© Wiener Staatsoper/Michael Pöhn

Kultur
02/10/2020

Martina Serafin: "Wenn man zu Hause singt, ist man nervöser"

Die Sopranistin über ihre Rückkehr an die Wiener Staatsoper als Tosca, „Turandot“ in St. Margarethen und Wagner in Paris.

von Susanne Zobl

Wenn Martina Serafin das „Vissi d’Arte“ mit ihrem prachtvollen Sopran intoniert, kommen diese Worte, vom Leben für die Kunst, direkt aus ihrer Seele. Über hundertmal hat sie Giacomo Puccinis Tosca Stimme und Gestalt geliehen. Heute (Montag) kehrt sie mit ihrer Paraderolle an die Wiener Staatsoper zurück. Die weniger gute Nachricht zuerst: Es wird nur eine Reprise am 13. Februar geben. Die gute Nachricht: Ab der nächsten Saison, der Direktion von Bogdan Roscic, wird sie wieder öfter im Haus am Ring zu erleben sein.

Mit Philippe Jordan, dem designierten Generalmusikdirektor, kann sie bereits auf mehrere gemeinsame, erfolgreiche Arbeitsjahre zurückblicken. In den kommenden Spielzeiten sind große Partien in Wien in Planung: Verdis Lady Macbeth, die Marschallin im „Rosenkavalier“ von Richard Strauss, mehrere Wagner-Rollen, darunter die Elsa im „Lohengrin“, die Brünnhilde („Ring“) und die Isolde in einer Neuproduktion von „Tristan und Isolde“.

"Man steht auf und macht weiter"

In Wien aufzutreten sei für sie stets etwas Besonderes, sagt Serafin. Dass sie sich im Dezember 2015 beim „Todessprung“ der Tosca ein Bein brach, änderte nichts an ihrer Affinität zu dieser Rolle und zur Stadt ihrer Kindheit. „Was soll man machen? Man steht auf und macht weiter“, sagt sie. Kein Wunder, dass sie bereits vor Jahren die Größten beeindruckte.

„Eine ganz außergewöhnliche Frau, die alles für diese Rolle mitbringt: eine schöne Stimme, Schönheit und Herzlichkeit“, hatte sie kein geringerer als Franco Zeffirelli genannt, unter dessen Regie sie ihre erste Tosca gezeigt hatte. Er habe sie gelehrt: „Wenn das Auge nicht gut sieht, hört das Ohr nicht gut.“ Ihm war es wichtig, seine Sänger auf der Bühne optimal zu präsentieren.

Die perfekte Inszenierung

„Viele Regisseure legen heute keinen Wert mehr darauf“, sagt sie. Das mache die Arbeit oft nicht leicht. „Deshalb bin ich immer dankbar, in Produktionen zu arbeiten, wo der Regisseur dieses Empfinden hat. Es geht nicht um klassisch oder modern, sondern um dieses Gefühl für den Fokus. Pop-Musiker verstehen es perfekt, sich zu inszenieren. Man sieht ein Video und merkt gar nicht mehr, ob die Sängerin gut singt.“

In der Wiener „Tosca“ aber passe alles. Mann müsse gar nicht darüber reden, welche Bedeutung es für sie habe, dass ihr Kostüm bei der Premiere von Margarethe Wallmanns Inszenierung aus dem Jahr 1958 einst die von ihr so verehrte Renata Tebaldi getragen hat, sagt Serafin.

Met und St. Margarethen

Das Jahr 2020 ist für Serafin mit Spektakulärem verplant. Ihrem Bruder Daniel, dem Leiter der Opernfestspiele in St. Margarethen, hat sie Puccinis „Turandot“ zugesagt. Das Burgenland weckt Erinnerungen an ihre Kindheit und Jugend. Als Kind hatte sie ihre Mutter Mirjana Irosch nach Mörbisch begleitet, wo ihr Vater, Harald Serafin, jahrzehntelang als erfolgreicher Intendant gewirkt hat. Sie selbst hatte bei ihm als junge Sängerin erste Erfahrungen gesammelt. Und heute wird sie ihre neunjährige Tochter an den See begleiten. Ihre Zusage gab sie aber aus künstlerischen Gründen, denn das Konzept des Regisseurs Thaddeus Strassberger habe sie überzeugt.

Zuvor aber steht noch Großes bevor: Philippe Jordan hat sie für die Neuproduktion von Richard Wagners „Ring“ an der Pariser Bastille Oper für alle drei Brünnhilde-Partien in der Regie des radikalen spanischen Regisseurs Calixto Bieito engagiert. Das sei eine schöne Herausforderung, kommentiert Serafin das Kommende.

Gibt es für sie einen Unterschied, in Paris, Wien oder im Burgenland zu singen? Auftritte zu Hause seien für sie mit einer besonderen Anspannung verbunden, erklärt sie. Wie? Für eine Sängerin, die an den bedeutendsten Häusern der Welt gefragt ist, seien Sommerspiele im eigenen Land besonders spannend? „Es ist egal, wo man singt, man muss sich immer selber neu präsentieren. Aber wenn man zu Hause singt, ist man etwas nervöser. Wenn man in einem großen Haus im Ausland singt, konzentriert man sich nur auf sich. Man bereitet sich den ganzen Tag auf die Vorstellung vor und geht direkt in die Garderobe. In der eigenen Stadt aber kennt man viele persönlich“, sagt sie. Daher wolle sie keine Fehler machen.

Zwei nicht unmaßgebliche Besucher ihrer Vorstellungen sind ihre Eltern, die Operettenlegenden Mirjana Irosch und Harald Serafin. „Sie bleiben immer meine Eltern, aber wenn mir dann plötzlich zwei Menschen gegenüberstehen, die mich bewundern, kommen mir fast die Tränen“, sagt sie.

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