Kultur
31.10.2018

Filmkritik zu "The Guilty": Nachtschicht am Notruf-Telefon

Immens packender Thriller um einen dänischen Polizisten, der am Notruf-Telefon sitzt und Anrufern zu helfen versucht.

Ein dänischer Polizist namens Asger schiebt Nachtdienst am Notruf-Telefon. Wegen eines laufenden Verfahrens wurde er vom Streifendienst suspendiert. Doch der sensible Umgang mit hilfesuchenden Anrufern ist nicht seine Stärke: „Selbst schuld“, wirft er einem zugedröhnten, vor Panik scheppernden Burschen am Telefon entgegen. Auch den Notruf eines BMW-Fahrers, der von einer Prostituierten bestohlen wurde, schiebt er erst einmal in die Warteschlange.

Doch Asger wird hellhörig, als eine junge Frau anruft. Sie heißt Iben und deutet an, dass sie sich in den Händen eines Entführers befindet, während ihre Kinder zu Hause eingesperrt sind.

Das ist der richtige Stoff für Asger. Sein männlicher Beschützerinstinkt erwacht. Endlich ein Fall, wo er seinen kriminalistischen Scharfsinn beweisen kann. Er stellt gewitzte Fragen, analysiert die Situation, schaltet andere Dienststellen ein und gerät so richtig in Fahrt.

Der Witz von Gustav Möllers immens packendem Regie-Debüt besteht darin, dass sich sein Thriller ausschließlich in zwei abgedunkelten Polizeibüros und unseren Köpfen abspielt. Man sieht auch mit den Ohren gut: Die Stimmen am anderen Ende der Leitung beschwören die lebhaftesten Bildern von ergreifenden Dramen herauf (die oft anders verlaufen, als Asger – und wir – uns das vorstellen). Tatsächlich zu sehen ist aber nur Asgers angespanntes Gesicht und die leichte Rötung seines linken Lidrands. Intensives Schauspiel und einfallsreiche Kameraperspektiven lassen die Spannungskurve trotzdem keine Sekunde absacken.

INFO: Dänemark 2018. 85 Min. Von Gustav Möller. Mit Jacob Cedergren, Jessica Dinnage (Stimme).