Der einstige "Harry Potter"-Schauspieler Daniel Radcliffe versucht sich 2020 als Antiheld in einem Action-Film. "Guns Akimbo" läuft ab 6. August im Kino.

© Constantin

Kritik
08/05/2020

"Guns Akimbo": Daniel Radcliffe zwischen Kult und Schund

Der einstige Harry Potter tauscht in seinem neuen Kinofilm den Zauberstab gegen zwei Pistolen.

von Gabriele Flossmann

Hin und wieder taucht ein Film fast wie aus dem Nichts auf und gestaltet sich als mächtiger Action-Bolide, der die Kinokassen stürmt. Mit „Guns Akimbo“ meldet sich jedenfalls Daniel Radcliffe schrill aus der unfreiwilligen Corona-Pause zurück. Er war schon Teufel wider Willen im Horrordrama „Horns“ (2013) und eine furzende Leiche in „Swiss Army Man“ (2016). Jede noch so verrückte Rolle scheint ihm recht zu sein, um endlich den Ruf des ewigen Zauberlehrlings abzustreifen.

Der einstige Harry Potter spielt in „Guns Akimbo“ mit unverkennbarer Selbstironie einen Loser. Einen schmächtigen Endzwanziger namens Miles, der unsterblich in seine Freundin verknallt ist. Dass sie nur in der virtuellen Welt existiert, stört ihn nicht, weil er seine „reale“ Zeit ohnehin hauptsächlich vor dem Laptop verbringt.

Mit dem Mut, den einem nur ein Bier zu viel verleihen kann, lässt er sich von einer illegalen Plattform namens „Skizm“ dazu hinreißen, seinen Herausforderer zu beschimpfen. Dumm nur, dass es sich dabei um den Betreiber der Seite handelt, der seine Internet-Duelle auf Leben und Tod gerne in die freie Wildbahn der Großstadt überträgt. Kaum hat Miles den Laptop zugemacht, stehen auch schon wilde Kerle mit Ganzkörper-Tattoos vor seiner Tür und eröffnen dem Internet-Großmaul, dass er sich soeben „freiwillig“ als Teilnehmer für das mörderische Spektakel gemeldet hat.

Hirn aus

Mit zwei Pistolen, die fest an seinen Händen verschraubt sind, soll er eine Gegenspielerin bezwingen, die sich als ziemlich punkig aufgezäumte junge Frau erweist – mit scharfen Waffen und nicht minder scharfen Kurven. Das klingt irrwitzig, ist es auch. Manchmal ist eben der Grat zwischen Kult und Schund ziemlich schmal.

Mit turbulenten Action-Szenen und Radcliffe in der Hauptrolle könnte sich der Film auf die Kult-Seite retten. Allerdings muss man sich dafür als Zuschauer einer Grundbedingung beugen: Für einen Kino-Besuch bei „Guns Akimbo“ darf – nein, muss – das Hirn abgeschaltet werden. Stilistisches Vorbild ist eindeutig die Action-Tour-de-Force „Crank“ mit Jason Statham, die in ein Gamer-Setting mit Cyberpunk- und Animation-Anleihen verfrachtet wurde.

"Heftig krasse Grafik"

Doch statt sich vollends auf den dargebotenen Irrsinn zu konzentrieren, versucht einem der Film eine Pseudomoral einzubläuen, die ausgerechnet gegen das Zielpublikum schießt: Digital Natives sind entweder sensationsgeile Soziopathen, Trolle und/oder Verlierer. Und Gamer wie Hauptfigur Miles sind so weltfremd, dass ihnen erst ein auferlegtes Spiel auf Leben und Tod aufzeigt, was für eine „heftig krasse Grafik“ die Realität hat.

In der Schlussszene scheint ein geläuterter Daniel Radcliffe in einem rasanten Sport-Auto einer offenbar schon geplanten Fortsetzung entgegenzufahren. Falls ihm Corona nicht noch einen Strich durch die Rechnung macht und der Schauspieler durch eine animierte Trickfigur ersetzt wird. Animation ist wahrscheinlich einer der wenigen Zweige, die während der Krise sogar wachsen könnten – denn die Mitarbeiter können ihren Job relativ gut von zu Hause erledigen.

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