© La Biennale di Venezia/Andrea Avezzú

Kultur
06/10/2021

Kunstbiennale Venedig 2022 lässt die "Milch der Träume" fließen

Kuratorin Cecilia Alemani veröffentlichte programmatisches Statement für die Kunstschau: Es geht um Neudefinitionen des Menschlichen

von Michael Huber

"The Milk of Dreams", die Milch der Träume: So lautet das Motto der Kunstbiennale von Venedig, die 2022 - ein Jahr später als ursprünglich geplant - in der Lagunenstadt über die Bühne gehen wird. Im Kern leitet das Motto die so genannte Internationale Ausstellung, die von der Chefkuratorin Cecilia Alemani zusammengestellt wird und in der Kunstwelt stets als ein Gradmesser aktueller Entwicklungen wahrgenommen wird. Ob und wie sich die einzelnen Länderbeiträge, die in verschiedenen Pavillons am Biennale-Gelände und verteilt über die Stadt präsentiert werden, daran orientieren, variiert erfahrungsgemäß stark.

Alemani bezieht sich mit dem Titel "The Milk of Dreams" auf ein Buch der Surrealistin Leonora Carrington, die in den 1950ern in Mexiko lebte und dort einen wahren Kosmos an Mischwesen ersann, die sie teils auf Wände, teils in ein Notizbuch zeichnete, dem sie später eben jenen Namen gab.

Mischwesen

Das Verschwimmen der Grenzen von menschlichen und nichtmenschlichen Wesen ist demgemäß ein zentrales Thema, mit dem sich Künstler und Künstlerinnen heute wieder vermehrt auseinandersetzen: "Die Ausstellung ergab sich aus vielen Gesprächen mit Kunstschaffenden, die im Lauf der letzten Monate stattfanden", schreibt Alemani in ihrem Statement (Übersetzung des Autors, Anm.)."Die Fragen, die immer wieder auftauchten, erfassen einen Moment in der Geschichte, in dem das Überleben unserer Gattung bedroht scheint. Sie fassen aber auch Zweifel an den Wissenschaften, den Künsten und den Mythen unserer Zeit zusammen: Wie ändert sich die Definition des Menschen, was macht das Leben aus, was unterscheidet Tiere, Pflanzen, Menschen und nichtmenschliche Wesen?  Was ist unsere Verantwortung gegenüber dem Planeten, gegenüber anderen Menschen und gegenüber den anderen Organismen, mit denen wir leben? Und wie würde das Leben ohne uns aussehen?

Fragen wie diese sind tatsächlich höchst präsent, wie auch der Blick auf andere Veranstaltungen und Präsentationen (nicht nur) im Kunstbetrieb zeigt - die derzeit in Wien laufende "Vienna Biennale" beschäftigt sich ebenso mit der Beziehung zum Planeten wie die aktuelle Architekturbiennale in Venedig mit dem Motto "How will we live together" (Wie werden wir zusammenleben?) Welche Künstlerinnen und Künstler Alemani zu ihrem Statement einladen wird, ist vorerst noch geheim. Laut ihrem Statement werde es schwerpunktmäßig um "die Repräsentation von Körpern und ihrer Metamorphosen, die Beziehung zwischen Individuen und Technologien und die Verbindungen zwischen Körpern und der Erde" gehen. Ob und wie sich der österreichische Beitrag, der vom Duo Ashley Hans Scheirl und Jakob Lena Knebl gestaltet wird, in dieses Konzept einfügt, wird sich zeigen.

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