Lederer zum Weißmann-Rücktritt: „Volle Transparenz und null Toleranz“
Der Rücktritt von ORF-Generaldirektor Roland Weißmann beschäftigt den Stiftungsrat weiter. In der ZiB2 war dazu Heinz Lederer, Vorsitzender des ORF-Stiftungsrats, zu Gast. Er schilderte, welche Vorwürfe im Raum stehen, warum Roland Weißmann Zeit zur Klärung bekam – und wie es nun weitergehen soll.
Lederer berichtete, der Anwalt der betroffenen Frau, die Weißmann sexuelle Belästigung vorwirft, habe dem Stiftungsrat entsprechende Materialien vorgelegt. "Auf verschiedenen Tonträgern, auch in SMS und auf Fotos, sind bestimmte sexualisierte Inhalte. Und dass hier das Problem eines Übergriffs gegeben sein könnte." Der Anwalt habe Veränderungen in der Position des Generaldirektors gewünscht. Von finanziellen Forderungen sei keine Rede gewesen.
Druck aufbauen im Interesse des Unternehmens
Weißmann sei bis Samstag Zeit gegeben worden, die Sache mit dem Anwalt zu klären. Gemeint gewesen sei nicht die rechtliche Bewertung der Vorwürfe, sondern die Prüfung der vorgelegten Datenträger, ob diese nicht von der KI erzeugt worden wären sei oder aus dem Zusammenhang gerissen seien. Das habe Weißmann innerhalb von 48 Stunden scheinbar nicht oder nicht im ausreichenden Ausmaß getan. Danach habe Weißmann am Sonntag selbst seinen Rücktritt angeboten. Druck aufzubauen, sei im Interesse des Unternehmens, begründete Lederer die Vorgehensweise.
Dass die Vorwürfe kurz vor der anstehenden ORF-Wahl auftauchten, wollte Lederer nicht bewerten. Seine Aufgabe sei es, "auf das Wohl und Wehe des ORF zu schauen" und den Schutz von Betroffenen sicherzustellen. Sein Zugang sei klar: "Volle Transparenz und null Toleranz."
Thurnherr hat "keine Sekunde gezögert"
Interimistisch soll Radiodirektorin Ingrid Thurnherr übernehmen. "Sie hat keine Sekunde gezögert", als sie von Lederer kontaktiert wurde. "Sie wird jetzt hoffentlich am Donnerstag, wenn wir sie vorschlagen, bestellt und dann wird sie bis zum Jahresende als Generaldirektorin das Unternehmen führen." Ab 1. Mai sei – abhängig vom Gesetzesbeschluss – eine Neuausschreibung geplant, mit Ziel einer fixen Bestellung ab 1. Jänner 2027.
Der Wunsch von SPÖ-Chef Andreas Babler nach einer weiblichen Person an der Spitze sei ein berechtigter Wunsch, meinte Lederer, der im Stiftungsrat auch den so genannten SPÖ-„Freundeskreis“ leitet. Wichtig sei ihm dabei eine Person zu finden, die solche Verfehlungen nicht mehr zulasse. Eine vom Stiftungsrat eingesetzte Task Force soll Verfehlungen in der Vergangenheit in ihre Arbeit einfließen lassen.
"Niemand ist über dieser Regel"
Auf die Frage von Moderator Armin Wolf, ob diese "Null Toleranz" auch für Mitglieder des Stiftungsrates gelte, bejahte Lederer dies. "Niemand ist über dieser Regel." Angesprochen auf einen jahrelangen Arbeitsprozess einer ORF-Mitarbeiterin gegen einen früheren Manager des Unternehmens, der nun Mitglied des Stiftungsrates sei, antwortete Lederer, dass es eine Einigung zwischen den beiden Parteien gegeben habe und er sich dazu nicht mehr äußern werde.
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