Prickelndes Duell der Geschlechter: Emmanuelle Seigner und Mathieu Amalric in „Venus im Pelz“.

© Polyfilm

Emmanuelle Seigner
11/17/2013

"Ich fühle mich sicher bei Roman"

Romans Polanskis Frau erzählt über das Leben und die Arbeit mit dem Starregisseur

von Susanne Lintl

Ein Pariser Theaterregisseur trifft beim Casting fürs neue Stück auf die energetische Vanda: eine auf den ersten Blick naive, vulgäre Person, die sich bei näherem Hinhören als großartige Schauspielerin entpuppt. Bis zu dieser Erkenntnis entwickelt sich zwischen Vanda und Regisseur Thomas ein prickelndes Beziehungsspiel. Eine erotische Machtprobe, ein Duell der Geschlechter, wie es sich nur große Darsteller liefern können.

Mathieu Amalric und Emmanuelle Seigner schaffen das in „Venus im Pelz“, dem neuen Film von Altmeister Roman Polanski. In seiner Film-Adaption der gleichnamigen Novelle Sacher-Masochs (Kinostart: 22.11.) zeigt sich der 80-Jährige auf dem Gipfel seiner Kunst. Der KURIER sprach mit Madame Polanski in Hamburg.

KURIER: Ist es schwierig, mit dem eigenen Mann zu arbeiten?

Emmanuelle Seigner: Nein, und zwar deshalb nicht, weil er ein großartiger Regisseur ist. Wenn er nicht so gut wäre, wäre die Chose schwieriger. Aber Roman weiß genau, was er tut und wie er etwas umsetzen will. Er ist auch in den Details kreativ. Ich fühle mich sicher bei ihm.

Polanskis Filme haben ja eine eigene Handschrift: Sie sind hochpolitisch, klaustrophobisch, dann wieder selbstironisch und sexuell aufgeladen. Wie würden Sie seine Handschrift definieren?

Polanski ist mehr Orson Welles als John Cassavetes. Er verlässt sich immer auf sein Script und improvisiert nicht gern. Er ist sehr fordernd und mag keine Überraschungen. Dafür liebt er es, die klaustrophobischen Effekte in den Beziehungen seiner Figuren zu betonen. Das hat ihm auch hier, bei „Venus im Pelz“, so gefallen: dieses Ausgeliefertsein zweier Menschen in einem Raum. Dieses Reduzierte, Kammerspielartige, das keine Ausflüchte zulässt. Man braucht viel Erfahrung, um mit ihm zu arbeiten. Auch ich musste mich erst entwickeln, um gut mit ihm zusammenarbeiten zu können.

Eindrücke aus "Venus im Pelz"

Venus im Pelz…

Venus im Pelz…

Venus im Pelz…

Venus im Pelz…

Ist es Zufall, dass Mathieu Amalric aussieht wie der junge Polanski in „Tanz der Vampire“?

Das ist wirklich ein Zufall, ob Sie es mir glauben oder nicht. Roman hat Mathieu gecastet, weil er perfekt für die Rolle des Thomas Novacheck passte. Weil er ein Könner ist und den Job gut machen konnte. Dass es diese Ähnlichkeit gibt, ist uns dann erst bei den ersten Takes aufgefallen.

Sie sind eine exzellente Theaterschauspielerin und waren im Mai auch in Wien bei den Festwochen in Luc Bondys Inszenierung von „Le Retour“ zu sehen. Wie wichtig ist Theater für Sie?

Sehr wichtig. Jeder gute Schauspieler sollte sich hin und wieder auf die Bühne begeben, denn da lernt man am meisten. Insbesondere, wenn man mit so herausragenden Regisseuren wie Luc Bondy arbeitet. Theater verzeiht nichts, da hat Mediokrität keinen Platz. Bei einem Film lassen sich Mängel leicht kaschieren, und es kann sogar komisch sein, wenn die Schauspieler schlecht sind. Am Theater geht das nicht: Da gibt es keine Pufferzone.

Könnte man sagen, dass die Beziehung zwischen Regisseur und Schauspielern – wie auch in „Venus im Pelz“ spürbar ist – etwas Sadomasochistisches hat?

Auf jeden Fall. Als Schauspieler musst du dich unterordnen und dem Willen eines anderen gehorchen. Das ist okay, wenn du Vertrauen zum Regisseur hast so wie ich zu Roman. Das kann aber auch ziemlich aufreibend und nervtötend sein. Dieses Verdammt-Sein zur Passivität fällt mir sehr schwer. Daher bin ich auch voll und ganz in der Rolle der Vanda aufgegangen, die ja eine Rebellin ist. Sie spielt die Venus und hasst sie gleichzeitig. Sie spielt mit, um zu zeigen, wie unsinnig sie diese Figur findet. Mit ihrer Hartnäckigkeit und Entschlossenheit, sich nicht vorführen zu lassen, ist sie aber am Ende der Boss. Sie hat Eier, das gefällt mir.

Würden Sie auch gern einmal Regie führen?

Oh Gott, nein. Das kann ich nicht. Ich möchte nicht eine von denen sein, die einen weiteren schlechten Film gemacht hat. Da ist die Liste schon viel zu lang.

Trailer: "Venus im Pelz"

Noch immer auf der US-Strafliste, reist nicht mehr

Dass Emmanuelle Seigner die Promotion für den Polanski-Film bestreitet, hat einen simplen Grund: Ihr Ehemann kann sich international nicht frei bewegen. 1977 wurde der aus einer polnisch-jüdischen Familie stammende Regisseur in Los Angeles wegen Vergewaltigung der damals 13-jährigen Samantha Geimer angeklagt. Polanski musste zu einer psychischen Beurteilung ins Staatsgefängnis. Nach 42 Tagen wurde er entlassen – mit der Empfehlung, eine Bewährungsstrafe zu verhängen. Als sich abzeichnete, dass der Richter sich nicht an die Vereinbarung halten würde, floh Polanski nach London nach Paris, in seine Geburtsstadt. Seit 1975 besitzt er die französische Staatsbürgerschaft.

Im September 2009 wurde er am Flughafen Zürich verhaftet und zu einem elektronisch überwachten Hausarrest plus einer Kaution von 4,5 Millionen Schweizer Franken verurteilt. Erst im Juli 2010 wurde dieser Hausarrest wieder aufgehoben.

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