© Markus Woergoetter

Kultur
09/16/2021

Ein Werk sucht seinen Autor, und ein Huhn wird gebadet

Absurder Humor beim Festival „Curated by“ in Ausstellungen von Zhang Peili und dem "Studio for Propositional Cinema"

von Michael Huber

Kunst muss nicht hochpreisig sein, manchmal gibt es sie sogar gratis: In der Galerie Emanuel Layr in der Wiener Innenstadt lässt sich eine Zeichnung des Künstlers Cesare Pietroiusti ergattern, signiert und nummeriert, limitiert auf 500 Stück. Das Problem: Es ist nur ein weißes Blatt Papier. Ein Aufdruck verheißt allerdings: „Die Zeichnung wird vom Künstler nach seinem Tod mithilfe übernatürlicher Produktionsmittel fertiggestellt.“

Kunst ist immer auch Vorstellung, Hoffnung (auf Wertsteigerung?), spätestens seit dem Konzeptualismus der 1970er Jahre zählt die Idee oft mehr als deren Ausführung. Die Schau „Sculpture in Search of an Author“, für die Layr im Rahmen des Festivals „Curated by“ (bis 2. 10.) das Kollektiv „Studio for Propositional Cinema“ als Ausstellungsgestalter einlud, weiß den Balanceakt auf geistreiche Art zu inszenieren.

Kristallisationspunkt ist dabei ein leeres Podest, auf dem die genannte Skulptur stehen sollte oder gestanden haben könnte. Wir erfahren von einem Werk des Arte-Povera-Künstlers Emilio Prini, das 2011 auf einer Messe gezeigt werden hätte sollen, aber abgezogen werden musste, weil der Künstler seine Autorschaft kurz vor der Ausstellung zurückzog.

Wer also ist der Schöpfer einer Skulptur, wenn nicht der Künstler selbst? Die anspruchsvolle, aber doch intuitiv erfassbare Präsentation tritt solche Fragen los und bindet die Besucher – ohne die Kunst ja nie komplett ist – ein, indem sie etwa zu Schattenspielen auf einer fluoreszierenden Oberfläche einlädt. Zudem hängen Schoko-Marienkäfer an der Wand, über deren Kunststatus sich trefflich debattieren lässt.

Kunst muss kratzen

Wenn diese Präsentation das Festivalmotto „Comedy“ mit subtilem Meta-Witz anfasst, so ist der Schmäh in der Galerie nächst St. Stephan noch etwas tiefer vergraben. Das erklärt vielleicht, warum der chinesische Künstler Zhang Peili, dessen Werk erstmals in Wien umfassend präsentiert wird, bislang in seiner Heimat relativ ungestört arbeiten konnte.

Als Form des Selbstporträts ließ Zhang etwa seine Knochen nach Röntgen-Scans aus Marmor nachbilden und übersetzte das Wasser- und Blutvolumen seines Körpers in solide Quader- und Kristallformen. In Zhangs Videos wiederum geht es auf verklausulierte Art um Disziplinierung: In einer Arbeit von 1991 sieht man, wie der Künstler sich an verschiedenen Stellen seines Körpers kratzt; in einem anderen wird ein Huhn eingeseift und gebadet, immer und immer wieder. Zwanghafte Hygiene und langsames Gefügigmachen sind dabei Metaphern für das Agieren des chinesischen Staates, wie Kurator Martin Germann erklärt. 

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