© ARNOLD POESCHL

Kritik
09/22/2020

"Elektra" in Klagenfurt: Düsteres Psychodrama von archaischer Wucht

Klagenfurt: Am Stadttheater wurde Strauss’ „Elektra“ zum Saisonstart bejubelt (Von Helmut Christian Mayer).

Wie die Tentakel einer riesigen Qualle, die alles überwuchert: So symbolhaft stark wirken die überdimensionalen verschlungenen Rohre, an Entlüftungsschläuche erinnernd, bei „Elektra“ von Richard Strauss, mit der die diesjährige Saison am Stadttheater Klagenfurt eröffnet wurde. Die Rohre quellen aus den Proszeniumslogen hervor und erzeugen mit beeindruckenden Lichtstimmungen ein düsteres, apokalyptisches Bild.

Ein Rohr scheint auch Elektra zu bewohnen, mit einem Fressnapf beim Eingang. Dort hat sie auch ihr Beil, mit dem ihr Vater Agamemnon erschlagen wurde, versteckt.

Dahinter sitzt das groß besetzte Orchester auf der Bühne. Dies deshalb, um den notwendigen Corona-bedingten Abstand zu ermöglichen.

Ideenreiche Personenführung

Das Orchester soll den Palast des Agamemnon in Mykene, Ort des Mordes und der Rache, symbolisieren. Die Sänger agieren davor an der Rampe auf einem schmalen Streifen. Cesare Lievi schafft es trotzdem mit seiner ideenreichen Personenführung, ein packendes Psychodrama von archaischer Wucht und spannender Dichte zu erzeugen.

Dem italienischen Regisseur gelingt es auch, die psychischen Befindlichkeiten dieser gestörten Familie nach außen zu kehren. Da die Rohre teils direkt vor dem Orchester quer situiert sind, erzeugen sie ein erst gewöhnungsbedürftiges, gedämpfteres Klangbild. Es fehlt deshalb an der sonst üblichen Wucht und es lassen sich auch nicht alle Feinheiten der Musik hören.

Große Intensität

Trotzdem gelingt es Nicholas Carter am Pult des Kärntner Sinfonieorchesters, aus Strauss’ genialer Musik eine reiche Gefühlspalette und intensive Spannungsbögen zu erzeugen. Wegen dieser Platzierung der Musiker kann man die famosen Singschauspielerinnen ausgezeichnet hören: Nicola Beller Carbone zeigt die Titelheldin mit großer, rachedurstiger Intensität und läuft öfters wie ein nervöses Tier herum. Bei ihr sind alle Spitzentöne mühelos zu hören, die sie allerdings manchmal etwas zu tief ansetzt.

Ksenia Vyaznikova singt die Klytämnestra mit exaltierter und expressiver, teils zu lauter Ausdruckskraft. Christiane Kohl erlebt man als vokal aufblühende, seelisch hin- und her gerissene Chrysothemis mit allen Höhen.

Seth Carico ist ein edel timbrierter Orest. Andrew Richards singt den Ägisth einwandfrei. Auch die vielen kleineren Partien sind rollendeckend besetzt.

Großer Jubel und ein famoser Einstand für den neuen Intendanten Aron Stiehl.

 

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