epa03600888 Irish actress Antonia Campbell-Hughes poses on the red carpet prior to the premiere of the movie '3096 days' at Cineplexx cinema Wienerberg in Vienna, Austria, 25 February 2013. The movie tells the story of Austrian Natascha Kampusch, who was kidnapped at the age of 10 and held in a cellar for over eight years. EPA/HERBERT NEUBAUER

© APA/HERBERT NEUBAUER

3096 Tage
02/27/2013

"Ich hatte Angst vor dieser Rolle“

Regisseurin und Hauptdarsteller des Kampusch-Films zögerten, bevor sie zusagten.

von Barbara Mader

Aufgewühlt, betreten verließ das Publikum am Montag das Kino nach der Premiere des Films „3096 Tage“ über das achtjährige Martyrium der Natascha Kampusch. So einen Film zu drehen, überlegt man sich gut. Zerbrechlich sitzt Hauptdarstellerin Antonia Campell-Hughes beim Interview. So, wie sie es für den Film sein wollte. Doch sie weiß: Das Leiden des Mädchens im Verließ nachzuempfinden, das geht nicht über Äußerlichkeiten. „Ich habe lange nachgedacht, ob ich diesen Film machen möchte“, sagt Campell-Hughes. Drehbuch und Regisseurin hätten sie überzeugt. „Ich wusste, ich muss das drehen. Ich wusste aber auch, was das für eine Verantwortung ist.“ Die, deren Schicksal in diesem Film nachempfunden wird, wollte sie vor und während der Dreharbeiten nicht treffen. „Ich spiele sie damals. So ist sie heute nicht mehr.“ Kampusch ist nicht das typische Opfer, ihre Darstellerin wollte auch keine Opfergeschichte erzählen. „Sie hatte Feuer, und Geist und Seele. Das musste ich erzählen.“

Nicht wiederzuerkennen ist Priklopil-Darsteller Thure Lindhardt. Ein fröhlicher, blonder Enddreißiger mit Bubencharme. Auch er hat sich seine Zusage gut überlegt. „Ich wusste nicht, ob es mir gelingt, diesen Mann zu verteidigen. Das muss ich als Schauspieler. Denn er ist ja nicht nur Verbrecher, sondern auch Mensch. "Ich hatte Angst vor dieser Rolle.“ Schuld und Sühne, den Raskolnikow las er zur Vorbereitung: auch so einer, der nur Kontakt zur Mutter hat – bis er eine trifft, die er umbringt. Was wollte Priklopil? „Liebe, Kontrolle, Macht. Er war krank.“

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Kampusch

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Regisseurin Sherry Hormann faszinierte die Kraft des Kindes Natascha: „Ich wollte eine Umarmung ans Leben zeigen. Warum sollte man sich den Film sonst anschauen? Um die Grausamkeiten nacherzählt zu bekommen? Nein. Wo es mich gepackt hat, war: Wie kann ein Kind so etwas überleben?“ Und es ging ihr darum, Fragen zu beantworten: „Von dieser Geschichte wissen wir, wie sie beginnt und wie sie ausgeht. Die emotionale Reise dazwischen in die Abgründe, aber auch in die Hoffnung, über die wissen wir nichts.“

Nach „Wüstenblume“, einem Film über Beschneidung, nun ein Film über ein Kind im Kerker: Fühlt sich Hormann auf weibliche Leidensgeschichten abonniert? Sie lacht: „Meine Tochter zeigte mir in einer Buchhandlung ein Regal, wo ,Schicksale‘ draufstand, und sie sagte: Mama, da sind deine nächsten Stoffe. Mich faszinieren Geschichten, wo es um die weibliche Kraft geht.“ Ob sie die Kraft der Natascha Kampusch für etwas spezifisch Weibliches halte? „Nein, ich glaube die Kraft der Natascha Kampusch ist die Kraft der Natascha Kampusch.“

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