Elisabeth Kulman: "La femme c'est moi"

© /Elisabeth Kulman/Werner Kmetitsch

Kritik

Elisabeth Kulman: Raus aus der Schublade

In ihrem Programm "La femme c’est moi" stellt die grandiose Sängerin Wagner neben die Beatles.

von Gert Korentschnig

08/19/2016, 06:00 AM

Stünde sie heute noch auf einer Opernbühne – sie wäre in vielen Partien die beste Mezzosopranistin der Welt. Vor 15 Monaten jedoch gab Elisabeth Kulman ihren Rückzug von szenischen Opernproduktionen bekannt – und diese Entscheidung ist, so sagt sie gegenüber dem KURIER, endgültig. "Das Thema ist für mich erledigt. Als Sänger hat man in szenischen Produktionen kein Gewicht. Das war immer ein großes Problem für mich. Mir wurde ständig erzählt, was eine Rolle angeblich bedeutet soll. Da bleibt die eigene Kreativität auf der Strecke", begründet Kulman ihren Schritt. "Wenn ich heute lese, was in Inszenierungen geschieht, bin ich froh, dass ich nicht mehr dabei bin."

Mehr Gerechtigkeit

Schon im Jahr 2013 hatte Kulman eine Künstlerbewegung namens "Art but fair" angeführt und mit dieser mehr Gerechtigkeit im Musiktheaterbetrieb bis hin zu fairen Gagen gefordert. Ihren Rückzug vom Opernbetrieb empfindet sie nun als "Befreiungsschlag". Dazwischen hatte sie eine ausgedehnte Reise nach Thailand unternommen, um zu sich selbst zu finden. "Was will ich? Was unternimmt man gegen die Vereinnahmung?", waren dabei zentrale Fragen. Mittlerweile hat sie gelernt, bei Anfragen für Opernproduktionen konsequent Nein zu sagen. "Je öfter man das macht, desto leichter wird es."

Bei Liederabenden und in konzertanten Opern ist sie nach wie vor zu hören. Und jetzt bei ihrem ersten Soloprogramm, das bei der styriarte Premiere hatte und nun beim von Mechthild Bartolomey geleiteten Attergauer Kultursommer in St. Georgen zu erleben war. Kulman: "Das ist es, was ich machen will. Da kann man alle Facetten zeigen und nicht nur eine wie in der Oper."

Die sängerischen Facetten: Man hört Kulman als Dalila (so gut wie zurzeit garantiert keine andere), als Carmen (besser als jede andere), als Fricka (überragend), als Eboli (erstklassig), als Seeräuberjenny und auch in für sie transponierten Partien wie der Marschallin, der Königin der Nacht und schrägerweise als Escamillo. All das singt sie technisch perfekt, mit ihrem warmen Timbre, sensibel, dramatisch, famos. Dazwischen gibt es Lieder von Schubert und Liszt, Ausschnitte aus Musicals und sogar Songs von den Beatles und Michael Jackson. Es ist wie ein Aufschrei gegen das so beliebte Schubladisieren von Künstlern. Sie schafft es, zu allen Fächern ihren persönlichen Schlüssel zu finden. Höchst intelligent und mit viel Humor.

Dass dieser spezielle Walkürenritt (der freilich auch zu hören ist) musikalisch funktioniert, ist den Arrangements von Tscho Theissing zu verdanken, der die gesamte musikalische Palette mit Aliosha Biz (Geige), Franz Bartolomey (Cello), Herbert Mayr (Bass), Eduard Kutrowatz (Klavier), Maria Reiter (Akkordeon) und Gerald Preinfalk (Saxofon und Klarinette) exzellent auslotet. Ein kühnes, fantasievolles, gelungenes Projekt.

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