ORF-Chef zurückgetreten: Wer ist Roland Weißmann?

Roland Weißmann war seit 2022 Generaldirektor des ORF. Für den Sender arbeitete er 30 Jahre, in Niederösterreich und Wien. Am Sonntag ist er zurückgetreten.
Ein Mann im Anzug -Roland Weißmann - blickt ernst nach rechts, im Hintergrund ist unscharf ein rotes ORF-Logo zu sehen.

Roland Weißmann  war für Außenstehende vor seiner Berufung zum ORF-Chef im Jahr 2022 der große Unbekannte. „Das Produkt interessiert die Leute, nicht der Finanzer“, war einmal seine Begründung, warum er ORF-Präsentationen einst nur als Zaungast verfolgte. Im ORF hatte der heute 57-Jährige durchaus Gewicht: Ab 2012 verantwortet er als Chefproducer das TV-Programmbudget von jährlich über 300 Millionen, davor machte er Karriere im Landesstudio Niederösterreich.

Schon nach der letzten Wahl von Wrabetz 2016 sollte der ÖVP-Wunschkandidat Weißmann zudem kaufmännischer Direktor werden, bis sich die SPÖ in letzter Minute querlegte. Der ÖVP-Freundeskreis habe den Preis für die Zustimmung zu Wrabetz zu hoch treiben wollen, hieß es – es wäre ein klassischer Personal-Wahl-Deal gewesen.

Zwischenstopps in Niederösterreich

Der gebürtige Linzer, der sich mit Laufen und Boxen fit hält, landete nach dem Publizistik- und Geschichte-Studium 1995 im aktuellen Dienst im Landesstudio Niederösterreich. Nach Zwischenstopps als Chef vom Dienst bei Ö3 und als stv. Chronik-Chef in der Radioinformation wurde er, erneut in Niederösterreich, 2003 stv. Chefredakteur unter Richard Grasl (heute KURIER). 

Den Weg über den Journalismus zum Medienmanager kommentierte er kürzlich in einem Interview mit dem KURIER so: "Es war gut, das Unternehmen als Journalist und Programmmacher kennenzulernen und erst dann ins Management zu wechseln. Man muss beides verstehen und beides macht Spaß."

Ab 2007 war Weißmann als Fernsehchef für das tägliche „NÖ heute“ mitverantwortlich. Ab 2010 war er Büroleiter in der ORF-Finanzdirektion und beschäftigte sich intensiv mit wirtschaftlichen und finanziellen Themen.

Haushaltsabgabe und Sparen

In seine Amtszeit fiel die Einführung der Haushaltsabgabe 2024, die die bisherige GIS-Gebühr ersetzte. Seit 2023 setzte er ein Sparpaket von rund 320 Millionen Euro um. Weitere 130 Millionen sollen bis 2029 folgen. Für 2026 hatte er Personalabbau und auch das Beenden von Programmen angekündigt. Als finanzielle Herausforderung war zuletzt die Austragung des Eurovision Song Contests im Mai dazugekommen. Weißmann dazu: "Der ORF ist keine Schraubenfabrik und muss auch mit weniger Geld gutes Programm machen." 

Marktanteil über 30 Prozent

Weißmann wollte den ORF digitaler, jünger und gesellschaftlich vielfältiger machen. Unter seiner Leitung wurde das Online-Angebot für junge Zielgruppen ausgebaut. Der TV-Marktanteil des ORF lag zuletzt über der 30-Prozent-Schallmauer.Es galt als sehr wahrscheinlich, dass sich Weißmann heuer wieder für die Wahl des Generaldirektors bewirbt. 

Weißmann verfügt übrigens über Wettkampferfahrung auf Landes- und Bundesebene - als Karatekämpfer. Der Träger des schwarzen Gürtels hält also harte Fights und Schläge unter die Gürtellinie aus. Am Sonntag nun ist er als ORF-Chef zurückgetreten.

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