30 Jahre Rosamunde Pilcher im TV: Klein sei der Schmerz, hilfreich und gut

Eine ältere Frau steht auf einer Weide mit Kühen im Hintergrund.
Vor 30 Jahren wurde erstmals Rosamunde Pilcher fürs TV verfilmt, seither reiste man fast 170 Mal nach Cornwall.

30 Jahre, fast 170 Filme, eine hohe Dosis britischer Postkartenlandschaften und ganz viel schaumgebremster Gefühlskitsch: Die Verfilmungen der Bücher von Rosamunde Pilcher sind eines der wundersamsten Phänomene der deutschen Fernsehgeschichte. Und eines, das ab Sonntag zu Recht vom ZDF gefeiert wird.

Denn auch wenn es leicht ist, sich über die von Anfang an vorgefrästen Wendungen in den Plots, über manch allzu schmalzigen Blick oder das komische deutschenglische Quersynchronisieren zu mokieren: Die Pilcher-Filme sind so nah am öffentlich-rechtlichen Auftrag, dass dazwischen kein lange verlorener Liebesbrief passt, kein heimliches Testament, das im richtigen Moment auftaucht.

Sie sind die großen Sonntagabendbesänftiger, ein wohlwollendes Sedativ in einer schwierigen Welt: Am Schluss wird den Fängen des Schicksals immer ein klein wenig Liebe entrissen, und wenn die Welt da draußen anders wäre, bräuchte es das vielleicht nicht, aber es ist nun mal alles so, wie es ist. Wer sehnt sich bei all den miesen News da draußen nicht nach der „Schlagzeile Liebe“ (so heißt der neue Film, mit dem das ZDF am Sonntag in die Pilcher-Saison startet)?

Ein lächelndes Paar sitzt auf der Ladefläche eines Pickups mit Blick auf das Meer.

Pilcher-Filme sind ein Sicherheitsversprechen für die ermatteten Fernsehzuschauer und eine emotionale Ersatzleistung für manchen, dessen eigenes Liebes- und Familienleben vielleicht darnieder liegt. Die Filme sind ganz nah an den Emotionen des Schlagers gebaut.

Sturm zu Beginn

Auch in Österreich holen die Filme verlässlich Hunderttausende Seherinnen und Seher vor den Schirm. 1993 – nicht einmal zehn Jahre nach dem Debütroman Pilchers – nahm das TV-Phänomen seinen Beginn, in „Stürmische Begegnung“ spielte Sophie von Kessel die Hauptrolle und Pilcher auch heimlich mit. Schon damals drehte man in Cornwall – in Folge sollte dort der Tourismus von deutschen Pilcher-Fans geprägt werden.

Eine Frau und ein Mann reiten auf Pferden entlang der Küste.

Manche der späteren Darstellerinnen und Darsteller existieren nur im Pilcher-Universum und sind dort Stars geworden; andere kennt man aus anderen Kontexten – und ist ob ihrer Teilnahme eventuell überrascht. Mit dabei im Laufe der Jahre: Vanessa Redgrave, Jane Seymour, Rupert Everett oder auch Sir Peter Ustinov.

Knapp 170 Filme wurden es bisher, im Kern erzählen sie dieselbe Geschichte: Die vom Kleinstadtleben als Gravitationszentrum, in das von außen Unruhe – und später die Liebe kommt.

Ein Fischer verkauft einem Paar am Hafen frisch gefangenen Fisch.

Diese Überschaubarmachung der Welt beherrschte Pilcher, die 2019 94-jährig verstarb, lange bevor ganze Fernsehsender, Schlagersänger oder politische Parteien damit hausieren gingen.

Und sie pflegte diese Kunst mit spürbarem Wohlwollen: Die Pilcher-Filme sind keine beengende Ergötzung am Kleingeistigen, am Provinziellen, sondern 90-minütige Beweisführungen, dass das Kleine groß sein kann – und alles Große letztlich ganz klein ist: Klein sei auch der Schmerz, hilfreich und gut.

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