© APA/AFP/TIZIANA FABI

Kultur
12/02/2020

Disput um Flüchtlingsboot bei der Venedig-Biennale

Der Schweizer Christoph Büchel brachte das Schiffswrack zur Kunstschau - und sollte es zurückgeben. Doch er tut es nicht.

von Michael Huber

Es war der große Aufreger und das medial am meisten verbreitete Werk bei der Kunstbiennale in Venedig 2019 - dabei war es "offiziell" gar nicht Teil des Programms: Der Schweizer Künstler Christoph Büchel hatte das Wrack eines libyschen Flüchtlingsschiffes, das 2015 im Mittelmeer gekentert war, als Nebenprojekt vor das Arsenal geschafft und der dortigen Hauptausstellung damit gewissermaßen die Schau gestohlen. Darf man im Kunstkontext so etwas zeigen, wurde sinniert, ist es ein nötiger Hinweis auf reales Leid oder doch die Ausschlachtung desselben? Schließlich waren beim Kentern des Schiffes 700 Menschen ums Leben gekommen. 

Nun aber ist der skandalgewohnte Büchel - er transferierte u. a. bereits einen Swingerclub ins Souterrain der Wiener Secession und eine Moschee in eine aufgelassene Kirche in Venedig - aber wieder in einen Disput geraten.  Denn wie das Art Newspaper berichtet, hatte Büchel das Wrack von  der sizilianischen Gemeinde Augusta ausgeliehen und sich verpflichtet, es nach einem Jahr zurückzustellen. Das ist bisher nicht geschehen.

 

Der Bürgermeister von Augusta bestätigte, dass man sich mit Büchel in einem Disput befinde und sich weitere rechtliche Schritte vorbehalte - es gebe einen Vertrag, der den Künstler zum Rücktransport auf eigene Kosten verpflichte. Büchel selbst äußerte sich gegenüber der Zeitung nicht, die Biennale und Büchels Galerie Hauser & Wirth betonen, nicht in das Projekt involviert zu sein. 

Häuser versetzen

Es ist nicht das erste Mal, dass sich Büchel auf einen Rechtsstreit über großformatigen Schrott einlässt: Im Mass MOCA, einem Zentrum für zeitgenössische Kunst in einer aufgelassenen Fabrikhalle in North Adams, Massachusetts, plante er Mitte der Nullerjahre die monumentale Installation "Training Ground for Democracy", für die u.a. ein Waggon, ein Haus und das Wrack einer Boeing 737 herangeschafft werden sollte.

Letzteres wollte das Museum mit Verweis auf sein Budget nicht stemmen - es folgte ein zäher Rechtsstreit, der 2010 in einem Vergleich endete. Es bleibt abzuwarten, ob das Schiff noch vor dem Arsenal stehen wird, wenn nach der coronabedingten Pause 2021 die nächste Biennale - jene für Architektur - ansteht.

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