Weißmann-Rücktritt: Eklat in einem eh schon schwierigen Jahr für den ORF

Neben Song Contest und ORF-Wahl muss der Küniglberg nun ein riesiges Imageproblem in den Griff kriegen. Der klare Sieger ist die FPÖ.
Georg Leyrer
Roland Weißmann spricht bei einer Pressekonferenz zum Eurovision Song Contest 2026 in Wien und hält ein ORF-Mikrofon.

Eine Frau erhebt Vorwürfe, ein Chef tritt zurück. Dieser Vorgang alleine ist schon erstaunlich, oft gibt es keine Konsequenzen, oder erst mit einer geraumen zeitlichen Verzögerung. Wie immer gilt in solchen Fällen, dass die nun heißlaufende Spekulationsmaschine keinem der Beteiligten nützt - die Anwälte haben gesprochen und werden sprechen.

Eines aber ist keine Spekulation: Der Rücktritt des ORF-Generals Roland Weißmann kommt, je nach Ansicht und Interessenslage, zum allerungünstigsten oder zum allergünstigsten Zeitpunkt. Und wird noch jahrelang die Debatte um den ORF prägen.

Vor der ORF-Wahl ist immer schwierig

Es wäre an und für sich schon ein unangenehmes Jahr für den Öffentlich-Rechtlichen gewesen. Mit klammen Kassen muss man einen Song Contest ausrichten, den man eigentlich nicht so recht will. Den wird permanent eine Kostendebatte begleiten - und die Weltpolitik tut alles, damit ja keine gute Laune aufkommt.

Und im August wird der neue ORF-Chef gewählt, daran dürfte sich aus jetziger Sicht nichts ändern. Schon unter regulären Umständen ist die Phase vor so einer Wahl eine des höchsten politischen Unsinns. Parteien rangeln mehr oder weniger ungeniert und offen um den Einflusskuchen im ORF, und die, die kein Stück abbekommen werden, echauffieren sich über den politischen Einfluss, den sie, nachdem sie selbst in die Regierung kommen, sofort weidlich selbst für sich nützen.

Die Politik im ORF

Dass Roland Weißmann auf einem türkisen Ticket zum ORF-General wurde, ist ein Problem für die ÖVP - auch wenn die sich zuvor schon nicht immer nur glücklich mit Weißmann gezeigt hat. Denn auch im August kann die ÖVP den neuen Chef im Stiftungsrat durchsetzen; man wird ihr vorhalten, dass die letzte Wahl nicht eben glücklich gewesen sein dürfte.

Eigentlich müssten die nächsten Monate eine Phase der Konsolidierung und Beruhigung im ORF sein, der nun natürlich in heller Aufruhr ist. Das Gegenteil wird der Fall sein: FPÖ-Stiftungsrat Peter Westenthaler lieferte sich zuletzt ein öffentliches Match mit Weißmann, in dem er nun der Last Man Standing ist. Aus dieser Position heraus lassen sich die üblichen FPÖ-Positionen - Gebühren abschaffen, ORF nach rechts rücken - natürlich um so lauter propagieren. Seine Partei, die FPÖ, ist politisch der klare Sieger dieser Angelegenheit.

Und keine der Mitte-Partei wird sich besonders gern vor den ORF stellen, wenn es dabei nichts zu gewinnen gibt. Das stählerne Lächeln, mit dem man den Song Contest noch durchziehen wird, könnte allen Beteiligten spätestens im Sommer vergehen.

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