© Kurier/Jeff Mangione

Staatsoper
04/16/2021

„Fühlen uns nicht allein gelassen“

Die kaufmännische Staatsopern-Geschäftsführerin Petra Bohuslav über ihre Kritiker, den Kontakt zur Regierung und Sparpotenziale.

von Anita Kiefer

Die kaufmännische Geschäftsführerin der Wiener Staatsoper, Petra Bohuslav (55), ist seit September 2020 im Amt. Sie war davor 15 Jahre lang VP-Landesrätin in Niederösterreich, vier Jahre lang u.a. für Kultur, zuletzt für Wirtschaft, Technologie, Tourismus und Sport. Bohuslavs Bestellung wurde von Kritikern als politischer Postenschacher angefeindet. Die Staatsoper gehört zur Bundestheater-Holding (zu 100 Prozent im Eigentum des Bundes) und beschäftigt rund 900 Mitarbeitende.

KURIER: Direktor Bogdan Roscic hat Anfang Jänner mit einem Spielbetrieb für Anfang März gerechnet, jetzt ist Mitte April. Wann rechnen Sie mit Öffnung der Staatsoper?

Petra Bohuslav: Das kann ich Ihnen so leider nicht beantworten, denn rechnen kann man momentan mit gar nichts. Das würden wohl auch die Entscheidungsträger gern wissen, die uns aufgrund der aktuellen Situation kein Datum nennen können. Wir brauchen als Vorlaufzeit einen Monat, bevor wir wieder aufsperren können, um Karten zu verkaufen. Das ist nicht leichter geworden. Immerhin fehlen uns die Touristen, die rund 30 Prozent des Umsatzes ausmachen. Bis 2. Mai gibt es jetzt den harten Lockdown – damit sind wir mit einer Öffnung schon bei Ende Mai.

Das Ergebnis lag in der abgelaufenen Saison bei minus 1,98 Mio. Euro vor Steuern. Wie wird es jetzt werden?

Wir hatten vor der Pandemie mit fast 50 Prozent einen sehr hohen Eigenfinanzierungsgrad, der vor allem durch Karteneinnahmen, Führungen und Sponsoring erwirtschaftet wurde. Das fällt zum Großteil weg. Die Sponsoren sind zum Teil sehr loyal, hinterfragen aber auch, wo die Gegenleistungen für den Sponsorvertrag sind – zu Recht. All das versuchen wir durch Kurzarbeit – wir nehmen keine anderen AMS-Mittel in Anspruch – zu kompensieren, um den Verlust so gering wie möglich zu halten.

Wird man nach der Pandemie sparen müssen ?

Im Kulturbereich, in der Qualität, wollen und werden wir nicht sparen. Denn das ist unser Aushängeschild. Die Verträge mit den Künstlerinnen und Künstlern stehen ja zwei bis drei Jahre im Voraus. Es wird bei manchen Investitionen, die den Spielbetrieb nicht direkt betreffen, Verschiebungen geben müssen.

Also keine Reduktion von Angebots und Ensembles?

So ist es.

Die Staatsoper setzt auf Streams vergangener Inszenierungen und überträgt Premieren auf ORF III. Wie wird das angenommen?

Wir konnten fast drei Millionen Menschen durch die ORF-Kooperation ansprechen. Zusätzlich gab es 669.000 Abrufe der Streams, wo wir mit einem Faktor von 2 bis 2,5 pro Stream rechnen.

Ab wann wird es denn einen Vor-Corona-Betrieb geben? Der Holding-Geschäftsführer hat unlängst von der Saison 2022/23 gesprochen.

Ich bin ein sehr optimistischer Mensch. Ich gehe davon aus, wenn alle Impfziele erreicht werden, dass sich im Lauf der nächsten Saison einiges entspannt. Normalität werden wir aber wahrscheinlich erst in der darauffolgenden Saison haben.

Wie viel wurde für die Corona-Prävention bisher ausgegeben?

Wir haben seit 1. September 40.000 Tests der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durchgeführt. Im September waren das PCR-Tests zu 90 Euro pro Stück. Die Antigentests sind weitaus billiger, nämlich 10 Euro pro Test. Anders hätten wir dieses Volumen finanziell auch nicht mehr geschafft. Jetzt reichen wir bei der Wirtschaftskammer um die Refundierung von zehn Euro pro Test ein. Dazu kommen Kosten für FFP2-Masken und Sicherheitskontrollen.

Welche Summe war das insgesamt?

Rund eine Million Euro, wenn die Refundierung noch nicht berücksichtigt ist.

Fühlt sich die Staatsoper von der Politik wie viele aus der Kultur allein gelassen?

Nein, das fühlt sie sich definitiv nicht. Es gibt sehr engen Kontakt zur Staatssekretärin und zum Vizekanzler. Wir haben das Gefühl, dass wir verstanden werden. Es ist für die Politik jedoch schwierig, die richtigen Schritte zu setzen – die Gesundheit der Bevölkerung ist die Nummer eins. Es wurde aber auch in Studien dokumentiert, dass in Kulturbetrieben nicht die Ansteckungsherde zu Hause sind. Bei den Öffnungsschritten sollte man darauf hören.

Ihre politische Vergangenheit war bei Ihrer Bestellung ein nicht unumstrittenes Thema. Was sagen Sie dazu?

Aus der Politik kommend war mir klar, dass wenn ich wieder wechsle, es Begleitmusik geben wird. Das muss man aushalten. Ich habe immer gesagt, ich möchte durch meine Arbeit überzeugen.

Was soll in fünf Jahren über Ihre Arbeit gesagt werden?

Dass wir dieses Haus und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gut durch die Krise geführt haben. In schlechten Zeiten kann sich ein Management auszeichnen. Beim Hearing habe ich gesagt, meine Vision ist es, dass jede Österreicherin und jeder Österreicher einmal im Leben in der Staatsoper gewesen ist – bei einer Aufführung oder einer Führung. In fünf Jahren möchte ich sagen können, dass wir dem einen Schritt näher gekommen sind.

Wie sehr hofft man im Haus – finanziell und persönlich – auf den Opernball 2022?

In jede Richtung! Der Opernball ist ja gesetzlich vorgegeben. Der Ball ist auch finanziell sehr wichtig für uns. Wie sehr Sponsoren motiviert sind, Logen zu kaufen, wird sich weisen.

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