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Kultur
11/10/2020

Konzerthaus-Chef Naske: "Brauchen klare Perspektive für Dezember“

Der Konzerthauschef über den Lockdown, die Krise und mögliche Lehren daraus.

von Peter Jarolin

Es war (nicht nur) für die Kulturschaffenden ein ziemlich heftiger Paukenschlag, als die Regierung den zweiten Lockdown verkündete und somit binnen weniger Tage auch die Musik wieder zum Schweigen brachte.

Doch wie geht man damit um? Welche Folgen hat das alles? Wie kann es weitergehen? Welche Lösungen wären jetzt nötig? Der KURIER besuchte Matthias Naske im Wiener Konzerthaus, der wie alle seine Intendanten-Kollegen „durch eine sehr schwierige Zeit“ gehen muss. Naske: „Als ich die Infektionszahlen sah, war es kein Wunder, dass wieder ein Lockdown kommt. Aber am Kultursektor wird nicht sehr differenziert. Das ist eine Aussage, die ich aus subjektiver Sicht der Institutionen treffen kann. Die großen Institutionen haben in den vergangenen Monaten sorgfältig gearbeitet. Aber wir brauchen jetzt klare Perspektiven, ob und wann wir im Dezember spielen können.“

Logistik

Denn, so Naske: „Man kann diese Betriebe nicht von heute auf morgen mit einem Klick wieder hochfahren. Wir haben im Dezember im Konzerthaus an die 1.000 Menschen, die auf künstlerischer Ebene von uns engagiert sind. Das ist ein hochkomplexes Geflecht aus Logistik und Verträgen. Und es macht einen großen Unterschied aus, ob ich etwa einem Dirigenten wie Christian Thielemann (er soll am 1. Dezember die Wiener Philharmoniker bei Anton Bruckners 3. Symphonie leiten, Anm.) zwei Wochen oder zwei Tage vorher sagen kann, ob und wie das Ganze stattfinden kann.“

Nachsatz: „Allein wirtschaftlich ist das relevant. Wir haben im Dezember einen Spielplan, in dem alles dabei ist, was sich das Herz wünscht. Anne-Sophie Mutter, Grigory Sokolov, Teodor Currentzis und viele mehr. Aber 1.000 zugelassene Besucher sind die absolute Untergrenze, um einen halbwegs sinnvollen Betrieb aufrechtzuerhalten. Das gilt nicht nur für das Konzerthaus, sondern auch für andere, in der Größe vergleichbare Häuser.“

Stichwort sinnvoll: „Wir verstehen uns als kultureller Dienstleister der Menschen, von denen wir eine unglaubliche Welle der Solidarität erfahren, etwa was die Flexibilität oder auch die Rückabwicklung der Karten betrifft.“

Alarmglocken

Naske: „Doch zum Vergleich: Wir hatten im September/Oktober 2019 genauso viele Veranstaltungen wie im Jahr 2020, nämlich 115. Im Jahr 2019 hatten wir etwa 80.000 Besucher und einen Umsatz von 3,6 Millionen Euro. 2020 durften wir etwa 52.700 Besucher begrüßen. Der Umsatz betrug 1,9 Millionen. Das sind um 1, 6 Millionen weniger. 60 Prozent unseres Umsatzes kommen vom Ticketing. Unternehmerisch schrillen da die Alarmglocken, und das müssen sie auch.“ Soll heißen: „Wir werden auch kommende Saison das Programm modifizieren und auf das eine oder andere teure Projekt verzichten müssen.“

Naske: „Aber ich bin nach wie vor ein Optimist. Und ich glaube, dass wir auch aus dieser Krise lernen können. Der Kulturbetrieb wird flexibler werden müssen. Und wir werden sicher bis in den Sommer hinein spielen. Auch die Doppeltermine für besonders gefragte Konzerte werden bleiben. Kulturelle Werte sind ein Fundament unseres Zusammenlebens. Die direkte Auseinandersetzung mit künstlerischer Exzellenz macht ja etwas mit uns.“

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