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Kultur
07/28/2021

Mama fliegt zum Mars: Film über Abschied einer Astronautin von ihrer Tochter

"Proxima – Die Astronautin“ (ab Freitag im Kino) mit Eva Green: Gespräch mit Regisseurin Alice Winocour.

von Alexandra Seibel

Raumfahrt ist meist Männersache. Wenn nicht gerade Sandra Bullock in „Gravity“ durchs Weltall rauscht, sind es vorwiegend Geschichten über männliche Astronauten, die im Kino erzählt werden. Zuletzt flog Brad Pitt prominent „Ad Astra – Zu den Sternen“, im Jahr davor unternahm Ryan Gosling einen „Aufbruch zum Mond“.

Nun hat die französische Regisseurin Alice Winocour den Spieß umgedreht: In ihrem neuen Film „Proxima – Die Astronautin“ (ab Freitag im Kino) steht eine Frau im Mittelpunkt. Sie will die erste Astronautin sein, die an einer Forschungsreise zum Mars teilnimmt und durchläuft dafür ein höchst anspruchsvolles Trainingsprogramm.

Die Wahl dieses Sujets erscheint vielleicht ungewöhnlich, doch die 45-jährige Alice Winocour hegt eine Faszination für den Weltraum, seit sie ein kleines Mädchen war. Zudem wollte sie „einen Familienfilm machen“, erzählt Winocour im KURIER-Gespräch: „Es sollte ein Film sein, den man auch mit seinen Kindern ansehen kann.“

Abschied

Tatsächlich spielt ein achtjähriges Mädchen eine entscheidende Rolle: „Proxima – Die Astronautin“ handelt nämlich nicht nur von dem Training, das die angehende Astronautin Sarah kurz vor Raketenstart in einem russischen Trainingslager absolvieren muss. Es handelt auch von einer innigen Mutter-Tochter-Beziehung, die durch den Aufbruch der Mutter ins All für mindestens ein Jahr unterbrochen wird.

Die Astronautin muss sich also nicht nur auf ihre bevorstehende Mission vorbereiten, sondern auch von ihrer Tochter Stella Abschied nehmen. Und das ist mindestens so schwierig wie das Training, denn Sarah – hingebungsvoll gespielt von Eva Green – wird von Schuldgefühlen geplagt. Sie lebt geschieden von ihrem Mann (eindrucksstark wie immer: Lars Eidinger), der während ihrer Abwesenheit das Kind zu sich nehmen wird. „Ich glaube, dass Frauen gegenüber ihren Kindern eine andere Form des Schuldbewusstseins empfinden als Männer“, sagt Alice Winocour, selbst Mutter einer achtjährigen Tochter: „Als Mutter hat man oft das Gefühl, man muss sich zwischen der Arbeit und der Familie entscheiden.“

Nachdem Winocour einen europäischen Weltraumfilm drehen wollte, recherchierte sie in den Einrichtungen der Europäischen Weltraumorganisation ESA in Köln ebenso wie in Star City bei Moskau. Jene packenden Szenen, in denen die Astronauten auf ihren Weltraumflug vorbereitet werden, haben beinahe dokumentarischen Charakter.

Im Zuge ihrer Vorbereitungen habe ihr eine Trainerin der ESA erzählt, dass Astronauten während des Trainings sehr stolz von ihren Kindern berichten, während die Frauen oft ihre Mutterschaft verbergen, meint Winocour: „Frauen neigen dazu, in der Arbeit nicht über ihre Kinder zu sprechen, weil es ihnen schaden könnte. Es könnte ja bedeuten, dass sie früher aus der Arbeit gehen müssen oder Ferien beanspruchen. Sogar ich als Filmemacherin erwähne während der Dreharbeiten nicht, dass ich ein Kind habe.“

Sarah ist zudem die einzige Frau in einem Männerteam. Die Kollegen begegnen ihr mit Misstrauen, allen voran der amerikanische Astronaut im Team, souverän gespielt von Matt Dillon. Doch schließlich entsteht so etwas wie Freundschaft zwischen den beiden. Er ist es schließlich auch, der Sarah die letzten Zweifel an ihrer Mission nimmt: „Es gibt keine perfekte Mutter, und es gibt keine perfekten Astronauten.“

Diese Bemerkung wäre für sie der Schlüsselsatz ihres Films, so Winocour: „Frauen befinden sich oft in einem Dilemma. Und das wollte ich zeigen: Es ist die Geschichte einer Trennung, aber auch einer Befreiung.“

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