Wowereit und Hasselhoff schalten sich ein

Berliner East Side Gallery in neuem Glanz
Foto: dpa/A2955 Wolfgang Kumm

Klaus Wowereit, Bürgermeister von Berlin, will den Abriss der East Side Gallery ebenso verhindern wie David Hasselhoff.

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) koordiniert ab sofort den Fortgang der Arbeiten an der East Side Gallery. "Wir haben eine Verantwortung, uns der Historie bewusst zu sein und die Mauer zu erhalten", sagte Wowereit am Dienstag in Berlin vor Journalisten. Er will einen Abriss von Teilen des längsten verbliebenen Mauerstücks in der einst geteilten Stadt verhindern: "Es geht darum, eine schonende Lösung für die East Side Gallery zu finden", sagte Wowereit.

Klaus Wowereit Foto: AP/Gero Breloer Am Freitag vergangener Woche war es zu Abrissarbeiten gekommen, um einen 23 Meter breiten Zugang zu einem Grundstück an der Spree zu schaffen. Diese hatten massive Proteste ausgelöst. Der Bauherr hatte daraufhin die Arbeiten zunächst bis zum 18. März ausgesetzt.

Bezirk und Senat "auf Linie bringen"

Zunächst will Wowereit den für die East Side Gallery zuständigen Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg und den Senat "auf Linie bringen", wie er sagte. Anschließend soll mit den Investoren geredet werden. Bis wann eine Lösung vorliegt, wollte Wowereit nicht sagen. Das bereits herausgenommene Mauerstück solle aber wieder in die East Side Gallery eingefügt werden. "Ich denke, das ist technisch möglich", sagte Wowereit.

Bilder der East Side Gallery

Die weltbekannte East Side Gallery in Berlin entstand nach dem Mauerfall. Knapp 120 Künstler bemalten die ehemalige "Berliner Mauer" auf 1,3 Kilometer Länge. Die Touristenattraktion in der Nähe der Oberbaumbrücke gilt als weltweit längste Open-Air-Galerie. Überraschend hat am Donnerstag der befürchtete Abriss von Teilen der East Side Gallery begonnen. Es rückten Baufahrzeuge an der Mauer-Galerie an und entfernten auf einer Länge von mehr als 20 Metern die Oberkante des bemalten original erhaltenen Betonwalls, der einst die Stadt teilte. Am Freitag wurden mehrere Betonteile aus der Galerie herausgerissen. Polizeikräfte sicherten die Abrissmaßnahme. Die Initiative "Mediaspree versenken" rief zum Protest und zur Bildung einer Menschenkette auf. Mehre hundert Menschen folgten dem Aufruf. Sie protestierten und blockierten die Straße an der Open-Air-Galerie.
  Nach Polizeiangaben wurden drei Demonstranten festgenommen. In der Vergangenheit hatten Investoren bereits Durchbrüche erstritten. Auch dieses Mal sollen wegen eines Bauprojekts zwischen der früheren Hinterlandmauer und der Spree Blöcke herausgenommen und versetzt werden. Auf dem Areal soll ein Hochhaus mit Luxuswohnungen entstehen. Auch eine im Zweiten Weltkrieg zerstörte Brücke soll neu gebaut werden. Künstler und Bürgerinitiativen akzeptieren die Pläne nicht, die zum Teil noch vom Anfang der 1990er Jahre stammen. Unklar ist, wer die Arbeiten veranlasste. Im Bezirksamt von Friedrichshain-Kreuzberg sagte eine Sprecherin am Donnerstag: "Wir haben damit nichts zu tun." Der Künstler Thierry Noir, dessen Bilder vermutlich betroffen sein werden, sagte der Nachrichtenagentur dpa: "Ich finde es unerträglich zu sehen, dass die Mauer hier einfach so brutal abgerissen wird." Ein anderer Künstler, Kani Alavi, forderte den Berliner Senat auf, sich klar zum Erhalt der East Side Gallery zu bekennen. Zudem müsse der Senat schnellstmöglich alle Schritte einleiten, um das Denkmal und das Kunstwerk zu schützen, teilte der erste Vorsitzende der Künstlerinitiative East Side Gallery mit. Die Galerie dürfe nicht filetiert werden. Bild: Klaus Wowereit, der Regierende Bürgermeister von Berlin Die Künstlerinitiative East Side Gallery hatte sich 1996 gegründet, um das wohl berühmteste Mauerstück zu erhalten. Schnell wurde die bemalte Mauer zu einer Touristenattraktion. Erst vor wenigen Jahren wurde die Mauer saniert. 2009, also 20 Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer, haben die Künstler dieselben Motive wie 1990 gemalt. Die Sanierung war notwendig, weil die Farbe abgeblättert war und der Beton bröckelte. Der "Bruderkuss" zwischen dem damaligen SED-Chef Erich Honecker und dem sowjetischen Staats- und Parteichef Leonid Breschnew ist das bekannteste Motiv der East Side Gallery. Das Bild musste wie alle anderen der Grundsanierung der Mauer weichen. 2009 reiste auch der Moskauer Maler Dimitri Vrubel an, der sich über die Entfernung seines Bildes empört und eine Wiederholung des Kunstwerks zunächst abgelehnt hatte.
  Schließlich legte auch Vrubel Hand an - so wie insgesamt 88 Künstler, die ihre Zusage für eine Erneuerung ihrer Kunstwerke gaben. Neben dem "Bruderkuss" von Honecker und Breschnew . . . . . . ist das Bild eines Trabis, der die Mauer durchbricht, besonders bekannt.
  Weitere Motive der 2009 restaurierten East Side Gallery in Berlin: ... "Es geschah im November" von Kani Alavi Detail von Alavis Kunstwerk

David Hasselhoff kämpft mit

EPAepa02577090 US singer David Hasselhoff performs at Ballsporthalle in Frankfurt am Main, Germany, 11 February 2011. This concert is part of the The Hoff is back tour.  EPA/FREDRIK VON ERICHSEN Foto: EPA David Hasselhoff hat sich in den Streit um die East Side Gallery in Berlin eingeschaltet. Der US-Schauspieler, der Anfang der 90er Jahre in Deutschland auch als Sänger erfolgreich war, zeigte sich am Montag im Online-Kurznachrichtendienst Twitter bestürzt über die Abrissarbeiten am längsten erhaltenen Mauerstück in Berlin. "Wie kann man die Mauer niederreißen, die für Freiheit, Beharrlichkeit und menschliche Opfer steht?", fragte Hasselhoff.

Hasselhoff brachte 1989 seinen Song "Looking for Freedom" heraus, den die Deutschen im Freudentaumel nach dem Mauerfall als Ode an die Freiheit interpretierten. Das Lied stand acht Wochen auf Platz eins der deutschen Hitparade. Hasselhoff hatte in der Sylvesternacht 1989 eine denkwürdigen Auftritt vor dem Brandenburger Tor, als er seinen Hit in einer blinkenden Lederjacke vor hunderttausenden Menschen zum Besten gab.

Hasselhoff kündigte via Twitter an, die Petition gegen den Abriss unterzeichnen zu wollen. "Wo unterschreibe ich?", fragte der 60-Jährige. Bekannt wurde der Schauspieler als Bademeister in der Serie "Baywatch" und als Fahrer des sprechenden Sportwagens K.I.T.T. in "Knight Rider". Nach dem Aus für "Baywatch" im Jahr 2001 ging es mit seiner Karriere abwärts. Hasselhoff machte mit persönlichen Problemen und Alkoholeskapaden Schlagzeilen, schien sich zuletzt aber wieder gefangen zu haben.

Info East Side Gallery

Die East Side Gallery ist eine der größten Touristenattraktionen Berlins. Der Mauerabschnitt wurde seit 1990 von Künstlern mit großformatigen Wandbildern bemalt. Um einen Zugang zu einem neuen Wohnhaus hinter der Mauer zu schaffen, sollten 22 Meter der Mauer abgetragen werden. Nach massiven Protesten wurden die Bauarbeiten aber zunächst gestoppt - und zwar für mindestens zwei Wochen.

(APA / moe) Erstellt am
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