© Kurier/Juerg Christandl

Interview
03/21/2021

Franz Klammer: "Ich hab' so etwas vorher und nachher nicht erlebt"

Ski-Legende Franz Klammer im Interview über seinen legendären Sieg bei Olympia 1976, das Filmprojekt "Klammer", die Rolle seiner Frau und sein Golf-Handicap.

von Peter Temel, Jürg Christandl, Dieter Frauenlob

Die Dreharbeiten zum Sportler-Biopic "Klammer" lassen bei Franz Klammer 45 Jahre danach viele Erinnerungen an sein berühmtestes Rennen wieder aufleben. Allein die Vorgeschichte zur Olympia-Abfahrt von Innsbruck am 5. Februar 1976 gibt genug Stoff für einen Film her.

Vor allem die Startnummernauslosung, die ihm die hohe Nummer 15 brachte, habe den damals 22-Jährigen „schon ein bissl aus der Bahn geworfen“, sagt Klammer. „Weil ich eigentlich jener sein wollte, der früh eine Zeit hinsetzt. Die anderen sollten oben nervös sein – nicht ich. Aber im Endeffekt war das Drehbuch gerade richtig geschrieben, das hat den Lauf so berühmt gemacht.“

Dazu kamen noch die astronomischen Erwartungen einer Skisportnation, die der Meinung war, der „Franzi“ müsse sich die Goldene nur noch abholen.

OLY-1976-INNSBRUCK-KLAMMER

"Gott sei Dank ist der Ski oben geblieben"

Dann der obere Teil des Rennens am Patscherkofel, wo der damals scheinbar unbesiegbare Klammer gleich mehrere Fehler hatte. „Da hätte eigentlich schon alles vorbei sein können“, erzählt er. „Wenn man richtig ans Limit geht, geht es nicht fehlerfrei, Gott sei Dank ist der Ski oben geblieben. Aber ich hab gewusst: Jetzt muss ich noch mehr geben. Kurz vor der Zwischenzeit hab ich ins Publikum geschaut und gemerkt: ,Jetzt muss ich was ändern’.“

Der Gedanke, überraschend die Linie zu wechseln, sei „in einer Zehntelsekunde entstanden“, beteuert er. "Ich wusste: Das Bäreneck muss ich ganz anders fahren, als ich es im Training jemals gefahren bin. Das hat sich dann ausgezahlt.“ Das Wichtige beim Skirennfahren sei: „Du musst eine Entscheidung treffen, und zu der musst du stehen. Es war dann eine meiner besten Kurven, die ich je gefahren bin.“

Russis Größe

Klammer fuhr im Bäreneck ganz hinauf, raste bis auf einen Meter an die Zuschauer heran und konnte bergab dann umso mehr Fahrt aufnehmen. Im unteren Teil nahm er dem führenden Bernhard Russi schließlich eine halbe Sekunde ab. Nach dem Aufleuchten der Siegerzeit von 1:45:73 kam der Schweizer sofort zu ihm und gratulierte.

„Ich hab' so etwas vorher und nachher nicht erlebt", sagt Klammer. "Da hätte einer Geschichte schreiben und zwei Mal hintereinander die Goldmedaille gewinnen können. Dann wird er entthront, kommt aber trotzdem zu dir her und gratuliert." Das sei "so von innen kommen", erzählt Klammer. "Es war so ehrlich und das zeigt die Größe von Russi. Es ist eigentlich eine schöne Geschichte." Bis heute sei Russi ein Freund geblieben.

Dass diese Geschichte nun in einem großen Kinofilm wieder aufleben soll, sei „natürlich ein komisches Gefühl, weil ein Film über mein Ereignis gemacht wird,“ sagt Klammer. „Andererseits macht es mich sehr stolz, dass dieses Ereignis einen Film wert ist."

Sturm und Drang

Wie die damalige Rolle seiner späteren Frau im Film dargestellt wird, das habe er noch nicht begutachtet, „das schauen wir uns dann im Kino an“, meint er.

Es sei auch sehr schwierig für ihn, das zu beurteilen, „weil ich kein Filmmensch bin.“ Er habe zwar das Drehbuch gelesen, „aber wie die Umsetzung dann wirklich funktioniert, dazu habe ich viel zu wenig Ahnung.“

Jedenfalls habe man es nicht mit einem Dokumentarfilm zu tun, "es ist halt ein Spielfilm".

Die damalige Beziehung zur späteren Eva Klammer beschreibt er als „ziemliche Sturm-und-Drang-Zeit, wir waren recht frisch verliebt“, und es „war eigentlich ein sehr schönes Gefühl, so einen Menschen an meiner Seite zu haben, das war einfach herrlich.“

Ob er sich damals nicht gewundert habe, dass sie ihn, den Skistar, davor gar nicht gekannt habe? „Das ist ja auch nicht wichtig“, sagt er, mit dem typischen Lächeln. Das Geheimnis der bis heute währenden Ehe sei recht einfach: "Man muss den anderen so sein lassen, wie er ist. Jeder lebt sein Leben, aber gemeinsam."

Angst war nie ein Thema

Bei seinen sportlichen Unternehmungen, auch beim nicht viel weniger gefährlichen Autorennsport, ist sie "immer hinter mir gestanden", erklärt er. 

Angst sei sowieso nie ein Faktor gewesen. Klammer: "Wenn du oben stehst und um den Sieg fahren willst, dann gibt es diesen Gedanken nicht. Wenn man das hat, ist es besser, man hört auf."

Das Ende der Weltcupkarriere nach der Saison 1985 war dann eine ähnlich spontane Eingebung wie die Linienwahl am Bäreneck. "Wie ich im März in Aspen am Start gestanden bin, hab' ich mich umgeschaut und gewusst: Das ist nicht mehr der Platz, wo ich sein will, ich hab' genug. Vorher, in der Früh, hab' ich noch nicht gewusst, dass ich aufhören werde."

Glaubwürdiger Darsteller

Mit seinem Film-Alter-Ego, dem 24-jährigen Julian Waldner, zeigt er sich zufrieden. Er gefalle ihm gut, „ich glaube, dass er das sehr glaubwürdig rüberbringt“.

Ob es von Vorteil sei, dass dieser auch Kärntner sei und obendrein ein guter Skifahrer? Klammer: „Ich glaube, das macht es ein bisschen leichter, auch von der Sprache her. Es ist sicher wichtig, dass man das rüberbringt.“

Nun hofft Klammer, dass der Film auch die heutige Generation für den Skisport begeistert, „so wie damals mein Rennen, das sehr viele junge Menschen zum Skifahren gebracht hat.“ 

Das Knie

Ihm selbst gehe es gesundheitlich gut, nur das Knie mache ihm etwas zu schaffen, sagt der 67-Jährige. Daher sei er auch nicht beim Dreh der Rennszenen am Patscherkofel dabei gewesen. 

Wie es daher mit seiner Passion, dem Golfspielen, aussehe? "Schlecht, nur mehr Handicap zehn", lacht Klammer. "Da muss ich wieder mehr trainieren."

Denn wie schon bei Olympia 1976, gelte: "Abholen kann man gar nix, man muss erst die Leistung bringen. Das war nie eine g'mahte Wiesen."

Produktion
"Klammer" (internationaler Titel: "Chasing the Line") gedreht von 15. Februar bis 2. April in Zwickenberg (Kärnten), Innsbruck und Wien. Es produzieren die epo-film (Jakob Pochlatko) und Samsara Film (Andreas Schmied und Loredana Rehekampff) in Co-Produktion mit Sabotage Film.

Team
Regie führt Andreas Schmied, der mit seiner Ehefrau Elisabeth Schmied auch das Drehbuch schrieb. Die Action-Aufnahmen inszeniert Gerald Salmina ("Streif - One Hell of a Ride"). Vor der Kamera stehen u.a. Julian Waldner (Franz Klammer), Valerie Huber (Eva Klammer), Raphaël Tschudi (Bernhard Russi), Wolfgang Oliver (Charly Kahr), Noah L. Perktold (Werner Grissmann), Harry Lampl (Heinz Prüller). Die Rennszenen wurden von Stuntfahrern und ehemaligen Weltcupgrößen gefahren: Als Franz Klammer warfen sich Daron Rahlves (USA), Lukas Krainer und Lukas Hübl auf die Piste, Russi-Darsteller Tschudi wurde vom Ex-Weltcupfahrer Werner Heel (Italien) gedoubelt.

Kino und TV
Angepeilt wird ein Kinostart rund um den 26. Oktober 2021. In der 5,5 Millionen schweren Produktion sind auch Servus TV und der ORF an Bord. Die Fernsehausstrahlung ist für 2022 geplant.

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