© Elena Uhlig/ORF

Kultur
05/23/2020

KURIER ROMY 2020 im Homeoffice: Alle Gewinner im Überblick

Auf ORF 2 präsentierte Moderator Andi Knoll einen ungewöhnlichen Film- und TV-Preis. Mit vielen Überraschungen - und verdutzten Gesichtern.

"Aufgrund der Umstände" wie das dieser Tage heißt, fand die KURIER ROMY heuer in einem neuen Rahmen statt. Der vertraute Gala-Abend in der Hofburg musste unter anderem den Wohnzimmern der Preisträger weichen.

Unter – zugegeben – fadenscheinigsten Argumenten hatten der KURIER und der ORF die Gewinner in den sechs Publikumskategorien quasi im Homeoffice vor die Kameras gebeten.

Hier finden Sie alle Gewinner und ihre Reaktionen inklusive einer ganze Menge Freudentränen, versprochen, im Überblick: 

Beliebteste Schauspielerin in einer Serie 

Der erste Preis des etwas anderen Gala-Abends ging an Ursula Strauss (nominiert für "Wischen ist Macht") . Wer vermutet hatte, dass bei der 46-Jährigen nach vier ROMYs schon eine Art Sättigungsgefühl eingetreten wäre, wurde beim Gewinn der fünften eines Besseren belehrt. Man wollte fast mitweinen, als ihr die Freudentränen zu laufen begannen und das Taschentuch, zur Politur der goldenen ROMY gereicht, von ihr wieder dem Ursprungszweck zugeführt wurde. „Es ist jedes Mal aufs Neue ein so schöner Dank vom Publikum“, sagte Strauss bei der improvisierten Überreichung der ROMY in der Wachau. "Ich bin fassungslos gerührt und freu mich unendlich". 

Beliebtester Moderator Show / Unterhaltung

Die zweite große ROMY ging diesmal an Andreas Moravec. Überrascht wurde der beliebte ServusTV-Moderator bei einer vermeintlichen Aufwärmrunde zu seiner werktäglichen Quiz-Sendung. Eine der Fragen: Wer gewinnt die ROMY in der Kategorie Unterhaltung? Moravec selbst tippte noch auf Bruce Darnell als Sieger der Show-ROMY getippt. Bis Andi Knoll um die Ecke bog und die Statuette auf dem „Quizmaster“-Sessel thronend aus dem Studio-Boden gefahren kam. Verlobte, Nachwuchs und Hund, kurzfristig dazu geholt, machten das Glück komplett. 

Beliebtester Schauspieler Serie/Reihe

Jakob Seeböck von Soko Kitzbühel durfte sich über den Preis als bester Schauspieler in einer Serie freuen. Seine erste Spur an diesem Tag war eindeutig falsch. „Hab’ ich eine Waschmaschine gewonnen?“, fragte Jakob Seeböck. Nein, hatte er nicht. ROMY-Bote Andi Knoll, der auf dem Fahrrad  kommend ein „Studio 2“-Interview des „Soko Kitz“-Stars sprengte, hatte Wertvolleres mitgebracht. Und diese goldene Statuette machte die Freude riesengroß: „Des ist geil!“

Seit 2009 spielt der gebürtige Wiener einen Oberösterreicher, der in Tirol ermittelt. „Soko Kitzbühel“ ist für den Sohn des Schauspielerpaares Erika Mottl und Herwig Seeböck nach vielen TV-, Film- und Theaterauftritten quasi zur Lebensstelle geworden – was die Zuseher ganz offenbar, wie die ROMY zeigt, goutieren. Diese Zuneigung beruht übrigens auf Gegenseitigkeit. Geht es nach Seeböck, soll es seine Figur des Lukas Roither noch lange geben, verriet er. 

Platin-ROMYs für das Lebenswerk

Die Platin-ROMYs für das Lebenswerk wurden zwar in der Sendung verkündet, werden aber im Rahmen der nächsten Hofburg-Gala im kommenden Jahr (24. April 2021) an die Preisträgerinnen und Preisträger verliehen:  Denn die Würdigung derart bedeutender Persönlichkeiten braucht die große Bühne.

Auf der sind Conny Froboess und Peter Kraus seit Jahrzehnten daheim, was mit der Platin-ROMY geehrt wird: Als Schlager-Duo erlangten sie in jungen Jahren immense Popularität. Mit Hits wie „Diana“, „Pack die Badehose ein“ oder auch „Zwei kleine Italiener“ waren die beiden schon in den 1960ern erfolgreich. Beide haben seitdem das Showbusiness und Kulturleben auf sehr unterschiedliche Art   geprägt – Froboess mit  Film und  Theater und Kraus auf   Konzertbühnen. Die Platin-ROMYs der Akademie wiederum gehen an zwei Menschen, die ebenfalls Millionen Menschen erreicht haben: Die österreichische Autorin Elfie Donnelly erfand Benjamin Blümchen und Bibi Blocksberg. Und Rudolf Klingohr hat vor 51 Jahren seine erste Filmproduktionsfirma „Interspot“ gegründet, mit der er Fernsehgeschichte schrieb. 

Noelia Chirazi - beste Nachwuchsdarstellerin, weiblich

"Wow, damit hätte ich jetzt eigentlich nicht gerechnet" und „extrem cool“, meinte die 18-Jährige beim Skype-Gespräch mit Andi Knoll. Im Gegenzug legte sie die Welle hin. „Das nenn’ ich einen Freudentanz“, lobte der Moderator.

In Barbara Eders TV-Thriller „Wiener Blut“ hatte Chirazi ihr Spielfilmdebüt gegeben – und damit die ROMY-Akademie überzeugt, die die Nachwuchs-Sieger kürt. An der Seite von Melika Fouroutan und Harald Windisch verwandelte sie sich in die  Schülerin Aline, die in einer ägyptisch-österreichischen Familie aufwächst und zur Islamistin wird. Chirazi war auch in der ORF-Comedy-Serie „Wischen ist Macht“ zu sehen. Aktuell bewirbt sie sich  an Schauspielschulen. Die ROMY kommt also zur rechten Zeit. 

Maximilian Mundt - bester Nachwuchsdarstellerin, männlich 

Ein Skype-Gespräch mit einem Mann im Smoking ist schon seltsam. Als Andi Knoll auch noch sagte „Du bist es!“ und die ROMY zückte, sorgte das bei Max für Momente des ungläubigen Staunens. „Nein, echt jetzt? Oh, mein Gott, nein. Ach wie krass.“ Als der 24-Jährige sich gefasst hatte, widmet er den Preis allen Frauen in seinem Leben und ganz besonders seiner Mutter, die als Krankenschwester arbeitet.  

Der gebürtige Hamburger hat mit „How to sell drugs online (fast)“ den Durchbruch als Schauspieler geschafft. In der von Netflix produzierten Serie glänzt er in der Hauptrolle als blasser Computer-Nerd Moritz, der aus Liebeskummer und anderen seelischen Kränkungen einen Drogenring im Darknet (verschlüsselter Teil des Internet) aufzieht. Die zweite Staffel  ist abgedreht und  wird noch heuer zu sehen sein.  

Preis der Akademie

Den Preis der Akademie, gleichzeitig der meistgesehene Kino-Film in Österreich, "Das perfekte Geheimnis", feierte Jella Haase, die  ROMY International ("Vienna Blood") Hauptdarsteller Juergen Maurer.

"Wer 4 sind - die Fantastischen Vier" (Regie: Thomas Schwendemann) überzeugte dieses Jahr die ROMY Fachjury. Thomas D. bedankte sich in der Videobotschaft vor einer ganzen Wand Goldener Schallplatten. In diesem Interview erzählt Thomas D., warum dieser Film sogar ihn verblüffte: 

Beliebtester Moderator in der Kategorie Information

Nach seinem Marathon-Einsatz nach dem Ibiza-Video, gewann Tobias Pötzelsberger diesen wichtigen Preis. "Ich kann es gar nicht glauben, aber sie fühlt sich sehr real an, und schwer ist sie“, befand Pötzelsberger nach der ROMY-Übernahme. Einem weiteren Höhepunkt der noch jungen Karriere, die mit dem Dienstplan vom 18. Mai 2019 begann. Damals stemmte er, recht locker wirkend, eine, wie es sein Chef  Alexander Wrabetz nannte, „Monstersendung“ zu HC Straches Rücktritt nach der Ibiza-Affäre. „Ich hatte das Glück, dass ich mich beweisen konnte“, meinte der studierte Politikwissenschafter.

Nachrichten-Moderator zu werden, war sein Kindheitstraum, erzählte der 37-jährige Salzburger in KURIER-ROMY-Sendung. Er arbeitete beim Radio, bei den Salzburger Nachrichten und ab 2004 beim ORF Salzburg, wo ihn Roland Brunhofer beförderte – und jetzt präsentiert er die „ZiB 1“. „Wow“, um es  mit seinen Worten zu sagen.  

Beliebteste Schauspielerin in Kino- oder TV-Film

Eine der wichtigsten Kategorien des Abends konnte Heike Makatsch gewinnen. Die deutsche Schauspielerin präsentierte sich als strahlende, ausgelassene, aber auch nachdenkliche Siegerin. Die für ihre Rolle in der Verfilmung des Udo-Jürgens-Musicals „Ich war noch niemals in New York“ Nominierte bedankte sich für ihre erste goldene Statuette standesgemäß – mit einer kleine Gesangseinlage und der Jürgens-Nummer „Vielen Dank für die Blumen“ in einer Abwandlung auf die ROMY. Makatsch nutzte die Gelegenheit aber auch dazu, an die ökologische Krise zu erinnern: Dass wir Menschen ähnlich konsequent wie bei Corona reagieren sollten, um eine Katastrophe zu vermeiden. Und so erfuhr man als Zuschauer so ganz nebenbei wieder, dass die 48-Jährige nur wenige Momente braucht, um zu überzeugen. Das nennt man Ausstrahlung und Talent. Und genau das würdigt diese ROMY. 

Beliebtester Schauspieler in Kino- oder TV-Film

Wer kann schon damit rechnen, dass die eigene Frau die Verbündete der ROMY im von Österreich wegen Corona nicht erreichbaren München ist. Fritz Karl jedenfalls nicht. "Ist das echt?", fragte Karl, als ihm Elena Uhlig – wortreich und mit einem unglaublich komödiantischen Talent gesegnet –  in der eigenen Wohnung die zweite goldene Statuette seiner Karriere überreichte. Zum Zerkugeln – wie es auch die beiden taten (mehr dazu im Video unten).
   
Seine Rolle des ambivalenten Sepp Rottenbacher im Drama „Ein Dorf wehrt sich“ war eine von mehreren starken im ROMY-Jahr. Etwa 150 Produktionen umfasst inzwischen die Filmografie des Vielarbeiters, der auf der Bühne eine nicht minder gute Figur macht. Deshalb kann man nur hoffen, dass dieses Spielen bald wieder zu sehen ist, egal ob im Theater oder auf dem Bildschirm. 

Kino

Bester Kinofilm
"The trouble with being born"

Regie: Sandra Wollner, Drehbuch: Sandra Wollner, Roderick Warich, Produktion: Lixi Frank und David Bohun (Panama Film KG), Viktoria Stolpe (The Barricades), Timm Kröger (The Barricades), Astrid Schäfer (Filmakademie Baden-Württemberg), Andi G. Hess & Das kleine Fernsehspiel ZDF.

Beste Regie Kinofilm
Nora Fingscheidt "Systemsprenger"

Drehbuch: Nora Fingscheidt, Produktion: Weydemann Bros GmbH, Kineo Filmproduktion und Oma Inge Film in Koproduktion mit dem Kleinen Fernsehspiel ZDF

Beste Bildgestaltung Kinofilm
Judith Benedikt & Eva Testor „Backstage Wiener Staatsoper“

Regie: Stephanus Domanig, Drehbuch: Stephanus Domanig, Martina Theininger, Produktion: Mathias Forberg, Viktoria Salcher (Prisma Film- und Fernsehproduktion)

(INFO: ORF2 zeigt die Doku am Montag, 1. Juni, um 22.20 Uhr)

Bestes Buch Kinofilm
Simon Verhoeven „Nightlife"

Regie: Simon Verhoeven, Produktion: Quirin Berg, Max Wiedemann

Beste Produktion Kinofilm 
Rainer Frimmel & Tizza Covi „Aufzeichnungen aus der Unterwelt"

Regie: Tizza Covi & Rainer Frimmel, Drehbuch: Rainer Frimmel

Beste Kino-Doku
„Aufzeichnungen aus der Unterwelt"

Regie: Tizza Covi & Rainer Frimmel, Drehbuch: Rainer Frimmel, Produktion: Rainer Frimmel

Fernsehen/Streaming

Bester TV-Film
"Spuren des Bösen: Sehnsucht“

Regie: Andreas Prochaska, Drehbuch: Martin Ambrosch, Produktion: Josef Aichholzer (Aichholzer Film), ORF & ZDF

Beste TV-Serie
„How to sell drugs online (fast)“ (Netflix)

Regie: Lars Montag, Arne Feldhusen, Drehbuch: Sebastian Colley, Philipp Käßbohrer, Stefan Titze, Produktion: bildundtonfabrik

Beste Regie TV-Fiction
Catalina Molina „Landkrimi: Das dunkle Paradies“

Drehbuch: Sarah Wassermair, Catalina Molina, Produktion: Jakob Pochlatko, Dieter Pochlatko (Epo-Film), ORF & ZDF

Beste Bildgestaltung TV-Fiction
Leena Koppe „Landkrimi: Das letzte Problem“

Regie: Karl Markovics, Drehbuch: Daniel Kehlmann, Produktion: John Lueftner, David Schalko (Superfilm), ORF & ARTE

Bestes Buch TV-Fiction
Agnes Pluch „Balanceakt“

Regie: Vivian Naefe, Produktion: Thomas Hroch, Gerald Podgornig, Gudula von Eysmondt (Mona Film, Tivoli Film), ORF & ZDF

Beste Produktion TV-Fiction
Heinrich Ambrosch, Marvin Kren, Moritz Polter „Freud“

Regie: Marvin Kren, Drehbuch: Marvin Kren, Stefan Brunner, Benjamin Hessler, Produktion: Satel Film, Bavaria Fiction & Mia Film, ORF & Netflix 

Beste TV-Doku
„Nie zu spät - Die Träume der Hundertjährigen“

Idee & Moderation: Lisa Gadenstätter, Regie: Alex Wieser, Kamera: Benjamin Paya, Produktion: phlex film/Alexandra Wieser

Sonderpreise

Preis der Akademie
„Das perfekte Geheimnis“

Preis der Jury
„Wer 4 sind - Die Fantastischen Vier“

ROMY International
„Vienna Blood“

TV-Event des Jahres
„The Masked Singer“

Beste Programmidee
„Die Nachfolger“

TV-Moment des Jahres (Erwähnung)
„Ibiza Video“

 

 

31Jahre
So lange gibt es den österreichischen Film- und TV-Preis für den deutschsprachigen Raum. Seit 30 Jahren ist der ORF Medienpartner 

2,9 Kilogramm
Die Reaktionen der  Publikumspreisträger zeigten es:  Die ROMY ist schwer 

8 Statuetten
Die meisten ROMYs haben Armin Assinger und Tobias Moretti gewonnen.