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Kultur
12/15/2019

Elina Garanča: "Im heiligen Tempel der Musik“

Der Opernstar über „Klassik unter Sternen“, die „ZukunftsStimmen“ und Katy Perry

von Peter Jarolin

Sie ist einer der Weltstars der klassischen Musik, eilt von Triumph zu Triumph und steht dennoch mit beiden Beinen fest auf der Erde: Mezzosopranistin Elina Garanča. Auch 2020 wird für die Ausnahmekünstlerin wieder „ein sehr intensives Jahr“, wie Elina Garanča im KURIER-Gespräch betont.

Neben den längst traditionellen Konzerten in Göttweig bei „Klassik unter Sternen“ (1. Juli) und in Kitzbühel bei „Klassik in den Alpen“ (4. Juli) stehen gleich zwei große Rollendebüts bevor. In Richard Wagners „Parsifal“ wird Elina Garanča an der Wiener Staatsoper erstmals die Kundry singen und in ihrer Wahlheimat Gran Canaria verkörpert die gebürtige Lettin erstmals die Amneris in Giuseppe Verdis „Aida“. Ein Gespräch über Zeit, Zukunft und Katie Perry.

KURIER: Mit der Kundry und der Amneris betreten Sie musikalisches Neuland. Zwei dramatische Partien – wie geschaffen für ihre Stimme?

Elina Garanča: Das sind natürlich zwei ganz große Hämmer, die sehr herausfordernd sind, aber wenn ich diese beiden Rollen gesungen habe, dann habe ich künstlerisch alles gesagt, was ich zu sagen hatte.

Inwiefern?

Ich habe das große Privileg im heiligen Tempel der Musik leben zu dürfen. Ich durfte Mozart singen und Belcanto, den Octavian im ,Rosenkavalier‘ von Strauss und vieles mehr. Das waren alles Charaktere, die mich lange begleitet haben, die aber inzwischen Vergangenheit sind. Denn ich kann für mich diese Musik nicht mehr erfüllen. Meine Stimme hat eine andere Dramatik gewonnen. Ich bin jetzt eben eine Dalila („Samson et Dalila“ von Camille Saint-Saëns, Anm.) oder eine Eboli in Verdis ,Don Carlo‘. Und das ist auch gut so!

Vermissen Sie keine einzige dieser früheren Partien?

Nein. Im Gegenteil. Ich habe noch einiges vor und bin froh, keine Hosenrollen wie den Octavian mehr singen zu müssen. Man wird älter, und das wäre auch nicht glaubhaft. Ich war etwa unlängst in einer Vorstellung von Mozarts ,Così fan tutte‘ und habe mir nur gedacht: Danke, dass ich das nicht mehr singen muss! Egal, wie schön die Musik ist. Ich denke einfach mehr an die Zukunft. Und das sind Kundry, Amneris, vielleicht auch eine Azucena in Verdis ,Troubadour‘. Ich freue mich sehr. Denn das erste Mal den Kaviar zu schmecken, ist etwas Besonderes. Das erste Mal ist immer das erste Mal.

Stichwort Zukunft: Im Rahmen von „Klassik unter Sternen“ haben Sie das Projekt „ZukunftsStimmen“ ins Leben gerufen, das jungen Sängern aus Österreich den Einstieg in ihre Karriere erleichtern soll. Mit Alexander Grassauer gab es schon einen ersten Sieger, der mit Ihnen in Göttweig aufgetreten ist. Wie geht es weiter?

Ich hoffe doch – sehr gut. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie schwer es ist, in dieser Branche Fuß zu fassen. Und mein Mann Karel Mark Chichon und ich wollen mit diesem Projekt neue Wege gehen. Ich etwa hatte niemanden, den oder die ich um Rat hätte fragen können. Wir aber wollen für die jungen Sängerinnen und Sänger wirklich da sein. Man kann sich übrigens noch bis 15. Jänner 2020 online (www.zukunftsstimmen.at, Anm.) bewerben.


Man kann Sie also auch nach dem Sieg bei diesem Wettbewerb jederzeit anrufen und um Hilfe bitten?

Ja, das ist mir wichtig, Ich liebe es, zu unterrichten. Und wenn ich nur irgendwie helfen kann, dann mache ich das sehr, sehr gerne. Alexander hat mich auch nach Göttweig oft kontaktiert. Und das möge bitte auch so bleiben! Wir arrivierteren Sängerinnen und Sänger haben doch eine Verantwortung für diejenigen, die nachkommen. Die Opernbranche ist schon hart genug. Da sollte man nicht alleingelassen werden.

Würden Sie eines Tages auch Ihre beiden Töchter als Sängerinnen coachen?

Bitte nicht! Wir hoffen immer noch, dass sie keine professionellen klassischen Musikerinnen werden. Ich wünsche ihnen das nicht.

Warum nicht?

Die Geschichte lehrt uns, dass es selten gut gegangen ist, wenn die Kinder den Beruf ihrer Eltern ergriffen haben. Noch dazu, wenn diese vielleicht in ihrem Metier auch noch Erfolg hatten. Aber die Gefahr besteht vorerst ohnehin nicht. Wir unterstützen zwar eine klassische Ballettausbildung unserer Töchter, und sie müssen demnächst von der Schule aus auch ein klassisches Musikinstrument lernen. Aber musikalisch liegt die Welt der Oper für sie glücklicherweise noch in weiter Ferne.

Das bedeutet. die Oper interessiert die beiden nicht?

Doch! Meine ältere Tochter war etwa zwei Mal freiwillig in ,Samson et Dalila‘. Und mein lieber Samson-Kollege Brandon Jovanovich hat ihr hinter der Bühne alle Theatertricks gezeigt. Aber zu Hause spielt es dann doch meist eine andere Musik.

Welche denn?

Wir haben die Lady-Gaga-Phase endlich hinter uns gelassen und sind derzeit bei Katy Perry angekommen. Deren Musik wird heuer auch zu Weihnachten aufgelegt!

Wie und wo werden Sie Weihnachten feiern? Und welche Wünsche haben Sie?

Heuer sind wir in Spanien auf Gran Canaria. Wir wechseln ja immer zwischen Lettland und der beruflichen Heimat meines Mannes, der dort Chefdirigent ist. Und Wünsche habe ich nicht viele. Eigentlich nur den, dass wir in unserer Familie mehr Zeit füreinander haben, gemeinsam den Christbaum schmücken, Kekse backen und glücklich sind. Aber auch, dass wir unsere Träume leben, dass wir dafür Zeit genug haben. Zeit ist nämlich das kostbarste Geschenk überhaupt.

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