Edita Gruberova: "Man muss lernen, lernen, lernen"

Die Koloratursopranistin über Mozart, Belcanto, ihre Anfänge, Pläne und das Internet

Edita Gruberova singt am 21. 1. Mozart-Arien im Konzerthaus

Sie ist seit Jahrzehnten die unangefochtene Königin des Belcanto und treibt mit ihren atemberaubenden Koloraturen das Publikum regelmäßig an den Rand der Raserei. Kommenden Dienstag (21. Jänner) ist Edita Gruberova wieder in Wien zu hören. Im Konzerthaus singt die Ausnahmekünstlerin im Rahmen der Reihe „Great Voices“ Arien von Wolfgang Amadeus Mozart, der – wie sie im KURIER-Interview bekennt – für sie alles ist.

KURIER: Diesmal Mozart statt Belcanto. Auf welche Arien darf sich das Publikum freuen?

PK EDITA GRUBEROVA Foto: APA/HERBERT PFARRHOFER Edita Gruberova: Ich habe im Laufe meiner Karriere sehr viel Mozart gesungen, immer unter den besten Dirigenten der Welt. Mit diesem Konzert möchte ich auch eine kleine Rückschau auf meine Mozart-Rollen bieten. Also kommen noch einmal die Konstanze aus der ,Entführung‘, die Fiordiligi aus der ,Così‘, die Donna Anna aus ,Don Giovanni‘ und auch die Elettra aus ,Idomeneo‘.

Ein sehr schönes, aber auch anspruchsvolles Programm ...

Und wie! Mozart ist mit Abstand das Schwierigste. Da muss man stimmlich wirklich Farbe bekennen. Aber es ist eine so göttliche Musik, in der es um Technik und um Emotion geht. Mozart repräsentiert eine perfekte Ordnung. Er ist der Anfang und das Ende der Musik. Und die Mitte auch noch.

An der Wiener Staatsoper sind Sie im Mai konzertant als Bellinis „Norma“ zu erleben, im Oktober kommt dann wieder Donizettis „Roberto Devereux“ ...

Der ,Devereux‘ ist eigentlich meine Lieblingsoper ...

Warum?

Weil die Handlung wie ein einziger Krimi abläuft. Aber ich liebe fast alle Belcanto-Partien und freue mich auch auf ,La Straniera‘ im Jänner 2015 im Theater an der Wien.

Sie haben in vielen großen Opern von Bellini oder Donizetti gesungen? Gibt es neue Partien, die kommen werden?

Na ja, bei Donizetti sind noch so etwa 60 Opern übrig. Aber in Wahrheit will ich gar nichts Neues einstudieren. Aber das wollen meine Fans nicht. Also liegt bereits eine neue Partitur auf meinem Klavier: Donizettis ,Gemma di Vergy‘. Dieses Werk hat mich gefangen genommen. Wenn ich könnte, würde ich Donizetti und Bellini umarmen für all das Schöne, das sie komponiert haben.

Wenn man Sie singen hört, hat man immer den Eindruck, als seien selbst extreme Koloraturen für Sie unfassbar leicht ...

Danke! Aber etwa die finale Szene in ,La Straniera‘ ist schon anstrengend. So einfach geht das nicht. Ich habe zwar schon früh gemerkt, dass meine Stimme für Koloraturen gut geeignet ist, aber ohne Arbeit, ohne Technik geht nichts. Man muss lernen, lernen, lernen. Meine Stimme ist ein Geschenk Gottes, und ich muss damit sorgfältig umgehen. Aber ich habe immer gern gelernt. Ich bin schon als Kind auch krank in die Schule gegangen. Und während meines Studiums haben mich manche Kollegen sogar ausgelacht, weil ich bis spät in die Nacht Rollen studiert habe. Nur durch Disziplin kann man auch wirklich etwas erreichen.

Sie haben in Ihrer Sängerkarriere alles erreicht und feiern 2015 ihr 45-Jahre-Bühne-Jubiläum an der Wiener Staatsoper. Können Sie sich noch an Ihre Anfänge erinnern?

Aber ja. So etwas vergisst man doch nicht. Ich wurde als pure Anfängerin direkt in den Olymp geführt. Von der Slowakei an die Staatsoper – das war unvorstellbar. Als ich das erste Mal dieses Haus betreten habe, haben mir die Knie gezittert. Ich habe nicht ein Opernhaus betreten, sondern einen Palast der Gefühle. Noch dazu in einer sehr schwierigen Zeit. Wir waren Flüchtlinge, meine Mutter war krank, mein Mann ohne Job, und meine Tochter wurde gleich in unserer ersten Woche in Wien geboren – da war ein ganzes Paket zu stemmen. Aber ich hatte und habe immer viel Energie. Ich bin eine Rossnatur, und so haben wir alles geschafft.

Wie war Ihr erstes Vorsingen, noch in Ihrer alten Heimat ...

Da habe ich erst gezittert. Aber ich wurde genommen, und dann kamen die Wurzenrollen. Die sind gefährlich, weil man sich leicht darauf ausruhen kann. Es ist ja auch bequem: Man hat einen fixen Job, geht auf Proben, singt am Abend zwei Sätze und geht wieder nach Hause. Mir aber wäre das zu wenig gewesen. Auch wenn die Luft an der Spitze sehr dünn ist, haben sich alle Anstrengungen letztlich gelohnt.

Sind Sie eigentlich heute vor Auftritten noch nervös?

Eher etwas angespannt. Man hat doch dem Publikum gegenüber die Verpflichtung, jeden Abend sein Bestes zu geben. Und man hat auch eine Verantwortung den Komponisten gegenüber. Das habe ich immer im Hinterkopf. Abgesehen davon ist es immer noch ein erhebendes Gefühl, auf die Bühne der Staatsoper oder anderer Häuser zu gehen. Dass ich da oben stehen darf, erfüllt mich mit großer Dankbarkeit.

Und wenn Sie nicht gerade singen oder lernen ...

... dann arbeite ich im Garten oder lese Bücher. Ein Computer kommt mir nämlich nicht ins Haus. Da bin ich gern altmodisch. Das virtuelle Leben interessiert mich nicht. Ich bevorzuge die Realität, das wahre Leben. Das ist spannend genug.

Info

Königin der Koloratur

PK EDITA GRUBEROVA
Foto: APA/HERBERT PFARRHOFER

Biografie
Edita Gruberova wurde 1946 in Bratislava geboren, studierte in ihrer Heimat Gesang und gab 1968 ihr Debüt an der Oper in Bratislava. 1970 gab Gruberova als Königin der Nacht in Mozarts „Zauberflöte“ ihr Debüt an der Wiener Staatsoper. Sie ist die führende Koloratursopranistin.

Termine
21. Jänner: Konzerthaus Wien, Mozart. 8., 12., 17., 21. Mai: Staatsoper, „Norma“. 9., 13., 17. Oktober: Staatsoper, „Roberto Devereux“. 11., 15., 19., 23. Jänner 2015: Theater an der Wien, „La Straniera“. 7. Februar 2015: Staatsoper, Gala zum 45-jährigen Bühnenjubiläum. 9., 14., 19., 23. Oktober 2015: Staatsoper, „Anna Bolena“.

(kurier) Erstellt am
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