Kultur
31.10.2018

Filmkritik zu "25 km/h": Brüder-Paar im Schneckentempo

Zwei entfremdete Brüder machen einen Jugendtraum war und unternehmen gemeinsam auf dem Mofa eine Reise durch Deutschland.

Ein halbes Leben haben sie einander nicht mehr gesehen. Jetzt – nach dem Tod des Vaters – wollen zwei Brüder einander wieder näherkommen.

David Lynch, der Meister des Abgründigen, hat für die nicht nur emotional holprige Annäherung seiner Protagonisten das Stilmittel eines Roadmovies gewählt. In „Eine wahre Geschichte – The Straight Story“ (1999) hat Lynch einen alten Mann auf einen Rasenmäher gesetzt und ihn damit mehr als 1000 Kilometer quer durch Amerika tuckern lassen. Der deutsche Regisseur Markus Goller setzt sein Brüderpaar auf altmodische Motor-Fahrräder.

Nun gut – es ist vielleicht nicht ganz fair, Gollers leichtgewichtige Komödie mit Lynchs Meisterwerk zu vergleichen. Aber immerhin ging es auch Goller nicht nur um das Aufwärmen einer erkalteten Bruder-Beziehung, sondern auch um eine Hommage an die Langsamkeit. Denn Mofas sind zwar schneller als fahrbare Rasenmäher, aber viel mehr als 25 Kilometer pro Stunde sind da auch nicht drin.

Alkohol

Bei der Trauerfeier nach dem Begräbnis des Vaters sorgt bei den beiden Brüdern ein Zuviel an Alkohol für die Umsetzung einer verrückten Idee aus Teenager-Tagen: Als 15-Jährige wollten sie gemeinsam mit dem Mofa quer durch Deutschland fahren. Einen Film lang wird nun diese Reise nachgeholt.

Vieles ist recht vorhersehbar in diesem Roadmovie, und auch der Humor-Faktor fühlt sich stellenweise etwas Deutsch an. Dazu gehören feucht-fröhliche Gelage, Begegnungen mit Frauen, mit Tieren, mit bewusstseinserweiternden Drogen, mit der Staatsgewalt und mit der eigenen Vergangenheit. Dazwischen werden Sprüche geklopft – von harten und von weichen Männern. Dass man den Brüdern doch ganz gerne bei (fast) allem zuschaut, liegt vor allem an den Darstellern.

Gabriele Flossmann

INFO: D 2018. 116 Min. Von Markus Goller. Mit Lars Eidinger, Bjarne Mädel, Franka Potente.