Kultur
12.01.2013

Party muss sein bei Tarantino

Der Regisseur und seine Stars Jamie Foxx & Christoph Waltz im amüsanten Gespräch.

Es ist heiß in Mexiko, und Quentin Tarantino schwitzt: „Kommt, lasst uns anfangen, damit wir nachher noch ein bisschen an den Strand gehen können“, treibt er seine Stars Jamie Foxx, Kerry Washington und Christoph Waltz in Cancún an. Tarantino liebt das Feiern – mindestens genauso sehr wie das Filmemachen. „Wenn wir drehen, feiern wir am Ende jeder Woche eine Party. Das ist Tradition bei mir.“ Die Arbeit soll ja schließlich Spaß machen.

Mit „ Django Unchained“, diesem genialen Genremix aus Spaghetti-Western, Splattermovie und Starkino (Kinostart: 18. Jänner), hat Tarantino sich viel vorgenommen: „Ich wollte einen Film machen, den ich noch nie gesehen habe.“

Was beim Thema Sklaverei, das in „Django Unchained“ auf sehr drastische Weise behandelt wird, relativ leicht gewesen sei: „Während sich in Europa Deutsche oder Österreicher der Aufarbeitung des Holocausts und der Schuld ihrer Völker stellen mussten, ist das jenseits des Atlantiks nie passiert. Amerika hat es nie geschafft, sich seiner Schuld zu stellen. Bei uns wurden historische Sündenfälle wie die Sklaverei und die Ermordung der Indianer kaum kritisch beleuchtet.“

Wie Tarantino sich der Schuldfrage annähert, das ist allerdings recht umstritten: Sein Kollege, der schwarze Starregisseur Spike Lee, machte auf Twitter seinem Ärger über „Django“ Luft. „Der Film geht respektlos mit meinen Vorfahren um. Ich werde ihn mir nicht ansehen“. Die dunkle Periode der Sklaverei in Amerika sei „kein Sergio-Leone-Spaghetti-Western, sondern ein Holocaust“ gewesen. Der Film, so Lee, sei brutal genug, um echte Gewalt zu provozieren. Tarantino kontert: „Man sollte die Brutalität wirklich sehen, mit der die Amerikaner ihre schwarzen Sklaven behandelt haben.“

Rassismus ist zeitlos

Dass trotz Obama auch heute noch nicht alles gut läuft für die Schwarzen in den USA, das beklagt auch Jamie Foxx. Vor allem in der Filmbranche spiele die Hautfarbe noch eine bedeutende Rolle.

„Schwarze werden gegeneinander ausgespielt bei der Vergabe von Rollen. Und meistens gleich im ersten Teil des Films getötet. Umso glücklicher bin ich, dass ich jetzt bei Quentin mein eigenes Pferd bekommen habe.“

Auftritt Christoph Waltz, der mit Vorliebe die Rolle des weisen Professors einnimmt – neben den sich für jede banale Antwort hergebenden Kollegen. „Mir war am wichtigsten, dass Quentin und ich nicht in die Wiederholungsfalle tappen. Mein Charakter in ,Django‘ sollte nicht genauso daherkommen wie mein Hans Landa in ,Inglourious Basterds‘. Jeder Film und jede Rolle fordern ihr eigenes Recht.“ Tarantino streut ein überschwängliches „I love you, Christoph“ ein und freut sich, dass Herr Waltz ihn in die deutsche Kulturwelt eingeführt hat: „Als Christoph mir von Wagners ,Ring des Nibelungen‘ und der Siegfried-Sage erzählte, wusste ich gleich: Das muss ich einbauen.“

Also schrieb Tarantino in sein Drehbuch die betörende Sklavin Broomhilda hinein, die von Held Django – der zwar keine Drachen, aber fiese Sklavenhalter tötet – gerettet wird. Kerry Washington spielt sie. „Eine Traumrolle“ für die Schwarze, die ansonsten kaum zu Wort kommt.

„Siegfried“ Foxx

„Aber Sie wissen schon, dass Wagner Deutscher war“, belehrt Herr Waltz einen Journalisten. „Und ich bin Österreicher.“ Nichtsdestotrotz: „Wenn man, egal, ob als Deutscher oder Österreicher, in Amerika einen leibhaftigen Siegfried so prächtig wie Jamie trifft, dann ist das eine ganz großartige Sache.“

Was er von der Arbeit mit Tarantino gelernt hat? – Waltz atmet tief durch, lässt sich Zeit mit der Antwort. „Ich habe gelernt, dass, wenn du dich zufrieden gibst mit der Grenze, von der du meinst, dass dort deine Vorstellungskraft aufhört, du nie dein Potenzial ausschöpfen wirst. Und Quentin ist meine Garantie dafür, dass ich nie an dieser vermeintlichen Grenze aufhören werde.“

Respektvolle Stille, dann Applaus für Christoph Waltz, der zufrieden lächelt.

Ja, Golden Globe und Oscar können kommen.