verzögerung

Für den Ostermontag um 19 Uhr war die Show angekündigt, aber zu diesem Zeitpunkt konnte Gabalier noch keine Show anbieten, er musste seine Fans zunächst mit dem Gang zum Kühlschrank vertrösten. Sie sollen sich doch bitte ein "gesegnetes Osterbier" holen. Er wolle nicht einfach ein Handy-Livevideo auf Facebook stellen, sondern eine ordentliche Soundqualität in die Wohnzimmer liefern. Die Internetverbindung machte ihm offenbar einen Strich durch die Rechnung.

Mit einiger Verspätung startete der Stream dann doch und Gabalier kollidierte zeitlich nun voll mit dem großen medialen Lagerfeuer in Corona-Zeiten, der "Zeit im Bild".

Lagerfeuerstimmung wollte offenbar auch Gabalier anbieten. Die weiß getünchte Ziegelmauer hinter ihm wurde orangefarben angestrahlt und der "MTV unplugged"-erprobte Musiker spielte allein auf seiner Gitarre und hin und wieder am Klavier.

Maximales Manspreading

Los ging es dann mit "Verdammt lang her" - nicht etwa von BAP, sondern von Gabalier. Wer ihn nicht mag, klickte oder wischte ob des Maximal-Manspreadings des Lederhosenmannes wohl sofort weiter, oder zelebrierte genussvoll seinen Gabalier-Ärger, während Gabalier selbst genüsslich an seinem steirischen Bier nuckelte.

Die eigene Klientel bediente er, wie auch an den zahlreichen Facebook-Kommentaren abzulesen war, einwandfrei. Deutlich über 20.000 Nutzer waren bei den Live-Spitzenzeiten gleichzeitig dabei, am Ende des Abends lagen die Gesamtzugriffe schon bei mehr als 400.000.

Nervös "wie als achtjähriger Bub vor der Erstkommunion" sei er gewesen, sagte er, angesichts des ungewohnten virtuellen Auftritts ohne Live-Publikum. Ålter Stadl statt Olympiastadion gewissermaßen, aber mit noch mehr Zuschauern.

STS-Cover

Den Stückerln aus dem eigenen Songkatalog ("Mit dir", "Neuer Wind") fügte Gabalier einige Cover-Versionen hinzu. "Gö, du bleibst heut Nacht bei mir" von STS wurde geboten - in Zeiten der Quarantäne hätte man "heut Nacht" wohl auf "14 Tage" umtexten müssen.

"Father and Son", "He’s Got The Whole World in your Hands" und dann auch noch Peter Alexanders "Sag’ zum Abschied leise Servus": Gabalier kredenzte eine Mischung aus Jugendlager-Liedgut und ein bisschen was Schönes für die Senioren. Dazu noch die derzeit massenverträgliche Botschaft, dass ein bisschen Innehalten gar nicht schlecht sei.

Kerzerl anzünden

"Ein gespaltenes Land findet zur Mitte zurück und haltet wieder zusammen", singt er in "Neuer Wind". Vielleicht zünde sich in diesen Zeiten "der eine oder andere ein Kerzerl an" und schaue wieder "hinauf zum Himmelvater", sagte er zum Schluss des Livestreams.

Es wäre nicht Gabalier, würde er in der vielzitierten Rückbesinnung nicht auch eine Chance für seine eigenen traditionalistischen Inhalte erblicken. Die ankündigte halbe Stunde wurde auf fast die dreifache Spielzeit ausgedehnt.

Ob sich durch Corona wirklich etwas ändert, ein "neuer Wind" weht?

Sagen wir es vielleicht mit einem älteren, fast schon zeitlosen Lied zum Thema "Wind", diesfalls von Josef Hader:

"Da Wind waht uns zum Billa

Und waht uns ins Büro …"

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