Ein spröder Abend mit trotzigem Gemeindekind

Alexi Pelekanos / Schauspielhaus / Florian von Man…
Foto: /ALEXI PELEKANOS Florian von Manteuffel, Barbara Horvath, Franziska Hackl, Thiemo Strutzenberger und Katja Jung in Anne im Singspiel "Das Gemeindekind"

Die letzte Premiere der Ära Beck im Schauspielhaus lässt einen ratlos zurück. Traurig ist man trotzdem, dass er geht. Und das tolle Ensemble mitnimmt.

Anne Habermehls sehr freie Bearbeitung von Marie von Ebner-Eschenbachs sozialkritischem Literaturklassiker "Das Gemeindekind" skizziert das Sozialdrama um den Teenager Pavel gerade einmal an und überlässt den Schauspielern sehr viel Arbeit. Bravourös wie immer stemmen sie auch dieses sperrige Stück, haben allerdings schon mit der Musik genug zu tun. Der Text wird zum Teil gesungen (Komposition: Gerald Resch), den fünf Schauspielern werden fünf Instrumente (samt Musikern) gegenübergestellt – die einzige Abwechslung auf der ansonsten kargen Bühne (Vincent Mesnaritsch).

In Ebner-Eschenbachs 1887 veröffentlichtem Drama geht es um die Frage, ob ein Kind – der Teenager Pavel– zwingend den Weg seiner kriminellen Eltern einschlagen wird, so, wie es die Umwelt, sprich die Dorfgemeinde insinuiert. Bei Habermehl verwahrlost der Bub, dessen Pflege die Gemeindemitglieder vor allem deshalb übernehmen, um das dazugehörige Geld einzustreifen, ziemlich schnell. Wie und warum er so bald zum "Stricher" wird, erschließt sich nicht. Vieles bleibt vage, die Sozialtristesse wird angedeutet, läuft zu rasch aus dem Ruder – in 75 Minuten ist das braungraue Drama erledigt.

Unter der Regie von Rudolf Frey interpretiert Thiemo Strutzenberger den Titelhelden Pavel als bockigen Buben, der noch nie so etwas wie Liebenswürdigkeit erfahren hat. Alles, was man ihm anbietet, wird hinterfragt :"Was kostet das?"

Katja Jung und Barbara Horvath streiten um Pavels Obsorge, Franziska Hackel und Florian von Manteuffel sind die zukunftslosen Gemeindebau-Kids. Ein fantastisches Ensemble, das den spröden Abend trägt.

Kommende Saison folgen die meisten von ihnen dem Intendanten Andreas Beck nach Basel. Ein großer Verlust für Wien.

(kurier) Erstellt am
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