Unterzeichneten 1999 die Ausgliederung (sitzend von li.): Bundestheater-Chef Georg Springer, Kunststaatssekretär Peter Wittmann (SPÖ), Burgtheaterdirektor Klaus Bachler, Staatsoperndirektor Ioan Holender und Volksoperndirektor Dominique Mentha. Hinter Bachler: Burgtheater-Geschäftsführer Thomas Drozda (SPÖ)

© Kurier/Lehner Peter

Interview
06/30/2021

Ioan Holender: „Alle waren glücklich über die Ausgliederung“

Der ehemalige Staatsoperndirektor Ioan Holender reagiert auf den ehemaligen Burgtheaterchef Nikolaus Bachler - und kontert

von Georg Leyrer

Die Ausgliederung der Bundestheater 1999 war eine „Kindesweglegung“: Das sagte der damalige Burgtheaterchef Nikolaus Bachler jüngst im KURIER.

 

Bachler und sein Ex-Geschäftsführer Thomas Drozda reagierten in dem Interview auf einen Rechnungshof-Bericht, der der Burg eine „kritische“ Finanzlage 1999 bis 2008 attestierte. Es gab laut dem Bericht Barauszahlungen in Millionenhöhe. In drei Jahren büßte das Haus 5,8 Millionen Euro an Liquidität ein. Nur Zuschüsse der Holding hätte eine weitere Verschuldung verhindert.

Strukturfrage

Dem widersprachen nun die damaligen Chefs. „Urgrund“ dieser Probleme sei gewesen, dass mit der Ausgliederung keine Strukturen im Konzern verändert worden seien. Drozda führte ebenso die gleichbleibende Subvention trotz steigender Kosten ins Treffen: Eine automatische jährliche Erhöhung wurde vom Gesetzgeber nicht festgeschrieben. Die neue Leitung musste ein Repertoire aufbauen. Und es seien in den Jahren ab 1999 auch mehrere Millionen-Investitionen angestanden, die die Liquidität negativ beeinflussten.

Ioan Holender

Ex-Staatsoperndirektor Ioan Holender, der das Haus am Ring auch nach der Ausgliederung bis ins Jahr 2010 leitete, zeichnet nun sein Bild der Entlassung der Bundestheater in die Selbstständigkeit: Alle Beteiligen seien damals „glücklich“ über die Ausgliederung gewesen, sagt Holender zum KURIER. Und die Budgets innerhalb des Konzerns sei „im gemeinsamen Einverständnis“ auf Burgtheater, Staats- und Volksoper verteilt worden.

KURIER: Im Burgtheater-Rechnungshofbericht steht, dass die Staatsoper nach der Ausgliederung 1999 um 529.000 Euro Subvention pro Jahr zu viel bekommen hat – zu Lasten auch des Burgtheaters. Unfair, nicht?

Ioan Holender: Der Rechnungshof ist doch kein Budgetverteiler. Der RH hat festgehalten, dass das Burgtheater nach der Ausgliederung rund 529.000 Euro über dem Budget ausgegeben hat, und nicht, dass die Staatsoper zu viel bekommen hat. Der RH macht nicht die Budgetverteilung innerhalb der Bundestheater, sondern kontrolliert den Sinn und Zweck der Ausgaben. Die Budgetverteilung haben wir gemeinsam mit der Bundestheaterleitung gemacht, das wurde im gemeinsamen Einverständnis auf die drei Häuser verteilt. Herr Bachler war im Sommer 1999 absolut für die Ausgliederung. Ich war absolut für die Ausgliederung, damit wir von der Kameralistik wegkommen.

Herr Bachler sagt nun, dass die Ausgliederung eine „Kindesweglegung“ gewesen sei. Sie waren damals ein unüberhörbarer Kämpfer für die Ausgliederung. Warum?

Auch die Direktoren von der Volksoper und dem Burgtheater, also auch Klaus Bachler, waren dezidiert für die Ausgliederung. Die Budgetverteilung wurde von der Bundestheaterleitung in vollem Einverständnis mit uns Dreien festgelegt. Herr Drozda, damals bei Bundeskanzler Klima für die Kultur zuständig, war die politische Treibkraft der Ausgliederung.

Was war der Vorteil?

Der Fall der Kameralistik (System der öffentlichen Verwaltung, Anm.), nach der alle Gelder, die man bis Jahresende nicht ausgegeben hat, zurückgenommen wurden. Alle waren glücklich über die Ausgliederung. Wir konnten mit dem Geld endlich machen, was wir für richtig hielten, und mussten nicht über jeden Bleistift Bericht erstatten.

 

Herr Bachler sagt scherzhaft, Sie hätten immer eine Trompete gebraucht. Was für eine Trompete spielten Sie denn damals?

Ich war laut und vernehmbar bis zur Ausgliederung, als die drei Bundestheater einen gemeinsamen Budgetposten hatten. Der damals allmächtige Sektionschef Steger vom Finanzministerium hat innerhalb der drei Häuser die Budgets nach Notwendigkeit verteilt. De facto hat man immer wieder der Staatsoper genommen und dem Burgtheater davon gegeben. Durch meine „Trompete“ konnte ich wenigstens die der Staatsoper gewidmeten Sponsorengelder behalten.

Aber hatten Sie dann nicht dieselben Probleme wie das Burgtheater – eine festgeschriebene Subvention, die die Lohnsteigerungskosten nicht abfängt?

Doch, ich hatte dieselben Probleme, und es war ein Fehler der Gesetzgebung, dass wir die Bezugserhöhungen selbst finanzieren müssen. Dagegen kann man motzen, dagegen kann man protestieren – aber nicht jetzt, 22 Jahre später. Sonst hätte man gleich sagen müssen: Dann gehe ich, dann übernehme ich die Verantwortung nicht! Ich habe gesagt: Ich muss Theater machen mit dem, was ich habe. Und nicht mit dem, was ich nicht habe.

Das heißt?

Wenn man mir weniger Geld gibt, mache ich weniger. Nicht schlechter, aber weniger. Das ist ja Steuergeld! Wir arbeiten mit fremdem Geld. Von dem gibt man so wenig aus wie möglich. Jedenfalls nicht für goldene Kostüme oder Ausstattung.

Hatten Sie keine Notwendigkeit für Investitionen?

Investitionen macht die Holding! In der Direktion Dominique Meyer wurde das Schwindfoyer restauriert. Aber das ist Sache des Eigentümers, das zahlt man nicht aus dem Kunstbudget. Das ist ja nicht dazu da, schöne Restaurants zu bauen.

Der Rechnungshof kritisierte wieder die Barauszahlungen.

Das betrifft das Burgtheater. Genauso wie die fehlenden 529.000 Euro. Natürlich ist es eine geschickte Redewendung zu sagen, man hat zu wenig bekommen, wenn man zu viel ausgegeben hat.

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