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Kultur
07/01/2012

"Götterdämmerung": Kampf um Euro-Rettung

Jetzt hat auch München seinen neuen "Ring" geschmiedet: Musikalisch und szenisch triumphal. Riesenjubel!

von Gert Korentschnig

Mit dieser Neuproduktion von Richard Wagners "Der Ring des Nibelungen" ist Nikolaus Bachler, dem ehemaligen Burgtheaterdirektorund nunmehrigen Intendanten der Bayerischen Staatsoper, ein Coup gelungen: Fabelhafte Sänger, ein guter Dirigent (Kent Nagano) und eine szenische Umsetzung (Andreas Kriegenburg), die gleichermaßen attraktive Bebilderung und Interpretation ist. Dazu gibt es in München, zur Eröffnung der Opernfestspiele, ein hochkarätiges Begleitprogramm, das sich mit dem "Ring" beschäftigt – von Gala-Konzerten über eine "Jelinek’sche Urlesung" (siehe Hintergrund) bis hin zu Installationen rund um das Opernhaus und auf dessen Fassade. Eine Stadt feiert Wagner. Und das auf Topniveau.

Der Höhepunkt der "Ring"-Zelebritäten war die Premiere der "Götterdämmerung", die sich inhaltlich nicht nur zu einem Abgesang auf Wotans nicht mehr zu erhaltende Macht, sondern auch auf einen des Euro entwickelte. Die Gibichungen sind bei Kriegenburg die Kapitalisten, die besonders dekadent leben. Auf der Bühne gibt es zahlreiche Euro-Symbole. Der Kampf um die Rettung des Geldes ist aber aussichtslos.

Der "Ring" als Abrechnung mit dem Kapitalismus ist freilich nicht neu. Kriegenburg trifft mit seiner Analyse aber punktgenau die europäischen Probleme.  Bei ihm geht es auch um die Auswüchse der Technikgläubigkeit bis hin zum Atomunfall in Fukushima. Das Bühnenbild (Harald B. Thor), eine Art Bürohaus der Zukunft, ist spektakulär und erinnert an Romane wie "1984". Dazu sieht man Installationen im Stil von Damien Hirst, der ja auch den Zusammenhang von Kunst und Geld thematisiert. Und am Ende, wenn Walhall brennt, gibt es ein echtes, riesiges Feuer mit starker Rauchgasentwicklung – so etwas Spektakuläres können wenige Theater bieten.

 

Klar und linear

Das Dirigat von Kent Nagano ist so klar und linear wie die Personenführung und die Inszenierung. Nagano wählt jedoch sehr langsame Tempi, die sich nur selten steigern. Auch in der Lautstärke gibt es zu wenig Differenzierung. Klanglich ist dieser Abend aber ein Erlebnis Aus dem fabelhaften Sängerensemble ragt Nina Stemme, die neue "Götterdämmerungs"-Brünnhilde, die 2013 in Wien alle Wagner’schen Brünnhilden singen wird, heraus. Ihr Sopran ist dramatisch, aber nie schrill, durchschlagskräftig, aber nie vordergründig, stets präzise und berührend. Eine Topleistung, die an die Gigantinnen der Vergangenheit erinnert.

Stephen Gould, bereits erprobt als Siegfried, wird besser und besser in dieser Rolle und hat keinerlei Mühen, bis zu seinem Bühnentod sängerisch durchzuhalten. Eric Halfvarsson, der Hagen, sprang am selben Tag für Albert Pesendorfer ein (der wiederum für Hans-Dieter König hätte einspringen sollen). Er reiste wenige Stunden vor der Premiere aus Wien an, wo er tags zuvor  den Großinquisitor gesungen hatte. Sein Hagen ist weiterhin kraftvoll und bedrohlich. Anna Gabler ist eine verführerische Gutrune, Iain Patersen ein sängerisch etwas blasser Gunther, Wolfgang Koch ein markanter Alberich und Michaela Schuster eine exzellente Waltraute. Der Chor ist mächtig und szenisch grandios betreut. Riesenjubel für eine famose Produktion. Damit hat München auch Bayreuth, wo der "Ring" 2013 von Frank Castorf geschmiedet wird, viel vorgelegt.

KURIER-Wertung: ***** von *****

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