Achtung, Katze von links!

© Daniel Gebhart de Koekkoek

Kultur
11/16/2016

Katzen im Anflug

Der Fotograf Daniel Gebhart de Koekkoek lässt Katzen durch die Wohnung springen.

Witzige Katzenbilder hier, süße Miezen dort. Und nun fliegen sie auch noch durch die Wohnung. "Katzen springen nur dann, wenn ihnen keiner dabei zusieht", sagt Daniel Gebhart de Koekkoek grinsend im KURIER-Interview. Deswegen musste er sich intensiv mit den Haustieren befassen – ihr Vertrauen gewinnen. Dafür sei er über Wochen täglich zwei, drei Stunden mit den Katzen zusammengesessen. "Nach einer gewissen Zeit haben sie mich akzeptiert und in meiner Anwesenheit begonnen, zu springen." So lautet zumindest sein offizielles wie tierfreundliches Statement.

Abgelaufen ist das Shooting natürlich anders. Details darüber möchte der heimische Fotograf aber nicht verraten. Nur so viel: "Die Katzen erfreuen sich bester Gesundheit." Nachsatz: "Ich bin ein großer Tierliebhaber."

Moderne Kunst

Auftraggeber für die Bildserie ist der Verlag für moderne Kunst. "Sie haben mich gefragt, ob ich einen Kalender gestalten möchte. Anfangs war ich nicht sonderlich begeistert und habe ihnen scherzhaft geantwortet, dass ich mir einen Kalender mit Katzenfotos vorstellen könnte. Der Verlag fand die Idee überraschenderweise gut und so habe ich mir das mit den springenden Katzen überlegt", sagt der 34-Jährige.

Er habe sich dann von Philippe Halsman (1906 – 1979) inspirieren lassen. Der berühmte Fotograf ließ für seine "Jump"-Serie, die den spanischen Künstler Salvador Dalí im Sprung zeigt, ebenfalls Katzen durch das Bild fliegen. "Ich wollte davon eine neuere, dem Zeitgeist entsprechende Version machen", sagt Gebhart de Koekkoek und lässt nun Miezen akrobatisch durch Wohnungen fliegen. 13 Bilder hat er für den Kalender "Jumping Cats" ausgewählt – zu sehen sind diese auch im Rahmen von "Eyes on – Monat der Fotografie" in der Wiener Collectors Agenda.

Der gelernte Informatiker hat vor rund zehn Jahren angefangen, zu fotografieren. "Ich habe schnell gemerkt, dass mir das Fotografieren wesentlich mehr Spaß macht als die Arbeit am Computer", sagt der gebürtige Tiroler, der seit acht Jahren in Wien lebt und arbeitet. Erfolgreich, wohlgemerkt, denn seine Bilder werden in renommierten Magazinen wie dem Monocle oder der Vanity Fair veröffentlicht.

Daniel Gebhart de Koekkoek

Daniel Gebhart de Koekkoek

Daniel Gebhart de Koekkoek

Daniel Gebhart de Koekkoek

Daniel Gebhart de Koekkoek

Daniel Gebhart de Koekkoek

Werbung

Ein immer wiederkehrendes Thema bei seinen Fotos ist Leidenschaft. "Ich finde es spannend, wenn sich Menschen für irgendetwas leidenschaftlich engagieren." Bei seinem neuesten Projekt geht es aber um etwas anderes – außeridisches. Für ihn sind solche Arbeiten wie Urlaub vom Fotografen-Alltag, den er mit Auftragsarbeiten für die Werbung bestreitet – die Fotos für die für die "Art Journey" von BMW oder auch Kampagnen-Bilder für Apple stammen etwa von ihm. Was ihm dabei oftmals fehlt, ist der Mut der Auftraggeber in Österreich. "Sie entscheiden sich am Ende meistens für die konservative Variante. Das ist schade", sagt Gebhart de Koekkoek.

Katzenfotos: Die Ausstellung von Daniel Gebhart de Koekkoek läuft noch bis 20. 11. in der Collectors Agenda, Salmgasse 4a, 1030 Wien. Zu erwerben gibt es neben dem Kalender (€14,90 ) auch fünf limitiert Motive als Edition. Öffnungszeiten Mo–Fr 14–20, Sa, So 12–18. Eintritt frei.

Daniel Gebhart de Koekkoek

Lieblingskamera?
Je nach Projekt unterschiedlich. Eine sehr persönliche und emotionale Beziehung pflege ich jedoch zu meiner Mamiya 7.

Analog oder digital?
Das ist auch je nach Projekt verschieden. Auftragsarbeiten fast ausschließlich im digitalen Mittelformat. Freie Projekte häufig analog.

Welche Motive fotografieren Sie gerne?
Sonnenuntergänge im Meer, Katzenbabies, blühende Tulpenfelder...

Können Sie sich noch an Ihr erstes Foto erinnern?
Ich bin schon froh, wenn ich mich noch an mein letztes Foto erinnern kann.

Was macht für Sie ein gutes Foto aus?
Ein gutes Bild muss auf mehreren Ebenen funktionieren. Es muss inhaltlich gut sein und dabei auch ästhetisch sein. Nur Ästhetik oder nur Inhalt alleine reichen nicht aus. Man muss es gerne ansehen und sich darin verlieren können.

Welche Fotografen haben Ihre Arbeit beeinflusst?
Durch meine Arbeit bei Magnum Photos in New York hatte ich mich durch fast alle Magnum Bilder durch gesehen. Das hat mich damals bestimmt stark beeinflusst. Aber ich liebe auch die Arbeiten von William Eggleston, Vivian Sassen, Jürgen Teller, Harley Weir, Nan Goldin, Helmut Newton... es sind viel zu viele und die Liste ändert sich laufend.

Welche fotografische Ausrüstung haben Sie normalerweise in Ihrer Tasche?
Die Handykamera.