© Gerd Schneider

Interview
03/12/2021

Ina Regen nützte Träume als Trost in der Corona-Zeit

Die Musikerin spricht im KURIER über "Starmania 21", Feminismus und ihren Optimismus in der Krise und für die Zukunft

Ihre Erfahrungen teilen will Singer/Songwriterin Ina Regen, wenn sie jeden Freitag in der Jury von „Starmania 21“ aufstrebenden Talenten Feedback gibt. Dasselbe will die 35-Jährige, die 2018 mit der Single „Wie a Kind“ und dem Nummer-eins-Album „Klee“ berühmt wurde, auch mit den neuen Songs ihres heute erscheinenden zweiten Longplayers „Rot“.

KURIER: Was hat Sie an der Aufgabe in der „Starmania“-Jury gereizt?

Ina Regen: Ich stehe Castingshows ambivalent gegenüber, weil bei manchen Formaten nicht menschlich mit den Kandidaten umgegangen wird. Sie sind degradierend, und man ergötzt sich daran, dass Menschen in der Öffentlichkeit lächerlich gemacht werden. Das finde ich sehr traurig. Dann habe ich mir aber gedacht, wenn ich das ändern will, muss ich mich in die Position bringen, wo ich das ändern kann. Ich habe Erfahrungen als Gesanglehrerin, als Backgroundsängerin und jüngst als Künstlerin sammeln dürfen und will den Kandidaten deshalb vermitteln, dass es nicht nur um perfekte Gesangsperformance geht, sondern dass man für eine nachhaltige Künstlerkarriere auch Persönlichkeit, eine Botschaft und Selbstausdruck braucht.

Damit wären Sie ideal als Coach bei „The Voice“ . . .

Bei „Starmania“ vermisse ich tatsächlich, dass wir bis auf drei Sätze Feedback nicht mit den Kandidaten in Kontakt kommen. Aber das ändert sich sicher später und ist in dieser Anfangsphase auch gut. Denn wenn wir zu allen 64 ein Nahverhältnis aufbauen würden, könnten wir keine Entscheidungen mehr treffen. Aber ja, „The Voice“ finde ich aus diesen Gründen sehr reizvoll. Und das andere Musikformat im TV, bei dem ich sehr gerne mitmachen würde, ist „Sing meinen Song“.

„Rot“ ist musikalisch viel breiter als das Debüt-Album. In dem Titelsong rappen Sie sogar. Wie kam es dazu?

Ich habe für dieses Album alles ausprobiert – seien es elektronische Beats, Vocoder, Synthesizer oder eben Rap. Die Entscheidung dafür war aber zu 90 Prozent inhaltlich. Denn die Botschaft, die ich in „Rot“ rüberbringe, war mir so wichtig, dass ich sie nicht mit einer Melodie verwässern wollte. Die Botschaft ist: Egal welche Hautfarbe oder Lebensrealität wir haben, unter der Haut ist das Blut aller Menschen rot. Deshalb sollten wir, egal welche Meinung wir über andere haben, sie wertschätzend zum Ausdruck bringen. Das wollte ich nackt und ehrlich sagen, und es war schnell klar, dass es dann gesprochen sein muss.

Entstand der Song unter dem Eindruck der Black Lives Matter-Bewegung?

Das war eher die Flüchtlingskrise 2015. Da habe ich mir viele Gedanken gemacht und Fragen gestellt, die ich mir nicht alle eindeutig beantworten konnte. Ich fand, dass es deshalb wichtig ist, immer wieder neu Sachen zu hinterfragen, die schon immer so waren. Da gehört das Thema Rassismus dazu. Es ist nur fair, dass wir weißen, privilegierten Menschen uns fragen: Bin ich unabsichtlich rassistisch? Passieren mir Fehler und Ungerechtigkeiten, die mir nicht bewusst waren? Ich halte das für absolut wichtig, um zu lernen, wie wir in einer globalisierten Gesellschaft, bei der sich die Ethnien mehr und mehr vermischen, wertschätzend zusammenleben können.

Um die Wertschätzung für Frauen geht es in „Fahnen“.

Das ist ein feministischer Song und eine Hymne an die Frauen, die vor 100 Jahren auf die Straße gegangen sind und das Wahlrecht für uns erkämpft haben. Man sagt mir immer, dass ich eine ungewöhnliche Frau bin, weil ich kurze Haare habe und lieber Sneakers als High Heels trage. Ich binde mich in meinen Äußerlichkeiten nicht an Rollenbilder. Und das ist die Grundbotschaft von „Fahnen“: Sich selbst zu ermächtigen, unabhängig von Rollenbildern die Person zu sein, die man ist, sich in eine Schöpferinnen-Position und nicht in eine Opfer-Position zu bringen.

Sie bezeichnen sich als Optimistin. Wie hat Ihnen das im Lockdown geholfen?

Ja, ich bin optimistisch. Aber auch mir fällt es manchmal schwer, Hoffnung für die Zukunft zu schöpfen. In einer dieser Situationen während der Corona-Zeit ist „Was ma heut net träumen“ entstanden. Damit habe ich mich selbst getröstet. Nämlich mit dem Gedanken, dass man diese so finstere Zeit zum Träumen nützen kann. Denn was wir heute nicht träumen, kann morgen nicht wahr werden.

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